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Projekt

Frischer Wind bei Bio

ÖMR-WagingerSee-Rupertiwinkel
Hannes Höfer
am Dienstag, 22.01.2019 - 14:50

Gemeinden aus Landkreis Berchtesgadener Land wollen nach Förderungsende aus Ökomodellregion aussteigen/Biosphärenregion soll übernehmen.

Alle sprachen von einem Erfolgsmodell. Und doch votierte am Ende eine Mehrheit im Laufener Stadtrat für einen Ausstieg aus der Ökomodellregion Waginger See/Rupertiwinkel. In drei Jahren soll Schluss sein. Ab nun will man verstärkt auf die Aktivitäten der Biosphärenregion Berchtesgadener Land setzen. Denselben Weg will auch die Gemeinde Teisendorf beschreiten. Die dritte Gemeinde in der Ökomodellregion Saaldorf-Surheim wolle am Ende des Jahres 2021 einen endgültigen Entschluss fassen. Der dann neugewählte Gemeinderat solle entscheiden wie es für Saaldorf- Surheim mit der Ökomodellregion weitergehe. Auch in der Gemeinde Wonneberg (Lks. Traunstein) stand die Zukunft der Öko-Modellregion (ÖMR) zur Debatte. Ein deutliches Pro-ÖMR war das Ergebnis: zehn Gemeinderats-Mitglieder stimmten für die ÖMR und zwei dagegen.
Die nunmehr zwölf bayerischen Ökomodellregionen gehen auf eine Initiative des ehemaligen Landwirtschaftsministers Helmut Brunner zurück. Zehn Gemeinden sind Mitglied der Ökomodellregion Waginger See - Rupertiwinkel, die drei oben genannten gehören zum Landkreis Berchtesgadener Land.
Die Bürgermeister von Laufen und Teisendorf hatten in einer Vorstandssitzung erklärt, dass man nach Ablauf der staatlichen Förderung aus der ÖMR aussteigen werde.
„Eine sehr gute Arbeit“, attestierte Laufens Bürgermeister Hans Feil der ÖMR. „Wir sind sehr zufrieden.“ Doch der Teufel stecke im Detail: In der Mitgliedschaft sowohl in der ÖMR als auch in der Biosphärenregion erkennt das Stadtoberhaupt eine gewisse „Verzettelung“ und einen „Abstimmungsaufwand“.
Mit nun sieben Mitarbeitern sehe sich die Biosphäre in der Lage, künftig auch den Bereich Ökolandbau abzudecken. Karin Heinrich beschäftigt sich bei der Biosphärenregion seit vergangenem Sommer mit den Themenbereichen nachhaltige Regionalentwicklung und umweltgerechte Landnutzung – darunter falle auch das Thema Ökolandbau. Ihr Arbeitspensum beträgt derzeit eine halbe Planstelle. Nicht zuletzt werde diese Biosphärenregion vom Freistaat finanziert, die Kosten für die ÖMR müssten ab 2022 allein die Mitgliedsgemeinden zahlen.
„Ich war schockiert über die Nachricht vom geplanten Austritt“, gestand Georg Linner, ÖMR-Referent im Stadtrat. „Es ist eine Erfolgsgeschichte“, betonte der Stadtrat. In Laufen gebe es mit dem biozertifizierten Schlachthof und dem Biosaft der Firma Greimel zwei „Leuchtturmprojekte.
Die Biosphäre hat dazu in ihren 28 Jahren kein einziges Projekt zustande gebracht“, verglich Linner. „Sie kann in den kommenden drei Jahren beweisen, dass sie Öko kann und will.“ Biosphäre und ÖMR schlössen sich keineswegs aus, meint Linner, der nicht verstehen mochte, weshalb man nun ein „erfolgreiches Modell“ verlassen wolle. Ein Modell, in dem die Gemeinden entscheiden, was geschieht, nicht der Staat.
Dr. Peter Loreth. Leiter der Verwaltungsstelle der Biosphärenregion erklärte, dass die Kommunen in deren Trägerverein seien, eine direkte Weisungsbefugnis hätten sie nicht. Doch wolle man sich bald treffen, um „gemeinsame Ziele“ zu formulieren.
ÖMR-Projektmanagerin Marlene Berger-Stöckl wünscht sich weiterhin eine langfristige Zusammenarbeit mit den beiden Gemeinden. Sie sieht das Positive an der Sache, immerhin seien sie nicht sofort ausgestiegen, sondern die Übergabe an die Biosphäre erfolgt schrittweise und endet planmäßig zum Jahr 2022.
„Ich will auch künftig so gut wie am ersten Tag mit den Gemeinden im Kreis Berchtesgadener Land zusammenarbeiten. Wir haben viele gemeinsame Aufgaben“, betonte die Managerin gegenüber dem Wochenblatt. Und in drei Jahren könne ja noch viel passieren.

Zurückrudern ist möglich

„Der Stadtrat hat jedes Recht der Welt, neu zu beschließen“, beruhigte Feil, der sich für eine dreijährige Übergangszeit aussprach, um somit allen Beteiligten Planungssicherheit zu geben. Man vergebe sich nichts, in beiden Strukturen zu bleiben und eventuell in zwei, drei Jahren neu zu entscheiden.
Loreth berichtete von aktuell laufender Saatgutvermehrung gemeinsam mit der LfL. In wenigen Jahren sollten den regionalen Landwirten alte Getreidesorten wie Emmer angeboten werden.
Vertreter des bayerischen Bauernverbandes sahen die Entscheidung der beiden Gemeinden recht pragmatisch – aus finanzieller Sicht spiele die geplante Übergabe an die Biosphärenregion eine große Rolle.

In den Dienst der Sache stellen

Die Gemeinden Laufen und Teisendorf wollen die Öko-Modellregion (ÖMR) Waginger See-Rupertiwinkel nach Förderungsende 2021 verlassen, nachdem sie vor zwei Jahren beigetreten sind. Zwar sind alle Befragten voll des Lobes für die Leistungen von Projektmanagerin Marlene Berger-Stöckl, doch gibt es einen Haken daran: die Kosten! Das Projekt wird zeitlich degressiv vom bayerischen Landwirtschaftsministerium gefördert und muss ansonsten von den teilnehmenden Kommunen finanziert werden.

Nach Auslaufen der Förderung hätte beispielsweise die Gemeinde Laufen 17 000 € im Jahr dafür aufzubringen. Gleichzeitig gibt es die Biosphärenregion Berchtesgadener Land, welche zu 100 % vom bayerischen Umweltministerum finanziert wird. Eben diese Einrichtung verfügt seit vergangenem Sommer über eine neue Kraft, die sich dem Ökolandbau widmen soll. Angesichts der notorischen Geldknappheit von Gemeinden ist die Entscheidung der Gemeinderäte von Laufen und Teisendorf, den biologischen Landbau künftig zum Nulltarif bei der Biosphärenregion anzusiedeln, durchaus verständlich. Ihr Nachteil: Sie könnten damit Einfluss über Projekte in ihrem Areal verlieren. Wird doch oft darüber geklagt, dass die Regierung vieles überstülpt, ohne die Gegebenheiten vor Ort zu kennen.

Ganz bitter hingegen ist die Situation für Berger-Stöckl, die trotz ihres Engagements damit nicht weitermachen darf. Denn in den vergangenen beiden Jahren haben sie und ihre Mitarbeiterin einiges auf die Beine gestellt, etwa die Biozertifizierung des Laufener Schlachthofes.

Die Fußstapfen, in welche Karin Heinrich, die Beauftragte der Biosphärenregion steigen soll oder will, sind also groß. Im Sinne der Bauern ist zu hoffen, dass sie sich darin nicht verliert sondern die ambitionierten Ziele, welche der ehemalige bayerische Landwirtschaftsministers Helmut Brunner für die Ökomodellregionen formuliert hat, anstrebt. Nämlich Impulse zu geben und den Bio-Anteil Bayerns bis 2020 zu verdoppeln. Bis zum Förderungsende arbeiten Berger-Stöckl mit 1,15 Personalstellen und Heinrich mit halber Stelle parallel daran. Auch hier ist zu hoffen, dass die Abstimmungen gedeihlich verlaufen.