Kürbis

Extravaganz in Asenkofen

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Externer Autor
am Dienstag, 30.10.2018 - 15:24

Roter Apfelsaft, eine Kürbisauswahl im dreistelligen Bereich und Kürbisschnitzen am 27. Oktober: Das gibt es auf dem Hof von Familie Sellmeir-Schwalb.

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Als eine Trendsetterin könnte man Riccarda Sellmeir-Schwalb bezeichnen, wenn man sich mit der Bäuerin über ihre Kürbisvermarktung unterhält: Diese erfolgt nicht etwa auf Bauernmärkten oder am Straßenrand mit Einwurfkassen – dort hat sie nur ihren Wegweiser zum Wohn- und Arbeitsort ihrer Familie aufgestellt. Folgt man diesem Schild, gelangt man zu einem abgeschiedenen Einsiedlerhof, der über den betriebseigenen Ackerflächen und dem Langenbacher Ortsteil Oberhummel im Kreis Freising thront. Doch im Herbst mag man dort in Asenkofen den Blick gar nicht so weit schweifen lassen, denn im Innenhof des landwirtschaftlichen Familienbetriebs sind feinsäuberlich über 150 Kürbissorten drapiert in den Kategorien Zierkürbisse, Speisekürbisse und die „großen Zierkürbisse“ für Halloween. Der Verkauf des Gemüses erfolgt ab Hof, die Kunden stammen größtenteils aus den umliegenden Dörfern. Dank der exponierten Lage finden laut Sellmair-Schwalb aber auch Urlauber immer wieder den Weg zu ihr. „Vegetarier decken sich auch gut ein“, berichtet sie. Dies ist der erste Trend, den die Gartenbäuerin bedient.

Weiter mit der Zeit gegangen ist sie durch den Anbau von Halloweenkürbissen, nicht essbaren Sorten, die nach dem amerikanischen Brauch zum letzten Oktobertag ausgehöhlt werden – eine beliebte Beschäftigung für Kinder, auch die eigenen, wie die Bäuerin berichtet. Kindern, die im Herbst geboren sind, bietet Sellmeir-Schwalb ein besonderes Schmankerl: eine Geburtstagsfeier am Hof, bei der Gesichter in die unterschiedlich großen Kürbisse geschnitzt werden. „Momentan ist Hochsaison“, betont sie. Doch auch abseits von Geburtstagen kommen an zwei Wochenenden, so auch an diesem Samstag, 27. Oktober, Kindergruppen zum Schnitzen. Der Hof von Riccarda und ihrer Familie ist auch Ziel von Wandertagen der umliegenden Schulen. „Diese Hofbesuche sind gute Werbung“, erklärt die Gartenbäuerin.
Mit dem Kürbisanbau angefangen hat Riccarda Sellmeir-Schwalb gemeinsam mit ihrem Mann Peter Schwalb um die Zeit ihrer Hofübernahme vor etwa 20 Jahren auf einer Fläche von 600 m². „Und dann hat man halt immer wieder neue Sorten ausprobiert.“ Beide Eheleute haben in Weihenstephan Gartenbau studiert, Peter sogar bis zur Promotion. Der beliebte Speisekürbis Hokkaido etwa ist in Asenkofen mit vier unterschiedlichen Sorten vertreten. Was das Laienauge nicht sofort zu sehen vermag, sprudelt aus der studierten Gartenbäuerin sogleich heraus: „Die einen sind runder, die anderen ovaler und auch die Stengel sind unterschiedlich dick.“ An Speisekürbissen bietet sie ihren Kunden 40 unterschiedliche Sorten. Auf der Beliebtheitsskala ganz oben stehen die allseits bekannten Sorten Hokkaido und Butternuss, aber auch exotischere Sorten wie Pink Banana oder Sweet Grey werden laut Riccarda Sellmeir-Schwab gut nachgefragt.

Viel Handarbeit erfordert

Liebe fürs Detail braucht die Familie schon beim Anbau der Sonderkultur ab Ende April. Dieser erfolgt auf 1,5 ha per Handarbeit, um das unterschiedliche Saatgut perfekt zu platzieren. Alle vier Jahre wird dieselbe Fläche verwendet. „Da braucht man schon guten Boden, der sich leicht erwärmt“, betont Sellmeir-Schwalb. Auch Hügelland sei wegen der Erosionsgefahr für den Kürbisanbau nicht geeignet. Ab Anfang September können die Früchte geerntet werden.
Unterstützt wird das Paar von einem Praktikanten und einer Hilfskraft, die von September bis Anfang November auf dem Hof mitanpackt. Auch Riccardas Eltern Resi und Paul Sellmeir helfen nach Kräften mit, etwa beim Verkauf. Denn der Kürbisanbau ist neben dem Saften der rotfleischigen Apfelsorte Weirouge aus Weihenstephan „nur das Herbstgeschäft“.
Die Familie bewirtschaftet 75 ha Ackerfläche auf konventionelle Weise und etwa 30 ha Wald. „Da kommt einiges zusammen“, bestätigt Sellmeir-Schwalb, blickt aber in positiver Erwartung auf den Winter, wenn es wieder ruhiger wird. „Bis auf die Waldarbeit und den Christbaumverkauf“, räumt sie ein. Die Christbäume werden oft von den Kürbiskunden im Herbst reserviert und kurz vor Weihnachten vom Kunden selbst geschlagen. sas