Vermarktung

Frisch, frei, Zieglers Ei

Stefanie Ziegler mit Nudeln
Helga Gebendorfer
am Dienstag, 07.04.2020 - 10:12

Stefanie und Markus Ziegler halten rund 1000 Legehennen in Mobilställen. Vermarktet wird unter anderem über einen Automaten am Hof.

Auf einen Blick

  • Familie Ziegler bewirtschaften zwei Nebenerwerbsbetriebe 1 km voneinander entfernt.
  • Die Eier werden über einen Automaten am Hof, die Caritas und bei Edeka vermarktet.
  • Die Eier aus den Mobilställen sind aufgrund Dinkelspelz in den Legenestern besonders sauber.

Ostern in der Regel Hochsaison

Mobilstall 2

Normalerweise herrscht auf dem Zieglerhof in Königsmoos im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen vor Ostern Hochsaison. In Zeiten des CoronaVirus schnellte die Nachfrage nach Eiern bereits Wochen vorher in die Höhe. „Deshalb konnten wir keinen Lagerbestand aufbauen, so dass das Angebot immer relativ knapp ist – und das vor Ostern“, erzählt Stefanie Ziegler. Die Kunden bestellen oft schon Wochen vorher, damit sie pünktlich zum Fest ihre Eier bekommen. Auch gefärbte Eier sind von Mitte Januar bis vier Wochen nach Ostern im Angebot. Dazu werden die eigenen Eier zu einer Färberei gegeben.

Familie 1
Markus und Stefanie Ziegler bewirtschaften zwei Nebenerwerbsbetriebe – die etwa einen Kilometer voneinander entfernt sind. Der Hof von Markus’ Eltern umfasst 19,5 ha LN – 7,5 ha Wiesen und 12 ha Acker – sowie die Aufzucht von 30 Mastfärsen. Auf dem Betrieb von Stefanies Großeltern werden knapp 11 ha bearbeitet, davon 4 ha Wiesen. Sämtliche Ackerflächen werden mit Industriekartoffeln sowie Mais und Getreide bestellt, das alles wird an die Legehennen verfüttert.
„Meine Oma hielt bereits Hühner für den Eigenbedarf“, erinnert sich Altenpflegerin Stefanie Ziegler. Gemeinsam mit ihrem Mann kaufte sie 2013 die ersten 50 Hühner. „Sie sollten vor allem das Gras auf den vorhandenem Sandplatz an der Großeltern-Hofstelle kurz halten“, begründet der 44-jährige den damaligen Schritt. Das klappte ganz gut, die vorbeifahrenden Leute sahen die Hühner und fragten bei ihnen, ob sie von ihnen Eier bekommen könnten. „Damit fiel der Startschuss für den Eierverkauf und es ging rasant aufwärts“, blicken die dreifachen Eltern zurück. Die Nachfrage wuchs dermaßen an, dass innerhalb von kurzer Zeit zu wenig Eier für den Eigenbedarf zur Verfügung standen. Deshalb wurden schon nach nur zwei Monaten weitere 100 Hühner angeschafft.

Mehrere Wachstumsschritte

Der nächste Wachstumsschritt erfolgte 2015. „Eigentlich war das alles nicht so geplant, aber die Nachfrage war da. Letztlich standen wir vor der Entscheidung: ganz oder gar nicht“, erzählen sie. So wurde vor fünf Jahren in den ersten Mobilstall für 188 Legehennen investiert und damit begonnen, die vorhandenen Altgebäude in Ställe für 300 und 150 Legehennen umzubauen. Zum Abschluss folgte vergangenes Jahr der zweite Mobilstall mit 350 Legehennen. „Alles in allem sind inzwischen 1000 Legehennen zusammengekommen“, rechnen die Zieglers vor. Stefanie Ziegler hat viel Freude an dem Umgang mit den Tieren, weil sie „klein und übersichtlich“ sind und man sie gut auf die Hand nehmen kann.

„Für uns stand von Anfang an fest, dass wir eine komplette Freilandhaltung praktizieren“, sagt Markus Ziegler. A und O sei der Standort, nämlich an der Staatsstraße zwischen Ober- und Untermaxfeld. Dort sind die freilaufenden Hühner gut sichtbar. „Selbstverständlich müssen auch Qualität und Preise stimmen“, meinen die Eierproduzenten. Auch hiermit können sie punkten: die Tiere erhalten Qualitätsfutter aus dem eigenen Betrieb und die Ware ist frisch. Ab Hof kostet ein Ei 30 ct – egal ob M und L, verkauft wird nach Vorrat. „Die Kundschaft ist zufrieden und die Nachfrage steigt“, sagen die Direktvermarkter, auch erfreut über die sich positiv entwickelnden Eierpreise ab Hof.
Sämtliche Hühner werden stallweise im Rein-Raus-Verfahren komplett ausgetauscht und entweder an Kleinbetriebe weiterverkauft oder gehen in eine Geflügelschlachterei in der Region. Alle Suppenhühner werden zur eigenen Vermarktung am Hof wieder zurückgenommen. „Sie erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit und gehen weg wie warme Semmeln“, bestätigt die Nebenerwerbsbäuerin.
Der Zeitpunkt für die Generationswechsel im Stall sind wohl durchdacht. Denn die Zieglers kennen ihre Nachfragespitzen sehr genau: vor Ostern und in der Vorweihnachtszeit. „Hier muss die Eierproduktion optimal laufen, während es im Sommer ruhiger ist“, teilen sie mit und ergänzen dass junge Hennen zwar kleinere, aber relativ viele Eier legen. „Bis zu sechs Wochen nach der Einstallung legen sie S-Eier, die wir zur Nudelherstellung verwenden“, bemerkt sie. Diese Schiene fahren die Zieglers von Anfang an und auf diese Weise werden die Eier der Junghennen sinnvoll verwertet. Insgesamt sieben verschiedene Sorten lässt Familie Ziegler von einem Direktvermarkter-Kollegen in Schwaben herstellen.

800 Eier pro Tag

Pro Tag fallen auf dem Geflügelhof rund 800 Eier an, die vermarktet werden müssen. „Wir sind zufrieden, wenn alle Hennen zu 80 Prozent täglich ein Ei legen“, verraten die Direktvermarkter. Auf die Legeleistung wird über das Futter und die Lichtsteuerung Einfluss genommen. Die Ställe werden täglich automatisch spätestens um 10 Uhr geöffnet und bei Dämmerung geschlossen. In der Regel sammelt Familie Ziegler die Eier ab 14 Uhr ein. Danach werden diese im Packraum in die Größenklassen S, M, L und XL sortiert, auf Eierlagen gesetzt bzw. in 6er oder 10er Kartons verpackt und gelagert.

Mit besonders sauberen Eiern punkten die Mobilställe. „Denn die Legenester sind mit Dinkelspelz ausgestattet, der von den Tieren bevorzugt aufgesucht wird. Das klappt super“, so Stefanie Ziegler. Sie erklärt, dass auch die übrigen Ställe damit umgerüstet werden sollen. Der Tipp kam vom Stallhersteller. Die weiteren Vorteile der Mobilställe: einfach zu misten und unkomplizierter Standortwechsel regelmäßig alle zwei bis vier Wochen je nach Witterung, so dass immer frisches Gras zur Verfügung steht. Darüber hinaus bekommen die Tiere selbst erzeugtes Futter, wobei aus den gequetschten Komponenten rund alle drei Wochen mit dem eigenen Mischwagen eine Ration zusammengestellt wird.
Die anfallende Arbeit bewältigt die Familie gemeinsam am Wochenende und in der Freizeit. „Wir helfen alle zusammen, sonst würde es nicht gehen“, bestätigt der Familienvater, der froh ist, dass auch noch drei Altenteiler fleißig ihre Arbeitskraft einbringen.

Mehrere Vermarktungswege

In den letzten Jahren haben sich mehrere Vermarktungswege entwickelt. Die Direktvermarktung ab Hof – seit 2016 mit einem Eierautomat – wird sehr gut angenommen. Die Kunden schätzen die Einkaufsmöglichkeit rund um die Uhr. Angeboten werden die eigenen Eier und Nudeln sowie von anderen Direktvermarktern Honig, Wurstgläser, Kürbiskernprodukte und im Sommer Grillfleisch vom Hofladen im Moos. „Ich kontrolliere den Warenbestand täglich und fülle bei Bedarf nach“, sagt Stefanie Ziegler Auskunft.

Zweites Standbein ist die Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Neuburg-Schrobenhausen über die Gemüsekiste der sozialen Gärtnerei „Spatenstich“, die von Zieglers Eier ergänzt werden. Außerdem arbeiten die Direktvermarkter mit anderen Hofläden und einem Getränkemarkt in Karshuld zusammen. Seit vergangenem Jahr liefert der Geflügelhof auch an die Edeka-Filialen in Königsmoos und Neuburg-Donau.
„Der Einstieg in die Hühnerhaltung war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Das Eiergeschäft hat sich rasant nach oben entwickelt“, blickt Markus Ziegler zurück. Auf diese Weise werden beide Hofstellen erhalten und die dazugehörigen Flächen ideal genutzt. Im Moment freut sich Markus Ziegler, dass die Kunden bei ihm nach Kapazitäten fragen. Zudem ist er überzeugt, dass die Nachfrage noch weiter steigt. Darum blickt der LKW-Fahrer zuversichtlich in die Zukunft und ist offen für Neues. „Wenn die Entwicklung so weitergeht, bin ich bereit, mich noch mehr als bisher diesem Betriebszweig zu widmen. Um dann allerdings die Kundenwünsche erfüllen zu können, würde meine ganze Arbeitskraft nötig sein“, stellt Markus Ziegler fest, der in diesem Fall beabsichtigt, vom Nebenerwerb in den Vollerwerb einzusteigen.