Wald

Empfehlungen zum Waldumbau

Fürstenfeldbruck
Anja Kersten
am Freitag, 22.11.2019 - 08:44

Schon bevor das Wort „Klimawandel“ in aller Munde war, haben Waldbesitzer mit dem Umbau zu klimastabilen Wäldern begonnen.

Landsberg - Was in der breiten Bevölkerung erst jetzt Thema geworden ist, wissen Waldbesitzer schon lange: Der Klimawandel hat Auswirkungen. Deshalb haben sie, schon bevor das Wort „Klimawandel“ in aller Munde war, reagiert und nach und nach den Fichtenanteil zugunsten eines zukunftsfähigen Mischwaldes reduziert. So wie die Familie Graf, in deren Wald, dem „Dießer Wald“ an der Grenze zwischen Oberbayern und Schwaben, bereits seit 1983 unter den schützenden Kronen alter Fichten Rotbuchen und Tannen wachsen. 

Bei einem Waldtag der Waldbesitzervereinigung Landsberg in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck informierten sich fast 100 Waldbesitzer vor Ort wie eine naturnahe Bewirtschaftung mit klimatoleranten Jungbeständen aussehen kann. Auch wenn man im Landkreis, was die Waldschäden betreffe, anders als im Rest Deutschland „noch auf der Insel der Seligen leben“, wie der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung, Tosso Geisenberger, bei der Begrüßung erklärte, brauche es auch andere Baumarten als die Fichte, damit man in die Zukunft gehen könne. Die Fichte sei, was die Temperatur und die Wasserversorgung angehe, keineswegs der Baum der ersten Wahl. Hauptbaumart wäre eigentlich die Buche mit Tanne und einer untergeordneten Fichtenbeimischung, erklärte Günter Biermayer, Amtschef und Bereichsleiter Forsten am AELF Fürstenfeldbruck. Denn die Fichte stoße an ihre Grenzen.

Buche und Tanne in den Bestand

Naturverjüngung

Damit auch künftige Generationen den Wald wirtschaftlich nutzen können, ist deshalb der Umbau von nadelholzdominierten Waldbeständen notwendig, so das Fazit. An wechselfeuchten Standorten sei die Tanne, auf durchlässigem Substrat die Buche die erste Wahl. Von den Zuwächsen sei die Tanne etwa vergleichbar mit der Fichte.

Der erste Schritt sei eine Bestandsaufnahme des Waldes zu machen, erklärte Graf am Beispiel seines eigenen Waldes sowie eine räumliche Struktur zu schaffen mit sauber markierten Rückegassen und Grenzverläufen. In diesem Zusammenhang wurde auch darauf hingewiesen, dass man genügend Freiflächen brauche, um die Kronen dort hinzuwerfen. Diese würden bei der Ernte weit mehr Probleme bereiteten als der Stamm. Denn um eine Verjüngung durchzuführen, muss bereits 30 bis 40 Jahre vorher der Altbestand vorbereitet und durchforstet werden sowie entsprechende Maßnahmen für die Ernte geschaffen werden. Erst damit werden Lichtsituationen für die Verjüngung geschaffen, die aber nur erfolgreich sein kann, wenn die Zusammenarbeit zwischen Waldbesitzern und Jägern gut funktioniere und die Bäume auch groß werden können, wie Biermayer erklärte. Wo die Naturverjüngung nicht ausreiche, ist die Pflanzung eine Möglichkeit. Der Altbestand schützt dabei die neue Pflanzung von Tannen und Buchen und sorgt durch seinen Halbschatten dafür, dass die Buchen an einem Mitteltrieb gerade in die Höhe wachsen.

Weil die Waldarbeit noch immer zu einer der gefährlichsten in der Landwirtschaft gehört und Unfälle oft tödlich enden, sollte man sich überlegen, ob man dieser Arbeit fachlich gewachsen sei, meinte Biermayer und ein Harvester, wie vor Ort gezeigt wurde, nicht die bessere und vor allem sichere Alternative sei.