Kontroverse

Fledermäuse sollen Abriss des Brucker Hofes verhindern

Gruppenfoto Bat Night Brucker Hof
Alexander Kraus
am Montag, 13.09.2021 - 16:29

Siegfried Moser kämpft verzweifelt um seinen Hof. Das Landratsamt fordert den Abriss. Fledermäuse sollen nun das Blatt wenden.

Steingaden/Lks. Weilheim-Schongau „Wie kann man mit Behördentricksereien so einen schönen Hof abreißen?“, fragt Siegfried von Hohenhau. Er ist einer der Unterstützer des Brucker Hofes, den Landwirt Siegfried Moser, 82, bewirtschaftet und laut Verwaltungsgerichtshof nun in Teilen abreißen soll. Bis zum 25. November sollen die Maschinenhalle und die Betriebsleiterwohnung im Altbestand verschwunden sein – aber damit womöglich auch eine Reihe geflügelter Bewohner: Sechs Arten von Fledermäusen leben hier und genießen eigentlich Schutzstatus.

Am letzten Augustsamstag trafen sich rund 15 Freunde von Moser auf dem Hof, um im Rahmen einer „Bat-Night“ auf die Tiere aufmerksam zu machen. Auf den Bänken an der Südseite lässt man sich zur Beobachtung nieder. Es dämmert, ist kalt, hat fast den ganzen Tag geregnet. Insekten sind wenig unterwegs. Moser blickt in den grauen Himmel. „Die werden heute nicht rauskommen“, fürchtet er. Doch einige Exemplare zeigen sich. Für einen kurzen Augenblick huschen sie über den Garten. In manchen Nächten, so berichtet der Landwirt, fliegen ihm die kleinen Tierchen nur so um die Ohren.

Zwei Gutachten beauftragt

Nicht nur Fledermäuse – das Große Mausohr, das Braune Langohr sowie die Zwerg-, Zweifarb- und Rauhautfledermaus – haben in den Mauern und Nischen ihr Zuhause gefunden, sondern auch geschützte Mauersegler und Schwalben. Das belegen zwei von Moser für den Prozess beauftragte Gutachten. Siegfried von Hohenhau, ehemaliger Rechtsanwalt, versteht nicht, warum für die Echelsbacher Brücke Unsummen für den Erhalt der Populationen investiert würden, Behörden und Gerichte hier jedoch untätig blieben.

Der Abrissbescheid schwebt seit Ende Mai wie ein Damoklesschwert über Moser. Landratsamt und Gerichte argumentieren mit Schwarzbau. Moser pocht darauf, es habe Absprachen mit den Ämtern gegeben, von denen diese nichts mehr wissen wollen. Wilfried Götz ist als ehemaliger Nachbar zur „Bat-Night“ gekommen. Zu den Gerichtsurteilen sagt er: „Ich kenne mich juristisch nicht aus. Aber menschlich ist es nicht, ich bedaure das.“ Wie er haben fast 2000 andere eine Petition gegen den Abriss unterzeichnet (www.stopp- abriss-bruckerhof.de). Im Spätherbst macht sich der Petitionsausschuss ein Bild vor Ort. Etwas Hoffnung bleibt Moser, dass die Fledermäuse noch zur Wende führen könnten. „Fledermausschutz ist für Behörden und Gerichte gesetzliche Pflichtaufgabe“, sagt jedenfalls von Hohenhau.

Landwirt Siegfried Moser bangt um seinen Brucker Hof. Das Landratsamt Weilheim-Schongau fordert den Abriss zweier Gebäude. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat die Entscheidung des Verwaltungsgerichts bestätigt und die Berufung des 82-jährigen Landwirts gegen den Abriss seines Hofes in Steingaden nicht zugelassen. „Eine sehr große Ungerechtigkeit, ein Vertrauensmissbrauch gegenüber dem Staatsbürger und ein Schlag ins Gesicht aller kleinen Landwirte“, klagt Moser.