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Umzug

Franz Beck und seine Kuh Vroni: Ungleiches Duo sucht Zuhause

Frank Beck Vroni
Kilian Pfeiffer
am Dienstag, 02.08.2022 - 08:50

Nicht immer läuft im Leben alles nach Plan: Frank Beck will nach der Scheidung von Hessen nach Berchtesgaden ziehen – aber nicht ohne seine Kuh Vroni.

Marburg/Berchtesgaden - Frank Becks Herz geht auf, wenn er von Berchtesgaden spricht. Im Bergsteigerdorf Ramsau hat er viele Male seinen Urlaub verbracht. „Ich mag die Kultur, die Sprache, die Landschaft”, schwärmt der Nebenerwerbslandwirt und jetzt ist es für ihn definitiv: Er will die Zelte in Steffenberg-Oberhörln im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf nach seiner Scheidung vor drei Jahren endgültig abbrechen.

Das Glück suchen Mann und Kuh nun in Berchtesgaden. Frank Beck und Vroni gibt es nämlich nur im Doppelpack. Der 52-Jährige und seine 14-jährige Kuh suchen ein neues Zuhause.

Vom Hof zum Ein-Kuh-Betrieb

Beck ist gelernter Modellschlosser, der später zum Forstwirt umschulte. Seit einem Unfall ist der Rücken lädiert und er ist Frührentner. Die Liebe zu den Tieren fand er in jungen Jahren: „Als Kind wollte ich schon eine Wiese und ein Schaf haben”, erzählt er. Seine Großmutter hatte damals einen Stall. Mit 24 Jahren schaffte sich Frank Beck die ersten Rhönschafe an, eine der ältesten Nutztierrassen Deutschlands.

Nach dem Kauf des ersten eigenen Hauses hatte er plötzlich selber viel Platz, 4 ha Grund mit Stall und Scheune. Mehrere Katalanische Riesenesel zogen ins Becksche Gut ein, dann Hühner, Gänse, Katzen und Münsterländer. Zu Spitzenzeiten hatte Beck sechs Stück Tiroler Grauvieh. „Mit den Tieren habe ich mir einen lang gehegten Traum erfüllt”, sagt er.

Beim ersten Blick war es um ihn geschehen

Zu Kuh Vroni aber pflegt der 52-Jährige eine ganz besondere Beziehung. „Ich habe sie 2009 einem Landwirt in Bad Tölz abgekauft“, erzählt er. Dieser hatte eine Alm beim Achensee im österreichischen Tirol. Als der Nebenerwerbslandwirt dort die Kuh holen wollte, stand Vroni schon in einem Hänger. Als die damals Eineinhalbjährige Frank Beck erblickte, „und mich anguckte, war es sofort um mich geschehen“, sagt er. Das Versprechen, sie niemals zum Metzger zu bringen, war schnell gegeben. „Ich habe ihr gesagt, dass sie bei mir ihr Gnadenbrot bekommen wird”, sagt der Steffenberger und sein Wort will er in jedem Fall halten.

Vroni wird im Oktober 15 Jahre alt. Beck sagt, die Kuh höre auf ihn wie ein Hund. Wenn der Tierarzt einmal pro Jahr zur Blutuntersuchung kommt, schafft es nur er selbst, seine Vroni zu beruhigen und das Halfter anzulegen. „Wir sind tief miteinander verbunden”, ist Beck sicher. Drei Kälber hatte Vroni bereits, dann ereilte sie ein Euterbandriss. Vroni gibt keine Milch mehr. Jeden Tag striegelt Beck sie morgens und abends, er spricht mit ihr und will sich um Vroni kümmern, solange sie am Leben ist.

Neuanfang mit bescheidenen Ansprüchen

Ihr und sein Leben sieht der Forstwirt in Zukunft im Berchtesgadener Talkessel. In Steffenberg-Oberhörlen möchte er nicht bleiben. „Vor drei Jahren haben wir uns scheiden lassen”, sagt Beck über seine damalige Beziehung. Sein großer Traum jetzt: Nach Bayern ziehen. Das möchte er nun anpacken und eine neue Bleibe finden, wo er schon immer gern in den Urlaub fuhr.

„Ich bin in der Lage neu anzufangen”, sagt er. Seine beiden Kinder sind mittlerweile 18 und 20 Jahre alt, also erwachsen. Und: „Meine Ansprüche sind überschaubar”, sagt er. „Ich wäre schon zufrieden, wenn ich bei einem Landwirt in einer Einliegerwohnung unterkäme.“ Einzige Bedingung: Kuh Vroni darf nicht allzu weit entfernt wohnen. „Ein Pensionsplatz wäre schön”, hofft Beck.

Seine Kuh will Beck regelmäßig besuchen. Als Vronis Besitzer übernimmt er alle Einstell- und Versorgungskosten und bietet an, auch bei der Stallarbeit zu helfen, „nach meinen Möglichkeiten“. Für Vroni will er nur das Beste – da würde er selbst in jeder Hinsicht zurückstecken.