Pilotprojekt

Erosionsschutz für die Kartoffeln

DAH_Lotzbach_Erosionsschutz-Kartoffelanbau 055
Dr. Andrea Hammerl
am Mittwoch, 23.06.2021 - 14:59

Bei einer Feldführung bei Lotzbach im Kreis Dachau steht der nachhaltige Anbau mit Dammbegrünung im Fokus. Experten zeigen einen Pilotversuch.

Lotzbach/Lks. Dachau Begrünte Zwischen- oder Querdämme sorgen für nachhaltigen Erosionsschutz im Kartoffelanbau. Das demonstrierten Max Stadler vom Fachzentrum für Agrarökologie des AELF Pfaffenhofen und Pflanzenbauberater Josef Friedl vom AELF Fürstenfeldbruck 15 interessierten Landwirten während einer Feldführung bei Lotzbach im Landkreis Dachau. Dort haben Michael und Tobias Pabst, die auf ihrem Vollerwerbsbetrieb Kartoffeln, Zwiebeln und Getreide anbauen, einen Pilotversuch mit begrünten Querdämmen gestartet.

Das Vorbild stammt aus Österreich

Je länger der Kartoffelschlag, desto größer die Gefahr der Bodenerosion, besonders in Hanglagen. Zwischendämme als Gegenmittel sind schon länger bekannt, Mulchsaat mit Herbstdammbegrünung ebenfalls – mit den bekannten Nachteilen wie dem möglichen Drahtwurmbefall von Speisekartoffeln. Weshalb Max Stadler sofort begeistert war, als er in Niederösterreich und im Burgenland auf nachhaltige Erosionsschutzmaßnahmen zweier junger Landwirte aufmerksam wurde. „Was in Österreich geht, muss auch bei uns funktionieren“, dachte er und fand in den Pabst-Brüdern aufgeschlossene Projektpartner.

Die beiden kauften eine gebrauchte Sämaschine und bauten sie an eine Grimme All-in-one mit angebautem Querdammhäufler an, so dass die Kartoffeln in einem Arbeitsgang gelegt und Querdämme angehäuft werden sowie das Getreide direkt in den Zwischendammbereich gesät werden kann. Die Sämaschine wird von einer Kette angetrieben, der Zinken des Querdammhäuflers setzt im Meterabstand an und zieht während der Fahrt die Erde samt Saatgut mit, so dass das Getreide auf dem Erdhaufen wächst. „Von der Technik her funktioniert es gut“, sagte Landwirtschaftsmeister und Betriebswirt Tobias Pabst beim Ortstermin, „aber mit der Unkrautbekämpfung ist es nicht so leicht. Man muss sehr genau schauen, was man einsetzt, damit die Unterkultur es aushält“. Auch das Wetter müsse mitspielen.

Versuche mit Hafer sowie Sommer- und Wintergerste zeigten, dass sich Wintergerste am besten eignet, Sommergerste auch, nur Hafer nicht – anders als auf den österreichischen Betrieben. Woran es liegt, hat Stadler noch nicht herausgefunden. Die Nichteignung von Hafer blieb über mehrere Versuche konstant.

Vom begrünten Damm „total überzeugt“

Im Gießkannenversuch simulierten Stadler und Friedl ein größeres Regenereignis, um zu zeigen, dass Erosionsgefahr und Wirkung der Zwischendämme auch von der Bodenbeschaffenheit abhängen. Im sandigen Boden hielt der Querdamm, der eine etwa einen Meter lange und 20 Zentimeter breite Kuhle abtrennt, locker fünf Liter Wasser – entsprechend 25 l/m² – in weniger als zehn Sekunden zurück. Zum Vergleich: Als Starkregenereignis gilt laut Deutschem Wetterdienst, wenn 25 Liter Wasser pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde vom Himmel fallen. Als Friedl die restlichen fünf Liter hineingoß, überwand das Wasser zwar den begrünten Querdamm, doch die Erde blieb, wo sie war. „Die Erde müssen wir zurückhalten, das ist das Wichtigste“, betonte er. „Der Hang wird gebrochen. Ich bin total davon überzeugt.“
Einige Meter oberhalb war der Boden lehmiger und der begrünte Querdamm hielt zehn Liter Wasser, die innerhalb weniger Sekunden aus Friedls Gießkanne flossen, problemlos zurück.

Für einen nachhaltigen Erosionsschutz sorgen

Feldtag zu nachhaltigen Erosionsschutzmaßnahmen
Feldtag zu nachhaltigen Erosionsschutzmaßnahmen im Kartoffelanbau
Erosionsschutzmaßnahmen im Kartoffelanbau
Erosionsschutzmaßnahmen im Kartoffelanbau
Erosionsschutzmaßnahmen im Kartoffelanbau
Erosionsschutzmaßnahmen im Kartoffelanbau
Erosionsschutzmaßnahmen im Kartoffelanbau
Erosionsschutzmaßnahmen im Kartoffelanbau
Erosionsschutzmaßnahmen im Kartoffelanbau
Drei Gründe führte Stadler an, warum sich die Landwirte verstärkt um Immissionsschutz kümmern sollten. Zum einen würden die Betriebe größer und damit auch die Schläge, zweitens sei punktuell vermehrt mit Starkregen zu rechnen und drittens steige die Umweltsensibilität der Gesellschaft. Nicht zuletzt geht es um Nachhaltigkeit. Ein erodierter Boden bedeutet Wertverlust und Kosten.

Die Eigenanschaffung lohnt sich oft nicht

Biobauer Georg Großmann aus Pasenbach ist seit circa fünf Jahren mit Stadler im Austausch und betreibt Erosionsschutz mit Gerste, allerdings sät er sie flächig aus. Nach der Feldführung kommt er zum Schluss, „dass das Verfahren hier etwas mehr bringen könnte, weil es früher wirkt“. Johann Heinrich aus Sinning kann sich vorstellen, mit begrünten Querdämmen zu arbeiten, „sobald die Technik über den Maschinenring verfügbar ist“. Für seinen Betrieb mit zwölf Hektar Kartoffelanbau lohne sich die Eigenanschaffung nicht.
Beeindruckt zeigte sich auch Adolf Kellermann von der LfL, der den jungen Landwirten eine gute Pommes-Kartoffel-Ernte prophezeit. Durch die Wasserkonkurrenz der Wintergerste könne es zwar zu geringen Ertragseinbußen kommen. Aber „lieber etwas weniger Ertrag, dafür nachhaltig“. Auch die All-in-One-Bearbeitung wertet er positiv, sie helfe Wasserverdunstung zu vermeiden. Was ist höher zu werten: zusätzlicher Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder Erosionsschutz? Klare Antwort von Kellermann: Erosionsschutz. Er sei nachhaltig und sichere langfristigen Ertrag. Andrea Hammerl