Bilanz

Ernte: Im Schnitt passt’s

Ernte-FS
Sandra Kalb
am Donnerstag, 23.07.2020 - 08:28

Freisinger Landwirte blicken optimistisch auf die Ernte und nehmen die Direktvermarktung in den Fokus.

Der Schwerpunkt der Freisinger Erntepressefahrt lag heuer auf regionaler Erzeugung, denn „unsere Systemrelevanz ist recht schnell untergegangen“, sagte BBV-Kreisobmann Georg Radlmeier im Hinblick auf die Corona-Pandemie.

Den Zwischenhandel sparen

Über ihre Erfahrungen in der Direktvermarktung berichteten Bäcker- und Konditormeister Ulrich Schindele aus Attenkirchen und Landwirt und Metzgermeister Sebastian Weber aus Leonhardsbuch, dessen Flächen den Pressevertretern vorgestellt wurden.

Für Weber ist die eigene Metzgerei das Allheilmittel zum Erhalt der Landwirtschaft, dadurch spart er sich den Zwischenhandel. Weber spricht sich gegen große Handelsketten als Geschäftspartner aus, ihm reichen seine Kunden aus den umliegenden Orten.

Er bewirtschaftet 50 ha Ackerfläche mit fünfgliedriger Fruchtfolge und hält rund 300 Mastschweine – vom Stall zum Schlachthaus mit EU-Zulassung sind es rund drei Meter Weg. „Schöner kann Sterben nicht sein“, sagt der Metzgermeister.

Schindele ist Bäcker- und Konditormeister und betreibt in vierter Generation eine Bäckerei, wo er sowohl konventionelle als auch ökologische Produkte erzeugt. „Ich kann Bio einiges abgewinnen“, sagte er.

Viel Interesse von der Tagespresse

Viel Interesse bekamen auch die Landwirte von der Tagespresse. Den Journalisten erklärten sie, wie sie mit ihrem Boden leben müssen und dass sich die Kulturen auf Kiesböden anders verhalten als auf schweren Böden. Pflanzenschutz wird „nicht blind, sondern bedarfsgerecht“ angewandt. Seinen Winterweizen am besichtigten Acker hat Weber einmal gespritzt, dann gestriegelt.

Am meisten wird im Landkreis Winterweizen angebaut, dann Mais und auf Platz drei kommt die Wintergerste. „Es gibt nicht umsonst soviel Mais“ erklärte Anton Mitterer vom Landwirtschaftsamt Erding, seien doch die Erntemengen stabil und profitiert die Kultur vom Klimawandel. Hier erwarte Weber „keine Bombenerträge“, der Mais habe unter den Eisheiligen gelitten.

„Das Volksbegehren wirkt bestens“

Unbewandert erschienen die Pressevertreter zunächst im Rapsanbau, der Groschen fiel beim Begriff Neonikotinoide, der war bekannt.

Mitterer erklärte, dass der Anbau der Ölpflanze abnehme – aufgrund weggefallener Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln. „Das Volksbegehren wirkt bestens“, sagte der Amtsvertreter in Bezug auf den Schädlingsdruck im Raps.

Als Ersatzquellen für Speiseöl erkundigten sich die Medienvertreter nach Sonnenblume oder Lein. Letzteres ist für Mitterer ein Nischenprodukt und eine Nische ist für ihn eine Ecke in der ein Heiliger Platz hat.

Vize-Kreisobmann Ralf Huber betonte, dass man den Umgang mit neuen Kulturen lernen müsse und jede Saison vom Wetter abhängig ist. Grundsätzlich seien die Bauern aufgeschlossen für Neues. „Normale Jahre gibts nicht, aber im Schnitt passts“, da waren sich die Bauernvertreter einig und blicken der Ernte recht optimistisch entgegen.