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Nutztierrisse

Erster Fall in Bayern: Goldschakal tötet Lämmer

Goldschakale leben unter anderem in Südostasien und Südosteuropa. Er ist nur wenig größer als ein Fuchs und ähnelt diesem laut Landesamt für Umwelt auch beim Beutefangverhalten.
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Freitag, 12.08.2022 - 16:14

Wie nun mit dem Riss in Oberbayern umgegangen wird, ist noch offen. Es ist der erste nachgewiesene Riss durch einen Goldschakal.

Huglfing/Lks. Weilheim-Schongau Dieser Fall dürfte demnächst auch die bayerische Landespolitik beschäftigen: Im Landkreis Weilheim-Schongau hat ein Goldschakal vier Lämmer gerissen. Das Landesamt für Umwelt (LfU) bestätigte dem Wochenblatt, dass die genetischen Untersuchungen den Goldschakal als Verursacher bestätigt haben. Der Riss selbst ereignete sich bereits Ende April.

Doch der Riss könnte nun weitere Folgen haben, immerhin handelt es sich laut dem LfU um den ersten Nutztierriss in Bayern, der nachweislich auf einen Goldschakal zurückzuführen ist. Der Goldschakal zählt nicht zu den „großen Beutegreifern“ und besitzt einen geringeren Schutzstatus als Wolf, Bär oder Luchs, sagte ein LfU-Sprecher. Ein Schadensausgleich auf Grundlage der „Ausgleichsregelung Große Beutegreifer“ sei folglich nicht möglich.

Da es der erste nachgewiesene Nutztierriss eines Goldschakals in Bayern überhaupt gewesen ist, müssen mögliche Regelungen für einen Umgang mit dem Goldschakal erst geprüft werden, heißt es vom LfU, „einschließlich der Frage einer Aufnahme in das Bayerische Jagdrecht“.

Bauernverband fordert Managementplan

BBV-Umweltpräsident Stefan Köhler forderte nach dem Riss durch den Goldschakal, dass ein Managementplan mit Monitoring und eine Regelung für den Schadensausgleich für ähnliche Fälle auf den Weg gebracht werden müsse. Der Verband würde sich aktiv in eine mögliche Ausarbeitung einbringen, kündigte Köhler gegenüber dem Wochenblatt an. „Es ist generell zu überlegen, ob der Goldschakal zu den Großen Beutegreifern zukünftig gezählt werden sollte“, sagte Köhler in einer ersten Stellungnahme des Bauernverbandes. Köhler befürchtet, dass der Goldschakal bei einer Paarbildung im Team jagen werde und auch kleinere Wiederkäuerarten bei Weide- oder Freilandhaltung gefährdet. „Insbesondere das Stockmass von bis zu 50 cm eines Goldschakal ermöglicht diesem, anders als beim Fuchs, ein neues Beutespektrum. Hier sehe ich insbesondere die Jungtiere der auf Weide- oder Freilandhaltung lebenden Nutztiere in Gefahr.“

Seit dem ersten Nachweis eines Goldschakals in Bayern 2012 kam es nach Angaben des LfU bis heute insgesamt zu 14 nicht bestätigten Hinweisen und neun Nachweisen. Der Goldschakal ist extrem scheu und meidet in der Regel den Kontakt mit Menschen, heißt es vom LfU. Namensgebend sei sein normalerweise goldgelb gefärbtes Fell, das jedoch regional sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Schakale bevorzugen offene Flächen gegenüber dichter Bewaldung. Goldschakale haben ein weites Verbreitungsgebiet, das sich von den tropischen und subtropischen Regionen Asiens über den Nahen Osten bis nach Südosteuropa erstreckt. Zwischenzeitlich ist der Goldschakal auch in Niederösterreich und Norditalien heimisch. Die Art ist eng mit dem Wolf verwandt, aber wesentlich kleiner und wiegt im Schnitt nur etwa 8-10 kg.