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Großveranstaltung

G7-Gipfel: Ein Hauch von Lockdown

G7 Gipfel Symbolbild
Kilian Pfeiffer
am Mittwoch, 22.06.2022 - 16:58

Garmisch am Vorabend des G7-Gipfels: Die Stimmung ist angespannt, die Felder ruhen.

Garmisch-Partenkirchen Die Pferde der Polizeireiterstaffel sind bei Josef Sailer untergebracht, dem Ortsobmann von Garmisch. Jede Stunde kommt eine Einheit vorbei und schaut nach dem Rechten. Im Vorfeld des G7-Gipfels erlebt Sailer gerade eine Ausnahmesituation, vergleichbar mit 2015, als schon einmal die Chefs der wichtigsten Industrienationen der Welt zusammenkamen – in Garmisch, wo Landwirte wie Sailer leben und arbeiten, wobei beides seit Monaten erschwert wird, nun eben zum zweiten Mal.

Es herrscht Ausnahmezustand im Landkreis. Sich frei zu bewegen, davon kann derzeit keine Rede sein. Tausende Polizisten sind in der Region. Die Wiesen und Felder zu bewirtschaften ist schwierig dieser Tage. Niemand sei darauf erpicht, bei all dem Gedränge mit einer Zugmaschine über die Straßen aufs Feld zu fahren, sagt Sailer. „Bei uns sind die Flächen oft weit verstreut.“

Heumachen? Später...

Die Landwirte hielten sich daher momentan zurück, wenn es etwa ums Heumachen geht. In Partenkirchen sei ein Weideaustrieb vorgezogen worden, weil die Vorbereitungen auf den Gipfel diesem sonst im Weg gestanden wären. Tiere, die nicht ausgetrieben werden konnten, müssen nun weiterhin mit Futter versorgt werden. Aber all dies seien Ausnahmen.

Mit den Verantwortlichen von Polizei und Politik stehen die Landwirte laut Sailer in gutem Kontakt. Viele Gespräche hatte es im Vorfeld gegeben. Fragen wurden gestellt und Antworten geliefert, wie die Bauern vor und während des G7-Gipfels ihrer Arbeit nachgehen können. Bei den Treffen habe man versucht, „auf Augenhöhe miteinander umzugehen und das Wichtigste im Voraus zu klären“, sagt der Landwirt und zeigt sich froh. „Es klappt soweit. Die Zusagen waren keine leeren Worthülsen.“

Die Koordination der vielen Hundertschaften an Sicherheitskräften hält Sailer für eine logistische Meisterleistung. Schon beim ersten G7-Gipfel habe das alles gut geklappt. Jetzt fühlt es sich wieder so an wie damals: „Ein Hauch von einem kleinen Lockdown“, sagt er. „Aber irgendwie bekommen wir das alles schon hin.“

Gegendemonstrationen zum G7-Gipfel sind zwar angekündigt – auch der BBV hält am Samstagabend eine Mahnwache zum Wolf (siehe dazu auch S. 17). Aber die Polizeibeamten, mit denen Sailer gesprochen hat, sind guter Dinge, sehen die Situation gelassen. Das überträgt sich auf die Bevölkerung, meint der Ortsobmann. „Ich fühle mich recht sicher.“ Dennoch liege eine „andere Spannung in der Luft als noch vor sieben Jahren“. Das hat mit der veränderten Weltlage zu tun, mit Preisexplosionen und einem Krieg, der alle irgendwie betrifft.

Joe Biden zu Gast

Kollateralschäden in Form von Flurschäden, die sind – und waren es 2015 – so gut wie sicher. Sailer ist Flurschadenschätzer im Auftrag des Landkreises. Die Schäden müssen er und seine Kollegen am Ende begutachten. Er hofft, das Wetter hält. „Lass ein paar Gewitter kommen und dann fahren Polizeifahrzeuge in die Wiesen...“ Nicht alles ist beherrschbar.

Eingeschränkt ist zur Zeit zudem der Tourismus. Auch Sailers Familie vermietet. „Wir haben ganz offen mit unseren Gästen gesprochen, dass ein normales Leben zum G7-Gipfel nicht möglich ist“, sagt er. Freizeitmöglichkeiten? Nur bedingt. Das örtliche Bad hat geschlossen. Deutlich weniger Gäste sind in Garmisch als sonst. Dafür andere – wie US-Präsident Joe Biden.