Wald

Einzelentnahme statt Waldräumung

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Ludwig Holly
am Dienstag, 05.01.2021 - 08:02

Durchforstungsexkursion der WBV Holzkirchen in den Wäldern um Bad Wiessee

An vier Exkursionspunkten erläuterten Michael Kammermeier, Einsatzleiter der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen, und Hans Feist, Revierleiter am Landwirtschaftsamt Holzkirchen, den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern hoch über dem Tegernsee die Notwendigkeit regelmäßiger Forstflege und die positiven Auswirkungen von Durchforstungsmaßnahmen im Bergwald.

Durchforstung geplant

Erster Halt war ein rund 80-jähriger, fichtenreiner Bestand. Dort wurden die Risiken eines hohen Holzvorrates, wie zum Beispiel geringe Einzelstabilität der Bäume, verringerter Holzzuwachs und ausbleibende Verjüngung gezeigt.

„Der Vorrat beträgt hier etwa 800 Festmeter pro Hektar und liegt damit deutlich über den angestrebten 500 Festmetern pro Hektar im Bergwald. Deshalb ist hier auch eine Durchforstung geplant“, erklärte Revierleiter Feist.

Da der Bestand bereits ausgezeichnet war, bot er Förster Feist eine gute Gelegenheit zu erklären, welche Bäume entnommen werden sollen: „Vom starken, schlechten Ende her, weil der Bestand durch Schälschäden vom Rotwild geprägt ist.“

Seilbahn als einzige Möglichkeit

Beim nächsten Waldbild waren die positiven Auswirkungen einer Vorratsabsenkung schon klar zu sehen: Zahlreiche kleine Fichten und Tannen nutzen das nun vorhandene Licht.

„Vor zwei Jahren stand hier noch eine Seilbahn, mit der das Holz zum Forstweg gerückt wurde“, berichtete Feist. Wie so häufig in den Bergwäldern war auch hier die Bringung mit einer Seilbahn wegen steiler Hänge die einzige Möglichkeit.

An einem Jungbestand wurde vor Augen geführt, welche Auswirkungen flächiges Räumen eines Altbestandes hat: Die Fichte wuchs den anderen Baumarten wegen des Lichtangebotes davon und es entstand wieder ein gleichmäßig hoher Reinbestand. Die Folge ist hoher Arbeitsaufwand, um Mischbaumarten wie Tanne und Buche zu fördern.

Dass es besser geht, konnten die Teilnehmer in einem benachbarten Altbestand sehen: Hier hatte der Waldbesitzer vor drei Jahren ein Drittel des Vorrats, vor allem starke und hiebsreife Fichten und Tannen genutzt. Der Altholzschirm blieb aber erhalten.

„Das Lichtangebot kann er nun über eine Einzelbaumentnahme steuern und so die Zusammensetzung der Baumarten beeinflussen. Das ist die deutlich bessere Alternative gegenüber der Räumung“, erklärte Feist.

Hiebmaßnahmen jetzt durchführen

Da sich der Holzpreis nach dem verheerenden Tief etwas erholt hat, empfahl WBV-Einsatzleiter Kammermeier am Ende der sehr lehrreichen Exkursion, geplante Hiebmaßnahmen jetzt durchzuführen: „Nehmen Sie sich kurz Zeit, um den Zuwachs im eigenen Wald mit durchschnittlich 10 Festmeter pro Hektar und Jahr mit Ihrer Waldfläche zu multiplizieren. Diese Menge kann nachhaltig jährlich genutzt werden.“

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