Tierhaltung

Der Ertrag schwankt auf beiden Seiten

Fohlen+Kälber_1
Dietmar Fund
am Freitag, 17.07.2020 - 08:13

Rinder und Pferde sorgen für das Einkommen der Familie Straubinger. Die beiden Standbeine stützen sich gegenseitig.

Manuela und Richard Straubinger sind froh über die Lockerung der coronabedingten Ausgangsbeschränkungen. Seither darf auf ihren Plätzen wieder Reitunterricht stattfinden. Es dürfen wieder Besucher durch die Stallungen streifen, wo zuvor nur noch Pferdebesitzer und Reitbeteiligungen Besuchszeiten über das Internet vereinbaren konnten.

Nun hoffen die beiden Besitzer des seit 1901 im Besitz der Familie Straubinger stehenden Hofes, dass sie Anfang September auch das zwölfte ihrer traditionellen Reitturniere durchführen dürfen. Dafür registrieren sie gewöhnlich bis vier Wochen vorher rund 500 Pferde mit 1500 Starts.

Familie im Pferde- und Reitfieber

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Die Reitbegeisterung hat bei Richard Straubinger sein Vater Alois geweckt, der sich mit Mutter Rosalia aufs Altenteil zurückgezogen hat. Er hatte auf dem Milchviehbetrieb bis 1969 noch einem Kaltblüter das Gnadenbrot gegeben, der noch als Arbeitspferd tätig gewesen war.

Im Jahr 1972 begann er mit der Warmblut-Zucht. Fleckviehkühe hatte er zuvor schon gezüchtet. Sein Sohn Richard wurde 1988 Landwirtschaftsmeister und übernahm 1997 den Betrieb. Nebenbei lernte er das Reiten.

Richards Frau Manuela ist im Reitbetrieb ihrer Großeltern aufgewachsen. Stolz ist das Ehepaar auf seine Söhne Michael und Simon, die beide schon oberbayerische Meister im Springreiten waren, und auf ihre Tochter Julia, die ebenfalls gerne reitet.

Bei so viel Leidenschaft für Pferde war es ein logischer Schritt, dass Straubinger Ende der 80er Jahre angefangen haben, außer den eigenen auch fremde Pferde auszubilden. Ihr Beritt beginnt im Alter von drei bis vier Jahren. Das Anreiten dauert drei bis vier Monate. Die Ausbildung zum Turnierpferd kann sich über zwei Jahre erstrecken.

Box oder Vollpension

Eine erste Erweiterung war der Bau der Reithalle 1993. Im Laufe der Jahre kamen ein Springplatz für Turniere, ein Dressurplatz und eine 60 x 40 m große Allwetter-Koppel sowie eine Führanlage hinzu.

Schritt für Schritt wurde der Hof attraktiver, und so beherbergt er seit dem Jahr 2000 neben rund 20 eigenen Pferden auch im Schnitt 30 Pensionspferde. Deren Besitzerinnen und die wenigen männlichen Besitzer können wählen, ob sie nur die Box und die Fütterung bezahlen möchten oder die „Vollpension“, die auch das Ausmisten beinhaltet.

Da einige der Pferdefreundinnen besonders auf das Futter achten, stellt ihnen Manuela Straubinger frei, ob ihre Tiere selbst angebautes Heu, Hafer und Silomais oder zugekauftes Futter bekommen.

Dienstleister und Kummerkasten

Die Stallungen stehen täglich von 6 bis 22 Uhr offen, damit Berufstätige auch abends noch bei ihrem Pferd vorbeischauen können. Auch sonntags auf der Terrasse muss die Familie mit Nachfragen rechnen.

„Ein Stück weit muss man auch Kummerkasten sein“, berichtet Manuela Straubinger. „Viele brauchen auch jemand zum Reden. Es geht gar nicht immer um das Pferd.“

Rund 90 Prozent der Kunden sind weiblich. „Wenn es dem Pferd gut geht, ist der Besitzer zufrieden und wir dann auch“, erklärt Richard Straubinger. „Die Leute sollen gerne bei uns sein, deshalb begreifen wir uns als Dienstleister mit unserer kompletten Anlage.“

Weniger Ehrgeiz, mehr Entschleunigung

Geändert hat sich das Verhältnis zum Pferd auch in sportlicher Hinsicht, beobachtet das Ehepaar. Viele Kinder hätten beim Reitunterreicht weniger sportlichen Ehrgeiz und Anstrengung sei nicht mehr so gefragt.

„Das Führen ist das moderne Reiten“, formuliert Manuela Straubinger. Für die Sportlichen wiederum sei der Turniersport oft zu teuer geworden. Wer erfolgreich sein wolle, müsse mehrere Pferde am Start haben und fast jedes Wochenende zu einem Turnier fahren.

„Heute wollen die Leute entschleunigen, also müssen wir ihnen Sitzgelegenheiten bieten“, sagt die für die Pferdestallungen zuständige Ehefrau. „Einen Getränkeautomaten haben wir in einem nicht bewirtschafteten, frei zugänglichen Aufenthaltsraum aufgestellt, aber eine Hofgastronomie würde sich bei unserer Anzahl der Einsteller nicht lohnen.“

Für ein Hofcafé müsste sie selbst das Reiten aufgeben. Außerdem arbeite die Familie an der Leistungsgrenze – mit ihren 60 Milchkühen mit weiblicher Fleckvieh-Nachzucht und der Bewirtschaftung ihrer eigenen 24 ha Land sowie zugepachteten Grundstücken.

Beide Standbeine stützen sich gegenseitig

Richard Straubinger und die Söhne kümmern sich um die Milchkühe im 1991 umgebauten Laufstall und um die Kälber, die auch für die Kinder der Pferdeliebhaber ein Anziehungspunkt sind.

Auf die Stallarbeit im Kuhstall entfallen rund zwei Drittel des Arbeitsaufwands, während es bei den weniger zeitkritischen Pferde-Stallungen nur ein Drittel ist. „Der Ertrag schwankt auf beiden Seiten“, bilanziert der Landwirt. „Auf der einen Seite ist der Milchpreis entscheidend, auf der anderen Seite die Belegung der Boxen. Meist schwächelt eine der beiden Säulen, aber sie stützen sich gegenseitig.“

Der 55 Jahre alte Hofinhaber und seine neun Jahre jüngere Frau planen nicht, den Milchviehbestand aufzustocken, weil ihre Flächenausstattung dies nicht zuließe.

Da der Pferdesport eher rückläufig ist, wollen sie ihre Stallungen dafür nicht verändern. Sie träumen nur ein wenig davon, mehr selbst gezüchtete und ausgebildete Turnierpferde für gutes Geld verkaufen zu können.

Der älteste Sohn Michael ist bereits ausgebildeter Landwirtschaftsmeister, Simon besucht demnächst die Winterschule. Die Zukunft des Betriebs bleibt also spannend.