Initiative

Für gegenseitiges Verständnis werben

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Alexander Kraus
am Mittwoch, 09.06.2021 - 06:39

Die Arbeitsgemeinschaft „Dialog Landwirtschaft“ will Konflikte vermeiden. Es soll gezielt zwischen Akteuren vermittelt werden.

Uffing/Lks. Garmisch-Partenkirchen Uneinigkeiten und Reibungspunkte gibt es zwischen Landwirten und der Bevölkerung auf dem Land schon seit Urzeiten. Eine Initiative will in Uffing weiteren Streitereien präventiv entgegentreten. Dort wurde die Arbeitsgemeinschaft „Dialog Landwirtschaft“ ins Leben gerufen.

Landwirte, die nachts mit riesigen Güllefässern unterwegs sind, sorgen unter der Bevölkerung für Verdruss und Unverständnis. Gleichfalls reagieren Bauern jedoch empfindlich, wenn Hundebesitzer es zulassen, dass die Vierbeiner Hundekot auf den Getreidefeldern hinterlassen oder Wildparker ihre Wiesen benutzen. Zwischen Landwirten und Anwohnern herrscht demnach Konfliktpotenzial. In Uffing hat sich die Arbeitsgemeinschaft „Dialog Landwirtschaft“ gegründet, die zwischen den Akteuren vermitteln will. Sprecherin Dr. Monika von Haaren sagt: „Wir werben für gegenseitiges Verständnis.“

Die Interessen aller Beteiligten vertreten

Die Gemeinde Uffing hat rund 3000 Einwohner, darunter sind 40 noch aktive Landwirte im Haupt- oder Nebenerwerb. Um die Interessen aller Beteiligten zu vertreten und Reibereien zu entschärfen, hat sich die Arbeitsgemeinschaft mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Zugspitz Region mit Sitz in Garmisch-Partenkirchen gewandt. Mit Erfolg: „Dialog Landwirtschaft“ ist eine der Einzelmaßnahmen, die mit 2300 € im Rahmen des Projekts„Unterstützung Bürgerengagement“ bezuschusst werden. Diese Mittel stammen aus dem Topf des europäischen Förderprogramms Leader.

Weil in Uffing also noch viele Bauern ihre Felder bewirtschaften, aber der Ort auch attraktiv für Touristen und ein Magnet für Erholungssuchende ist, die aufs Land ziehen wollen, sind Konflikte vorprogrammiert. Die Landwirte beklagen die mangelnde Rückendeckung und geringfügige Wertschätzung ihrer Arbeit. „Das Verständnis für die Landwirtschaft fehlt. Da fragen sich die Anwohner, warum müssen die im Sommer am Nachmittag das Gras mähen“, verdeutlicht von Haaren. Der Lärm der Traktoren sowie verschmutzte Straßen verärgern Anwohner und Touristen. „Die Bürger können die Landwirte oft nicht verstehen.“
Um die Situation zu verbessern, haben sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft – dazu gehören Gemeinderäte, Mitarbeiter der Verwaltung und engagierte Bürger – ein Konzept erarbeitet. Der erste Schritt ist ein moderierter Austausch mit allen ortsansässigen Landwirten, um deren Herausforderungen, Meinungen und Positionen zu erfahren. Eine zweite Veranstaltung richtet sich an die Bürger in Uffing.
Im Rahmen dieser Versammlung kommen Vertreter aller Interessengruppen mit den Landwirten ins Gespräch. „Wir wollen gemeinsam in Dialog treten und erste Lösungen finden“, sagt von Haaren. Dabei soll vor allem ans Tageslicht kommen, welche der skizzierten Probleme in Uffing besonders konfliktbeladen sind. Wichtig sei vor allem, dass ein Bewusstsein für die Arbeit der Landwirte entsteht, hofft die Geografin. Mögliche Ideen zur Umsetzung gibt es auch schon: ein Tag des offenen Stalls, die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten, Aktionen zu den Themen Regionalvermarktung und Blühflächen.

Die Landwirtschaft vor Ort unterstützen

Das große Ziel, das hinter dem Projekt steckt: Die Landwirtschaft im Ort unterstützen, den Natur- und Kulturraum schützen und das gegenseitige Verständnis fördern. Durch den finanziellen Anschub, den die Arbeitsgemeinschaft durch den Leader-Zuschuss erhält, können die Kosten gedeckt werden, die durch Raummieten, Flyer und Infomaterial entstehen. Auch ein externer Berater könnte damit entschädigt werden.
Neben dem „Dialog Landwirtschaft“ in Uffing gehört auch der „Kaufladen im Dorfladen“ in Farchant zu den geförderten Projekten. Beantragt hatte dies der Förderverein der Lehrer und Mitarbeiter der Christophoros-Schule in Farchant. Weitere Aktionen: der Kauf einer Drohne zur Rehkitzrettung und zur Aufspürung kranker und kaputter Bäume der Jagdgenossenschaft Seehausen. Wer sich für Leader-Projekte interessiert, meldet sich bei Martin Kriner von der LAG Zugspitz Region unter Telefon 08821-751430 oder per Mail an martin.kriner@leader-zugspitzregion.de.