Ökomodellregion

Fernwärme und lebendige Ortskerne

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am Dienstag, 24.11.2020 - 09:46

Ökomodell Achental informiert über wichtige Handlungsfelder.

Die Achentalhalle gab dem Verein Ökomodell Achental den Raum für seine Mitgliederversammlung, welche vor den neuen Coronabeschränkungen unter Schutzvorkehrungen durchgeführt wurde.
Dabei gab der 1. Vorsitzende Stefan Schneider, 1. Bürgermeister der Gemeinde Bergenmoderne Ökomodell-Projekte auf, die im Einklang mit den Maßnahmen des Freistaates zur ländlichen Entwicklung laufen. Große Themen sind hier Innenentwicklungskonzepte für die Gemeinden und weniger Flächenverbrauch. „Lebendige Ortskerne machen eine gesunde Gemeinde aus“, so sagt es Schneider.
Auf dem Weg dahin stehen die Gemeinden im Ökomodell an unterschiedlichen Ausgangspunkten: Ein Flächenkatasters soll deren individuelle Möglichkeiten aufzeigen, Potenziale der Gemeinden sichtbar machen und Strategien zur inneren Entwicklung fördern. Dazu erarbeiten Fachleute ein Konzept zur Innenentwicklung. Vor Ort laufen Gespräche mit den Gemeinden.
Auch auf der Flur mischt das Ökomodell mit, etwa mittels Kreuzkrautbekämpfung. Seit 2019 wird das Vorkommen dieser, hochkonzentriert für Mensch und Tier giftigen Pflanzen kartiert. Derzeit entsteht ein Informationsflyer. Neu im Achental ist die biologische Kreuzkrautbekämpfung mit der Blutbärenraupe. Die versuchen die Fachleute wie im letzten auch im kommenden Frühjahr im Achental zu vermehren. Das Ökomodell plant Informationsveranstaltungen für Landwirte und andere Betroffene. Das Projekt Kreuzkrautbekämpfung wurde bis Ende 2021 verlängert.
In punkto Klimaschutz ist nach wie vor Fernwärme ein Thema: Die Erfahrungen in Reit im Winkl, Grabenstätt und Grassau sieht Vorsitzender Schneider als durchweg positiv. In Bergen fehlt es an ausreichend Anschlussinteressierten, das Projekt wirtschaftlich zu gestalten. In Schleching wird aufgrund eines privaten Engagements das bestehende Wärmenetz am Dorfplatz erweitert. Erfreulicherweise bescheinigt die Machbarkeitsuntersuchung des Amtes für ländliche Entwicklung Oberbayern (ALE) Potenzial für Marquartstein. Die Umsetzung ist vom dortigen Gemeinderat beschlossen und das Ökomodell unterstützt die Gemeinde dabei, eine Versorgung von rund 30 Abnehmern bei einem Wärmebedarf von rund 3600 MWh im Jahr im ersten Bauabschnitt zu ermöglichen.

17 Kleinprojekte in der Region gefördert

In diesem Jahr wählte das Ökomodell Achental 17 regionale Projekte für das Regionalbudget des ALE aus. Das Regionalbudget unterstützt: Darunter Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung des Gartenbauvereins Schleching, Vitrinen zur Ausstellung von Archäologischen Funden des Heimat- und Geschichtsvereins Achental. Es half weiter, die sogenannte Forscherhütte an der Grund- und Mittelschule Unterwössen mit Equipment und einer Photovoltaikanlage auszustatten. Der Dorfladen in Schleching erhielt ein Kühlregal, der Dorfplatz in Bergen einen Verkaufsraum, um die Möglichkeiten des Dorfplatzes zu erweitern. Insgesamt sind rund 80 000 € in die Region geflossen, sagt Schneider. Er ruft für das kommende Jahr auf, Förderungen für Kleinprojekte aus dem Regionalbudget zu beantragen.
Die Gebietsbetreuung Achental im Ökomodell setzt sich für das grenzüberschreitende Interregprojekt „Vielfältiges Leben an unseren Gebirgsflüssen – für ein respektvolles Miteinander von Mensch und Natur“ ein. In dem Rahmen läuft eine Besucherlenkung an der Tiroler Ache. Teile von Kiesbänken sperrt die Gebietsbetreuerin mit Schildern für die Brutzeit, um Brutplätze der gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Vögel zu schützen. Das geschieht saisonal und unter Beobachtung des Brutverhaltens. Von den vom Aussterben bedrohten Flussuferläufern waren in diesem Jahr mehrere Pärchen an der Ache unterwegs, fünf Jungvögel der Flussregenpfeifer wuchsen dort auf.
In Coronazeiten haben sich die Achentalgemeinden zur Stärkung des regionalen Einkaufs mit den Händlern ihrer Gemeinden zusammengetan und eine auch nach Auffassung der Händler erfolgreiche Aktion „Kauf regional!“ gestartet.

Wichtiger Partner: Die Förderstiftung

Einen wichtigen Partner sieht Schneider in der beim Ökomodell angesiedelte Förderstiftung Ökomodell Achental. Sie ist aus dem 2001 gegründeten Initiativkreis Ökomodell Schleching hervorgegangen und besteht seit 2009. Mithilfe von Preisgeldern und Spenden fördert die Stiftung Umwelt- und Sozialprojekte im Achental. Mit der Vorsitzenden Stephanie Hennes leitet der siebenköpfige Stiftungsbeirat aus Verantwortlichen der Gemeinden, dem Ökomodell und Vertretern von Interessengruppen die Förderstiftung. In einem Almführer für Kinder, der Kreuzkrautkartierung im Achental und der Unterstützung von Umweltbildung in Schulklassen leistet sie wertvolle Arbeit.
Bei den durchzuführenden Wahlen gab es ausschließlich Wiedergewählte: Stefan Schneider wurde als Vorsitzender bestätigt, Andreas Scheck als zweiter Vorstand. Schatzmeister bleibt Ludwig Entfellner.

Biodiversitätshotspot Hochgern

Fachlichen Input gab es von Diplom-Biologe Markus Sichler und Almfachberater Christian Tegethoff in einem Lichtbildervortrag vom neuen Bergmähder Projekt am Hochgern. Auslöser dieses Projektes ist ein Gutachten, das die Regierung von Oberbayern in Auftrag gab. Aus dem ging hervor, dass der Hochgern mit der Hochgern-Südflanke und dem Hasenpoint ein Hotspot der Biodiversität in den östlichen bayerischen Alpen ist. Um zu verhindern, dass diese Flächen vergrasen, verfilzen und verbuschen soll mit modernen Maschinen zur alten Wildheugewinnung zurückgekehrt werden. Das soll den seltenen Pflanzen den Raum erhalten.
„Es ist eine Chance“, so der Vorsitzende Stefan Schneider. „Schauen wir es uns ein paar Jahre an. Wenn es gelingt, wäre es eine Zukunft für unsere Heimat und unsere Berge.“