Für Tiere und Almleute

1 - Almbauern RO
Martina Fischer
am Donnerstag, 26.03.2020 - 11:27

Gemeinsame Versammlung der Rosenheimer Bezirksalmbauernschaften befasst sich mit neuen Fördermöglichkeiten und der Idee eines Arbeitskreises Almweidemanagement gemeinsam mit der Landesanstalt für Landwirtschaft.

Eine Premiere gab es heuer bei den Bezirksalmbauernschaften im Landkreis Rosenheim: Bad Aibling, Brannenburg, Oberaudorf und Samerberg hielten statt einzelner Veranstaltungen eine gemeinsame Versammlung vor den coronabedingten Kontakteinschränkungen ab. Rund 80 Besucher konnte der Oberaudorfer Bezirksalmbauer Sepp Kern dazu begrüßen. Man habe die Versammlungen der Praktikabilität wegen einfach zusammengefasst, sagte er.

Und dann kam der Bär daher

Dass man als Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) sofort und bei vielen Belangen gefordert ist, war für Glatz schnell Realität. Gleich nach seiner Wahl kam ein Bär auf bayerisches Gebiet, Stellungnahmen waren gefordert. Auch im Winter habe es Spuren gegeben. Das Tier verhalte sich jedoch bisher unauffällig. Dementsprechend sei auch der AVO in seinen Forderungen zurückhaltend. „Solange er ruhig bleibt und scheu ist, können wir nicht rumschreien“, erklärte der Vorsitzende. Man bleibe allerdings an der Sache dran. Schließlich gebe es Verantwortung für Tiere und Almleute. Mit der Ausgleichszulage könne man auch nicht zufrieden sein. „Genau die, die am meisten benachteiligt sind, haben am meisten abgezogen bekommen“, monierte Glatz und kündigte an, weiter zu verhandeln.

Möglichkeiten für die Almbauern stellte Markus Höper, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes (LPV) Rosenheim, vor. Im Rahmen der Landschaftspflegerichtline könnten sie Maßnahmen beantragen und, so bewilligt, abrechnen. Die Almen seien die biotopreichsten Flächen – ein Umstand, der erhalten und gefördert werden solle. Problempflanzen zu entfernen sei ein Ziel. Maschinelle Arbeiten könnten gefördert werden, aber auch Umtriebskoppeln. Voraussetzung: Biotopkartiertheit der Flächen. „Grundsätzlich muss es naturschutzfachlich sinnvoll sein,“ meinte Höper. Deshalb komme ein Mitarbeiter des LPV nach Beantragung vorbei, mit dem man alles besprechen könne. Dann würden die weiteren Schritte geplant. Das Programm sei unabhängig von anderen Förderungen möglich. Es sei durchaus auch für Flächen gedacht, die aus der Förderung herausgefallen seien und nach Durchführung der Maßnahmen wieder aufgenommen werden könnten.

Sinnvolle Ergebnisse in mehreren Jahren

Ein Veranstaltungsbesucher erklärte bei der Fragerunde, dass er bereits seit vier Jahren Erfahrungen mit dem Programm habe. Seine Meinung: relativ unkompliziert in der Beantragung. Sein Rat: mehrere Jahre durchführen, um sinnvolle Ergebnisse zu erzielen.
Auf spezifische Weidewirtschaft setzt der zweite Referent des Abends, Sigi Steinberger von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Seit 2005 betreut er die Forschungsprojekte der LfL zur Weidewirtschaft. Steinberger ist von der Kurzrasenweide als bester Möglichkeit für die Flächen überzeugt. Diese sei nicht nur historisch bewährt, sondern auch am effizientesten in punkto Kosten. Dabei gehe es um das magische Dreieck Auftriebszeitpunkt, Viehbesatz und Weideführung. Die Vorteile der Herangehensweise hätten sich in der Schweiz und in Österreich, aber auch bei verschiedenen Projektalmen der LfL in Bayern gezeigt. Das Angebot seitens Steinberger von der LfL und dem AVO: die Gründung eines Arbeitskreises „Almweidemanagement“, wie dieser beispielsweise im Land Salzburg existiere.
„Wir würden es gut finden, wenn gerade im Landkreis Rosenheim welche mitmachen,“ erklärte AVO-Geschäftsführer Hans Stöckl. Dabei gehe es nicht um eine Gesinnungsfrage bei der Bewirtschaftung, sondern um die Verbesserung der Weiden auf den Almen. Interessierte können sich gerne beim AVO melden. Das Ziel seien zwischen acht und 15 Teilnehmern am Projekt. Da der Beginn für die Kurzrasenweide nicht zu spät gesetzt werden dürfe, sollten die Anmeldungen bis spätestens Mitte April erfolgen.

Infos zum AK Almweidemanagement

Ziel des Arbeitskreises ist die Umsetzung des „magischen Dreiecks der Almbewirtschaftung“:

  • eine Projektalm,
  • zusätzlich circa zehn Almbauern, die selbstständig das Erlernte auf ihrer Alm umsetzen,
  • circa sechs Begehungen im Sommer auf der Projektalm (Teilnahmepflicht),
  • Laufzeit drei Jahre, anschließend Evaluierung der Umsetzungen.
  • Nicht gewollt ist:

  • politisieren,
  • mangelnde Umsetzungsbereitschaft,
  • Wolfsdiskussionen.
  • Interessenten wenden sich bitte für weitere Infos an die Geschäftsstelle des AVO unter Tel. 08024- 460-4445. Anmeldungen sind bis Mitte April gewünscht.