Forstwirtschaft

Fehler beim Pflanzen vermeiden

WBV-Pflanzschulung_LF
Ludwig Holly
am Dienstag, 13.04.2021 - 12:26

Die WBV Wolfratshausen schulte Waldbesitzer in der richtigen Technik. Beim Pflanzen können viele Fehler gemacht werden.

Wie gelingt der Umbau von Fichtenreinbeständen in stabile, gemischte Wälder? Erste Antwort: Weißtanne und Laubbaumarten müssen durch Pflanzung eingebracht werden, da in diesen Beständen die Samenbäume fehlen.

Dass beim Pflanzen viele Fehler gemacht werden können, bewies eine vor mehreren Jahren durch die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) durchgeführte Untersuchung. Damals wurden 8000 Bäume, über ganz Bayern verteilt, sorgfältig wieder ausgegraben. Dabei zeigte sich, dass Pflanzfehler auch nach Jahren an der Wurzelausbildung zu sehen sind und sich auch im Laufe der Zeit nicht mehr auswachsen.

Wurzeldeformationen, das heißt verkrümmte und gebogene Wurzeln, verhindern eine gute Verankerung der Bäume im Boden. Dadurch verringert sich die Stabilität und das Risiko eines frühzeitigen Ausfalls durch Windwurf oder Schneedruck steigt.
Damit ihre Mitglieder hier möglichst keine Fehler machen, hatte die WBV Wolfratshausen zu einer praktischen Pflanzschulung eingeladen. Sie wurde organisiert vom Revierleiter und Beratungsförster der WBV Wolfratshausen Robert Nörr (AELF Holzkirchen) und vom WBV-Geschäftsführer Florian Loher.
„Wurzeldeformationen verringern das Sprosswachstum nur bei extremer Ausprägung. An der Wuchsform des Stammes sind sie nicht feststellbar. Daher können Wurzeldeformationen oberirdisch nicht erkannt werden“, erklärte Nörr.

Qualität von Anfang an: Hochwertiges Pflanzgut

Es ist viel zu beachten, damit die Pflanzung ein Erfolg wird. Es beginnt mit der Verwendung von hochwertigem Pflanzgut. „Die Qualität der Pflanzen ist wesentlich wichtiger als eine geringe Kosteneinsparung beim Pflanzenankauf“, betonte Loher. Bestellen die Waldbesitzer die Pflanzen über ihre WBV, dann bekommen sie nicht nur einen oftmals besseren Preis, sondern die Pflanzen werden nach der Anlieferung auch von den WBV-Fachleuten kontrolliert. Dabei kommt es durchaus vor, dass Sortimente von ungenügender Qualität zurückgewiesen werden.
Je kleiner die Pflanzen sind, desto geringer ist das Risiko, dass die Wurzeln im Anzuchtbetrieb zu stark gekappt wurden und außerdem bringt man sie leichter fachgerecht in den Boden. Es gilt der Grundsatz: „Große Pflanzen – großes Risiko“.
Vorsicht ist auch geboten beim Wurzelschnitt. „Es dürfen nur einige überlange Feinwurzeln gekürzt werden. Die Tiefenwurzel wird nur so lange eingekürzt, bis sie stabil ist, dass heißt auf der Handfläche steht“, erläuterte Pflanzexperte Nörr.
Als geeignetes Pflanzwerkzeug für den Kleinprivatwald empfahl er den Hohlspaten. Zu beachten ist, dass das Loch tief genug gegraben wird, das Pflanzloch in mehreren Schritten verfüllt wird und die Pflanze noch einmal etwa fünf Zentimeter nach oben gezogen wird, um eine Wurzelstauchung zu vermeiden. „Zudem müssen alle Wurzeln mit Erde bedeckt werden. Liegt auch nur eine winzige Wurzel frei, dann zieht diese wie ein Docht Wasser ab und die Pflanze wird vertrocknen“, so Nörr.
Hat der Waldbesitzer die Pflanzung vergeben, dann sollte er die Pflanzarbeiten regelmäßig überwachen. Dabei reicht zur Beurteilung der Pflanzqualität der feste Sitz der Pflanze allein nicht aus. Besser ist, gemeinsam mit dem Pflanzer eine Pflanze sorgfältig wieder auszugraben und dabei die Lage der Pflanze, die Verfüllung mit Erde und die Qualität des Wurzelschnitts zu prüfen.

Stimmt der Wildbestand nicht, dann wird es teuer

Auf ein Problem bei jeder Pflanzung wies WBV-Geschäftsführer Loher hin: „Wenn der Wildbestand nicht stimmt, dann wird es teuer, denn dann müssen die Pflanzen durch einen Zaun oder Wuchshüllen geschützt werden“. Wenn die Pflanzen überwuchert werden, müssen sie immer wieder frei gelegt werden, damit sie nicht absterben. Hat man eine staatliche Förderung für die Pflanzmaßnahme erhalten, ist dies sogar verbindlich vorgeschrieben. Damit die kleinen Bäumchen bei der Pflege nicht übersehen oder abgemäht werden, empfahl Nörr, sie zu markieren, entweder mit dickwandigen Bambusrohren (Tonkinstäben) oder mit langlebigeren, farbigen Fiberglasstäben.