Grünland

Düngeverordnung - weg von der Streifenpflicht

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Josef Berchtold
am Freitag, 16.11.2018 - 09:10

Grünlandbauern kämpfen gegen künftig verlangte Form der Gülleausbringung.

Wildsteig/Lks. Weilheim-Schongau Sechs Jahre noch darf Gülle auf Grünland breitflächig ausgebracht werden, dann kommt im Rahmen der Düngeverordnung die Pflicht zur streifenförmigen Ausbringung. Dagegen formiert sich Widerstand. Sechs Grünlandbauern aus dem Allgäu möchten eine Petition auf den Weg bringen und haben dafür die Unterstützung der Freien Wähler (FW). „Die Entscheidung über die gute fachliche Praxis muss wieder beim Landwirt liegen und darf nicht in einer Verordnung verankert werden“, sagte Landwirt Rudolf Rauscher aus Günzach in der gut gefüllten Gemeindehalle in Wildsteig. Rauscher ist einer der Initiatoren der Petition. Für ihn und seine Mitstreiter war es die sechste Veranstaltung und die erste in Oberbayern, organisiert von Bauern aus Wildsteig und Steingaden.

Im ersten Schritt strebe man eine Befreiung der Bergbauern von der verpflichtenden streifenförmigen Gülleausbringung an, in einem weiteren Schritt eine Lockerung für alle Grünlandbetriebe, erklärte Rauscher. Es gebe genügend Gründe, die breitflächige Gülleausbringung auch nach 2025 zu erlauben. Die Fässer seien leichter, der Kraftbedarf und der Dieselverbrauch geringer und die Nährstoffe werden gleichmäßiger ausgebracht, erklärte der Praktiker. Zudem würden sich bei der streifenförmigen Ausbringung Güllewürste bilden, die teilweise bei der Ernte wieder mit ins Silo oder in den Heustock eingefahren werden. Dadurch seien nachteilige Folgen für das Tierwohl und die Tiergesundheit zu befürchten.
„Wir bringen die Gülle wenn möglich bei feuchter Witterung, spätabends oder am frühen Morgen aus und halten uns an die gute fachliche Praxis“, erläuterte Landwirt Thomas Fleschutz aus Günzach. Bei korrekter Anwendung bringe die Breitverteilung Vorteile, zumal die meisten Bauern hier eigenmechanisiert sind und die Gülle zum optimalen Zeitpunkt ausbringen können. Letztlich gehe es darum, den Landwirten die Wahlfreiheit zu lassen, welche Ausbringtechnik für ihren Betrieb besser ist, gerade auch im Hinblick auf die Futterhygiene und die Tiergesundheit, fasste Fleschutz zusammen. Landwirt Manfred Dorn aus Obergünzburg stellte die guten Nitratwerte im südbayerischen Grünlandgebiet vor und machte klar: „Wir wollen mit unserer bewährten Technik weiterfahren!“
MdL Bernhard Pohl (FW) erläuterte den Ablauf der geplanten Petition und Wildsteigs Bürgermeister Josef Taffertshofer sprach der Initiative seine Unterstützung aus. Es sei unsinnig, eine bewährte Technik zu ersetzen durch ein Verfahren, bei dem die Maschinen schwerer und der Kraftbedarf höher sei. In Wildsteig gebe es noch 50 Milchviehbetriebe, die von der Verpflichtung auf streifenförmige Ausbringung stark betroffen sind.
Die siebte Infoveranstaltung der Allgäuer Bauern fand mittlerweile in Peißenberg statt. „Es waren etwa 140 Landwirte da und wir erhielten viel Zuspruch“, sagte Fleschutz und zeigte sich mit dem Verlauf sehr zufrieden. Die nächste Veranstaltung ist diesen Freitag, 16. November, um 20 Uhr im Bürgerheim Schwifting bei Landsberg. Josef Berchtold