Schädlinge

Engerlinge gefährden Kulturland

Massiver Fraßschaden im Dauergrünland_Neudorfer_Elisabeth
Euregio
am Donnerstag, 19.11.2020 - 16:50

Im Alpenvorland zwischen Traunstein und Salzburg beratschlagen Experten, wie die Bauern den Maikäferlarven Herr werden können.

Engerlinge, das sind die Larven der Mai-, Juni- und Gartenlaubkäfer. Nach der Paarung legen die Käfer ihre Eier im Boden ab, und die sich daraus entwickelnden Larven fressen die Wurzeln der Gräser. In der Kombination mit Trockenperioden, wie sie gerade 2018 und 2019 aufgetreten sind, führt ein vermehrtes bis massenhaftes Auftreten der Engerlinge zur Zerstörung von Grünland, auch wenn dieses unter Schutz steht, und kann existenzbedrohende Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben.

Region war bereits häufiger betroffen

Im Raum der Euregio Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein ist diese Problematik mehrfach und auch schon sehr intensiv aufgetreten, etwa im Pinzgauer Heutal, im Ortsteil Jochberg in der bayerischen Gemeinde Schneizlreuth oder auch im Flachgau am Südufer des Wolfgangsees, also sowohl im alpinen als auch im voralpinen Raum. Somit Grund genug für die Euregio, diese Problematik kürzlich in Freilassing in einem grenzüberschreitenden Fachaustausch zu erörtern, Erfahrungen und Wissen auszutauschen sowie Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren. Die Initiative dazu ging von der Euregio-Facharbeitsgruppe Land- und Forstwirtschaft aus.

Die Expertinnen und Experten der Landwirtschaftskammer Salzburg, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising-Weihenstephan sowie des Landwirtschaftsamts Traunstein erörterten die begrenzten Möglichkeiten zur Regulation der Engerlingpopulationen im Grünland. Im Austausch mit teils auch betroffenen Vertreterinnen und Vertretern der Landwirtschaft wurde herausgearbeitet, dass die „Null-Lösung“, also nichts zu tun, nicht in Frage kommen kann. „Die Engerlinge fressen den Bauern ihre Lebensgrundlage weg“, formulierte es ein Teilnehmer drastisch. Und der Erhalt der Kulturlandschaft und somit des Grünlands sei ebenfalls ein wichtiges Argument.

Bodenpilze: In Bayern tabu, in Österreich usus

Sowohl auf bayerischer wie auch auf Salzburger Seite gibt es vielfältige Versuche, aber auch Ausnahmezulassungen eines Präparates auf der Basis des natürlichen Gegenspielers aller Entwicklungsstadien des Maikäfers, eines insektenpathogenen Pilzes. Zu beachten ist dabei auch die zum Teil unterschiedliche Rechtslage in beiden Staaten, was etwa den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder Notfallzulassungen anbelangt.

So ist (künftig) die Anwendung von biologischen Pflanzenschutzmitteln, wie dem spezifisch Maikäferengerlinge befallenden Bodenpilz, im deutschen Grünland unzulässig. In Westösterreich wird dieser Pilzstamm seit über 20 Jahren auch im Biolandbau erfolgreich eingesetzt. Dort ist er insbesondere in den steileren Hanglagen das Mittel der Wahl, um die Maikäferpopulation zu verringern und Bodenerosion und Humusverlust zu begrenzen.

Um die Pflanzengesellschaft naturnaher Wiesen zu erhalten und auch die Populationen der Käfer nicht grundsätzlich zu gefährden, hat sich die mechanische Bekämpfung in Deutschland als einziger, aber durchaus gangbarer Weg herauskristallisiert. Wo es Lage und Hangneigung zulassen, könnten etwa mit einer Kreiselegge oder einer Fräse möglichst früh und möglichst flächig die betroffenen Flächen bearbeitet werden. Eine unmittelbare Nachsaat mit standortgerechten Gräsern sowie ein darauf abgestimmtes mehrjähriges Nutzungskonzept (Beweidung etc.) können die Futterverluste für den Landwirt dann relativ gering halten.

Geschlossenheit ist entscheidend

Entscheidend wird sein, dass alle betroffenen Bauern in einem Schadensgebiet gemeinsam diese Maßnahmen ergreifen und dass die Maßnahmen nach drei Jahren, nach einem Hauptflugjahr, wiederholt werden. Die zuständigen Ämter und Verbände der Landwirtschaft sehen sich dabei als wichtige Partner in der fachlichen Beratung der Betroffenen. In Tirol und Salzburg haben zudem die Länder und der Tourismus Interesse, Grünlandflächen vor massiven Engerlingschäden zu bewahren und bieten eine Unterstützung für die Wiederherstellung der Grasnarbe.

Für das weitere Vorgehen auf bayerischer Seite wurde vereinbart, dass zunächst versucht wird, die Problematik im Schneizlreuther Ortsteil Jochberg in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Da nach dem Hauptflugjahr 2021 im darauf folgenden Jahr 2022 wieder ein Engerlings-Problemjahr erwartet wird, wollen die Expertinnen und Experten ein grundlegendes Konzept gemeinsam mit betroffenen Interessensgruppen erarbeiten.