Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Naturnahes Garteln

Garten: Ein Zeichen für die Natur

Schulgarten
Helga Gebendorfer
am Dienstag, 11.08.2020 - 08:28

Ein ökologischer und artenreicher Garten verdient Anerkennung. Jetzt kann man ihn als Naturgarten zertifizieren lassen. Die Dorfhelferinnenschule Pfaffenhofen ist diesen Schritt gegangen. Wir erklären, was dafür nötig ist.

Steinhaufen

Wo Natur im Garten ist, da fühlt sich auch der Mensch wohl. Der Garten ist ein Ort der Erholung und Entschleunigung für uns Menschen und noch viel mehr. Ein Naturgarten fordert eine lebendige Vielfalt von Lebensräumen, eine bunte Mischung vom Bauerngarten bis zur Blumenwiese und vom Trockenbiotop bis zum Gartenteich.

So bewirbt die Bayerische Gartenakademie ihre Gartenzertifizierung zu „Bayern blüht – Naturgarten“. Sie organisiert diese zusammen mit den Grünordnern an den Landwirtschaftsämtern, dem Verband der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege in Bayern sowie dem Verein der Gästeführer Gartenerlebnis Bayern. Mit der Zertifizierung erhalten private und öffentliche Gärten eine Plakette, die ein sichtbares Zeichen für ökologische und nachhaltig bewirtschaftete Gärten setzt.

Das Garteln neu denken

Plakette-Naturgarten

So ausgezeichnet für die Natur ist seit kurzem der Schulgarten der Dorf- helferinnenschule Pfaffenhofen. Die Plakette wird offiziell im Herbst überreicht. Fachlehrerin Stefanie Rieblinger, die den Praxisunterricht im Nutz- und Wohngarten der Schule leitet, ist begeistert: „Es ist gar nicht so schwer, die Anforderungen zu erreichen. Jeder kann das schaffen – unabhängig von der Gartengröße!“

Freilich müssen einige Gartler dafür erstmal umdenken. Doch wer letztendlich den Erfolg sieht und spürt, erfreut sich an dem zunehmend naturnäher werdenden Garten. „Am besten geht man Schritt für Schritt an die Sache heran“, so die Fachlehrkraft. Sie empfiehlt, bereits vor einer geplanten Zertifizierung den Kontakt zum Kreisfachberater für eine erste Einschätzung aufzunehmen.

Pflicht- und Wahlkriterien

Ohrwurm

Vier Kern-Kriterien müssen für die Zertifizierung erfüllt werden:

  • Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz: Das Ziel ist, die Pflanzen vorbeugend und mit der Bewirtschaftung zu schützen. Das bedeutet: Auswahl von regionaltypischen und standortgerechten Pflanzen, die widerstandsfähig gegen Schaderreger sind, nachhaltige und schonende Bodenpflege sowie Förderung von Nützlingen. Denn chemische Pflanzenschutzmittel schaden nicht nur Schädlingen, sondern auch Nützlingen und anderen Organismen. „In Pfaffenhofen fördern wir Nützlinge durch Ohrwurmhäuschen, Insektenhotel, Florfliegenkasten und Vogelnistkasten“, bekräftigt Rieblinger.
  • Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger: Mineraldünger sind oft leicht wasserlöslich und können ins Grundwasser gelangen. Außerdem wird bei der Produktion von Mineraldüngern die Umwelt belastet. Deshalb düngt man im Naturgarten mit Kompost, organischen Handelsdüngern, Gründüngung sowie Natur- und Wirtschaftsdünger. Diese bauen gleichzeitig einen gesunden Boden auf. Die Pfaffenhofener düngen mit Hornmehl, selbst angesetzten Jauchen sowie Küchen-/Rasen-Bokashi.
  • Keine torfhaltigen Substrate: Beim Abbau von Torf werden selten gewordene Moore zerstört und torfhaltige Substrate haben oft lange Wege hinter sich. Darum vermeidet man im Naturgarten Torf zur Bodenverbesserung. Moorbeetpflanzen brauchen besondere Ansprüche, die in der Regel auf kalkhaltigen Böden in den Gärten nicht gegeben sind. „Bei uns wird bei Bedarf natürlicher Humus anstatt fertiger Pflanzerden mit Torf eingesetzt“, sagt Rieblinger.
  • Hohe ökologische Vielfalt im Garten: Die Aufgabe eines Gartlers ist es, möglichst vielen Arten an Pflanzen und Tieren einen geeigneten Lebensraum zu bieten. Das kann er erreichen, indem er verschiedene Lebensbereiche aufbaut, pflegt und fördert. Dazu zählen Trockenmauern, Stein- und Holzhaufen, Feuchtbiotope, Sonnen-/Schattenplätze, Fassaden- und Dachbegrünung. „Wir haben uns überlegt, viele verschiedene Pflanzen als Nahrungsquelle sowie eine Reihe von Lebensräumen für Tiere anzubieten“, beschreibt die Fachlehrerin das Vorgehen.

Für die Zertifizierung muss der Garten weitere Punkte aus den Kriterien „Naturgartenelemente“ und „Bewirtschaftung und Nutzgarten“ erfüllen. Hier sind sieben von insgesamt 14 Punkten erforderlich. Beispiele sind, dass man Wildkraut zulässt, Blühpflanzen für Insekten setzt, blühende und fruchtende Sträucher integriert, Kompost anlegt oder mit Regenwasser gießt.

Tipps für mehr Biodiversität

Wildes-Eck

Mehr Artenvielfalt im Garten ohne großem Aufwand – Tipps von Fachlehrerin Stefanie Rieblinger:

  • Pflanzenstiele und Samenstände im Herbst nicht abschneiden, sondern über Winter stehen lassen. Sie bieten Insekten eine Überwinterungsmöglichkeit. Zudem sieht es hübsch aus, wenn der Reif die Pflanzen überzieht.
  • Rasen später und weniger mähen – Vielfalt durch Faulheit! Dadurch können Wildblumen aussamen.
  • Ein wildes Eck schaffen, also ein Bereich, wo eine Pflege weitgehend ausbleibt und nicht gemäht wird. Dort wachsen Brennessel, Löwenzahn, Giersch, Knoblauchsrauke, ausgesamter Feldsalat.
  • Insektenfreundliche Bepflanzung von Balkon- und Blumenkästen. Kräuter wie der rote Basilikum, aber auch Thymian und Oregano sind wahre Insektenmagneten.
  • Pollen- und nektarreiche Stauden mit ungefüllten Blüten pflanzen, mit unterschiedlicher Blühzeit: vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst.
  • Nachtblühende, nektarreiche Blütenpflanzen integrieren, beispielsweise Nachtkerze, Nachtviole, Zier-Tabak, Geißblatt.
  • Wildobsthecken statt Thuja- und Buchenhecken oder Forsythien. Diese sind Nistplätze für Vögel, Insekten und Kleinsäuger. Wenn sie Früchte tragen, dienen sie zugleich als Speisekammer. Es eignen sich z. B. Schwarzer Holunder, Haselnuss, Kornelkirsche, Wildrosen.
  • Unterpflanzungen mit Walderdbeeren, Storchschnabel oder Krokussen und Traubenhyazinthen.