Weltlandwirtschaft

Eigenversorgung: Keine Region ist unabhängig

Lengdorf
Sandra Schwägerl Portrait 2019
Sandra Schwägerl
am Dienstag, 14.01.2020 - 10:08

Professor Anton Mangstl berichtet beim Landfrauentag in Lengdorf von seinen Reisen und weist auf vielfältige Zusammenhänge hin.

Lengdorf/Lks. Erding - Alle Jahre wieder stehen wir vor neuen Herausforderungen – vor freudigen und auch kritischen“, sagte Erdings BBV-Kreisbäuerin Irmgard Posch beim Landfrauentag in Lengdorf. Zu den kritischen Herausforderungen gab Prof. Dr. Anton Mangstl Einblicke in sein internationales Arbeitsleben für die Agrarwissenschaft, in dem er unter anderem in Jordanien und Rom Halt machte. „Die Landfrauen waren auf meinen Reisen immer dabei“, sagte er und verwies auf seine Kochbücher ebendieser Damen.

„Es gibt keine Region, die unabhängig von der Welt ist“, sagte Mangstl. Eine große Herausforderung sei es für die globale Landwirtschaft, dass der „kleine Erdball immer voller wird“. Er stimmte die Versammelten nachdenklich mit seiner Kette an Zusammenhängen: Während der Hunger in der Welt ein Dauerthema ist, spielen Klimaextreme eine zusätzlich große Rolle. Die Folge: Migration. „Wir müssen das ernst nehmen und Fluchtursachen verhindern“, sagte der emeritierte Professor und zitierte Papst Franziskus darin, dass man Hunger nicht als unheilbare Krankheit darstellen dürfe. Er könne mit gesteigerter Lebensmittelproduktion und Einkommensgenerierung in den kritischen Ländern bekämpft werden.

Die Landwirtschaft ist für Mangstl, der aus Taufkirchen an der Vils stammt und neben Agrarstudien auch eine landwirtschaftliche Ausbildung aufweist, seit jeher eine „innovative Veranstaltung“. Für ihn ist nachhaltige Landwirtschaft nicht nur der Biobauer. „Beide Systeme müssen so umweltfreundlich wie möglich sein“, sagte er, sprach sich weiter für Kreislaufwirtschaft aus. Den Bauern, die hierzulande derzeit auf die Straße gehen wünschte Mangstl weiter Mut und Tapferkeit und dem Berufsstand zuallererst Einigkeit. Man müsse es schaffen, die Wissenschaft, Verbände und – eigens genannt – Land schafft Verbindung zu verbünden. Ansonsten sei es ein Leichtes für die Politik zu sagen: „Ihr seid euch selbst nicht einig“.

Kreis des Lebens

Ebenfalls bewegende Eindrücke gab Rita Gabler vom Palliativ Team Erding den Landfrauen mit auf ihren Weg. Sie berichtete von ihrer Arbeit mit rund 450 Patienten, bei denen sich „der Kreis des Lebens schließt“. Besonders hob sie die Arbeit von Frauen heraus, die für Gabler die Mutigsten dieser Welt sind, wenn es um Leben und Tod geht.

An das Palliativ Team ging die Spende der Landfrauen an diesem Tag, welche durch die Einnahmen am Kuchenbuffet generiert wurde. Dabei handelt es sich um 2080 €, welche Kreisbäuerin Posch und ihre Stellvertreterin Lore Herrmannsdorfer übergaben. Warme Worte für die Arbeit der BBV-Kreisvorstandschaft hatte Bezirksrätin Maria Gassner und frischen Wind brachte die neue Hauswirtschaftsmeisterin (inkl. Meisterpreis) Christine Gangkofer in den Saal. Die 21-Jährige aus Forstern/Karlsdorf warb intensiv für ihren Beruf und verriet, dass ihr die Hauswirtschaft Selbstbewusstsein gegeben hat und aus sich herauswachsen ließ.

Seitdem Posch in ihr Amt gewählt wurde, gibt sie bei jedem dieser Festtage eine Landkreisgemeinde Gelegenheit, sich den Versammelten vorzustellen, heuer war dies Taufkirchen a. d. Vils. Die örtlichen Landfrauen und die aus Moosen sorgen für die Tischdekoration – unter der Leitung der Ortsbäuerinnen Steffi Hörmann und Anni Mangstl. Weiter stellte Taufkirchens Bürgermeister Franz Hofstetter das ehemalige Bauerndorf Taufkirchen und seine Entwicklung vor. Für musikalische Untermalung dieses Großen Tages im Tag der Landfrauen sorgten der Landfrauenchor sowie die Gruppe Moosener Dreiklang.