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Für Bienen und Imker da

Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 23.05.2019 - 15:30

Der Nebenerwerbslandwirt Josef Kaufmann aus dem Altmühltal imkert seit 40 Jahren. Es begann klassisch mit Großvaters Bienen, mittlerweile referiert er auch darüber und bietet Imkerkollegen seine Serviceleistungen an.

Imker

Mit großer Leidenschaft widmet sich Josef Kaufmann aus Buxheim im Landkreis Eichstätt der Imkerei. „Ein Leben ohne Bienen kann ich mir nicht vorstellen“, verrät er und erzählt, dass er sich diesem Metier bereits seit 40 Jahren verschrieben hat. 
Die ersten Bienen zogen auf dem Anwesen schon 1933 beim Großvater ein, der mit rund 25 Völker wirtschaftete, dann folgte sein Vater, der die Anzahl auf etwa 200 Völker ausbaute und aktuell sind bei Josef Kaufmann im Nebenerwerb 24 Völker zuhause. 
„Schon als kleiner Bub habe ich mitgeholfen – wenn auch mit Widerwillen, da die Bienen damals noch sehr aggressiv waren“, denkt der 60-Jährige zurück. Sein Vater brauchte seine Hilfe und deshalb packte er tatkräftig z. B. beim Honigschleudern oder Magazineversetzen mit an.

Den landwirtschaftlichen Betrieb mit fünf Tagwerk Wald und vier Tagwerk Wiesen vom Urgroßvater führt der Fliesen- und Plattenmosaiklegermeister im Nebenerwerb weiter. Das Wissen rund um die Imkerei hat er durch Fortbildungen auf Imkerschulen in Veitshöchheim und Landsberg/Lech vertieft und hat sich zudem zum Bienenfachwart ausgebildet.

Die Bienenvölker von Josef Kaufmann sind im Moment auf sieben Standorte bis zu einem Umkreis von 4 km auf verschiedene Trachtstellen verteilt. So stellt er sicher, dass eine Vielzahl von Honigsorten produziert wird. „Es gibt Blütenhonig, Rapshonig, Waldhonig, Sommerblütenhonig und Lindenhonig“, zählt er auf.

Er transportiert mit seinem Anhänger gezielt je nach Jahreszeit jeweils zehn bis 15 Völker zu bestimmten Flächen mit blühenden Pflanzen und lässt sie dort durchschnittlich sechs bis acht Wochen stehen. Zum Teil bekommt er für die Bestäubungsleistung der fleißigen Tierchen sogar ein Entgelt, wie beispielsweise derzeit von einer Heidelbeerplantage.

Der Honigertrag richtet sich nach den entsprechenden Wetter- und Trachtverhältnissen. „Ich ernte normalerweise 30 Kilo pro Volk. In Spitzenzeiten können es aber auch einmal 60 Kilo werden“, informiert er.

Geschleudert wird zwei- bis dreimal jährlich

„Ende Mai sowie im Juni und Juli“, so der Imker. Dazu sucht er sich schöne, warme Tage aus und geht jeweils erst ab 19 Uhr abends ans Werk.

Der Honig wandert in Eimer, die eingelagert und je nach Bedarf in Gläser abgefüllt werden. Dazu wird der Honig – in der Regel immer etwa 40 kg – im Wärmeschrank leicht erwärmt und anschließend in 250- bzw. 500-g-Gläser eingefüllt. „Die kleine Variante ist sehr beliebt bei Singlehaushalten“, weiß Josef Kaufmann aus Erfahrung. Seit 15 Jahren schmückt seine Gläser ein Etikett mit der Aufschrift „Honig aus dem Altmühltal“.

Im Angebot hat der umtriebige Imker auch cremigen Honig, der durch Rühren entsteht. Pro Arbeitsgang werden 50 bis 60 kg Honig auf diese Weise verarbeitet. Durchschnittlich nimmt sich der Imker zum Abfüllen und für den maschinellen Rührvorgang alle zwei Wochen Zeit. 

Das 500-g-Honigglas kostet 6 € – egal welche Sorte. „Ich verlange kein Pfand. Meine Kunden bringen fast alle Gläser wieder zu mir zurück“, berichtet er.

Honig und Blütenpollen

Neben Honig gewinnt Josef Kaufmann auch 15 bis 20 kg Blütenpollen pro Jahr. Kunden sind Allergiker aus der Region. „Die Nachfrage ist sehr hoch und dieses Produkt ist gleich vergriffen“, erklärt er und weist darauf hin, dass er nur nach Vorbestellung aktiv ist. „Es bereitet viel Arbeit und erfordert mehrere Spezialmaschinen“, verdeutlicht er und rechtfertigt damit den Kilopreis von 22 €.

Zudem werden jährlich 50 l Liköre mit verschiedenen Geschmacksrichtungen, 400 l Honigmet und 200 l Honigessig hergestellt. Schließlich verarbeitet der Betrieb rund 200 kg Wachs zu Bienenwachskerzen in allen Formen und Größen.
70 bis 80 % aller Produkte werden im eigenen, 40 m² großen Laden vermarktet, der Rest geht an Direktvermarkter im Umkreis bis zu 10 km. Der Verkaufsraum, in dem auch alles für den Imkerbedarf zu haben ist, ist werktags von 7 bis 18 Uhr außer Mittwoch und Samstag Nachmittag geöffnet. Der Einzugsbereich der Kundschaft, die pro Einkauf ein bis 40 Gläser Honig mitnehmen, erstreckt sich auf fast 40 km.

„Heutzutage muss man vielfältig sein, um erfolgreich zu sein. Das heißt: Ideen haben und Neues ausprobieren“, lautet die Devise von Josef Kaufmann. So widmet er sich auch der Zucht von Bienenköniginnen und hat letztes Jahr 110 von ihnen gezüchtet und verkauft. 
Gerne angenommen werden von seinen Imkerkollegen auch seine Serviceleistungen. Dazu gehören die Wachsum­arbeitung für Mittelwände und der Dampfwachsschmelzer zum Einschmelzen von Wachs und Rähmchenreinigung. „Diese Dienste können gerne auf Anmeldung bei mir in Anspruch genommen werden“, sagte Kaufmann.

Über die Arbeit mit den Bienen und die Vermarktung der Produkte hinaus engagiert er sich als Fachwart ehrenamtlich in Form von Schulungen bei verschiedenen Obst- und Gartenbau- oder Imkervereinen, Kindergärten, Schulen und in der landwirtschaftlichen Ausbildung. „Für mich ist die Aufklärung über die Bienenhaltung und ihre Bedeutung für die Natur sehr wichtig. So kommen im Jahr gut 30 solcher Termine zusammen“, erzählt der Experte.

Arbeit macht Spaß

Die viele Arbeit, die seine emsigen Bienensammlerinnen mit sich bringen, nimmt der 60-Jährige gerne in Kauf. „Das ist meine große Leidenschaft. Wer einmal Bienen hat, ist so fasziniert, dass er nicht mehr davon loskommt“, bekräftigt er. Und weiter: „Ich schätze ihre Bestäubungsleistung und die gesunden Produkte, die vielfältig eingesetzt werden können.“ 

So gibt es für den Imker von April bis August keinen Urlaub. Denn in diesen Monaten hat er tagtäglich mit seinen Bienenvölkern zu tun. Seine Devise lautet, so wenig wie möglich schwärmen zu lassen. Das bringt es mit sich, alle sechs Tage jedes Volk zu kontrollieren und gegebenenfalls Weiselzellen zu entfernen. Daneben gilt es Ableger oder Fluglinge zu machen. 

Hinzu kommen die Aufgaben Pollen gewinnen, Königinnen züchten, Honig schleudern und die Varroa-Milbe bekämpfen. Eingesetzt wird hierzu im Sommer ein- bis zweimal Ameisensäure und im Winter einmal Oxalsäure. „Um die Schäden zu begrenzen, habe ich mich dazu entschieden, modern zu imkern“, meint Kaufmann. Das bedeutet konkret: im Herbst Kunstschwärme machen oder eine totale Brutentnahme durchführen.

Wichtig ist ihm auch der Einsatz von neuen Mittelwänden nach dem letzten Schleudern. Alles in allem beziffert er die Ausfälle über den Winter auf 8 bis 10 %. In diesen Wintermonaten steht dann die Vermarktung seiner Produkte und die Vorbereitung für die nächste Saison im Vordergrund.

Wie sieht der Blick in die Zukunft aus? Momentan soll die Anzahl der Bienenvölker gleich bleiben. Doch wenn Josef Kaufmann in Rente geht und mehr Zeit hat, sollen sie auf jeden Fall aufgestockt werden. Außerdem hat er jetzt schon eine konkrete Vision, die seinen Laden ergänzen soll: „In fünf Jahren steht mein erster Honigautomat vor der Haustüre. Ich bin überzeugt, dass ihm die Zukunft gehört“, verrät er. Irgendwann einmal möchte er seine Völker seinem Neffen übergeben, der selbst auch schon jetzt fleißig imkert.