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VMB Infotreff Milch

Druck auf Milchbauern bleibt hoch

Schreckgespenst der Milchbauern: Edeka lobt die Frischmilch seiner Billigmarke „Gut & Günstig“ mit Haltungsstufe 3 aus, sehr zum Missfallen von VMB-Geschäftsführer Dr. Hans-Jürgen Seufferlein.
Dietmar Fund
am Donnerstag, 01.12.2022 - 11:08

Milcherzeuger müssen sich wohl auf die Haltungsstufen 3 und 4 als Standard einstellen – dank LEH.

Mettenheim/ Lks. Mühldorf a. I.  Drastische Kostensteigerungen bei den Betriebsmitteln, die Kaufzurückhaltung der Verbraucher bei Markenwaren und der steigende Absatz von Milchersatzprodukten wären eigentlich als Herausforderungen für die bayerischen Milcherzeuger schon happig genug.

Hinzu kommt jedoch der wachsender Druck des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) hin zu aufwendigeren Haltungsformen. Auch der sorgt die Bauern, wie beim INFOtreff MILCH für Ober- und Niederbayern deutlich geworden ist, den der Verband der Milcherzeuger Bayern kürzlich beim Kreuzerwirt in Mettenheim veranstaltet hat.

Teuerung: Erhöht der LEH einfach seine Marge?

Durchwachsener Marktbericht: VBM Geschäftsstellenleiter Jürgen Geyer stellte ihn vor.

In seinem Bericht zum Milchmarkt 2022 erklärte Jürgen Geyer, VMB-Geschäftsstellenleiter in Kempten: Wer welchen Anteil an den gestiegenen Lebensmittelpreisen hat, lässt sich schwer sagen. Seinem Eindruck nach versuche der LEH seine Marge zu erhöhen. „Ich erwarte, dass die Verbraucher auf teure Markenartikel verzichten werden, was auch die Molkereien der Region betrifft.“ Die eher regional vermarktete Biomilch legt mengenmäßig kaum mehr zu, liegt beim Milchauszahlungspreis nur noch rund 4 ct über konventioneller Milch und leidet unter dem steigenden Absatz von Milchersatzprodukten, so Geyer. Für das 4. Quartal 2022 erwartet er für konventionelle Standardmilch (4,2 % Fettanteil) knapp 60 ct/kg, für Biomilch rund 63 ct/kg. Seiner Einschätzung nach könnten die Marktpreise bis zum Jahresende noch steigen, aber Großhandel und Export seien rückläufig.

„Ohne den Export und den globalen Markt hätten wir die hohen Preise der guten Jahre nicht erzielt“, sagte der VMB-Vorsitzende Wolfgang Scholz. „Wir können allenfalls auf die vielen Standards verzichten. Gegenüber ihnen und der Willkür der Gesellschaft sind wir ohnmächtig.“

Keine Stufe-2-Milch der Initiative Tierwohl

Ähnlich pessimistisch äußerte sich VMB-Geschäftsführer Dr. Hans-Jürgen Seufferlein. Er stellte fest, dass es im Moment kein Milchprodukt mit der Haltungsstufe 2 der Initiative Tierwohl auf dem Markt gibt. Viele Lebensmittelketten orientierten sich stattdessen gleich an den Haltungsstufen 3 und 4.

„Der LEH hat eigene Mindeststandards für Haltungsformen entwickelt, bei denen kein Berufsverband etwas mitzureden hat“, erklärte Hans-Jürgen Seufferlein den Zuhörern. „Wenn die was ändern, müssen wir mit unseren 110 anerkannten Milcherzeugergemeinschaften einfach mitziehen.“ Nichts anderes stehe dann hier zur Wahl.

Keine Haltungsstufe 2 im Milchregal

Als Warnsignal empfindet er, dass Edeka Südbayern die Frischmilch seiner Billigmarke „Gut & Günstig“ mit Haltungsstufe 3 auslobt. „Wenn keine Milch mit der Haltungsstufe 2 angeboten wird, sind die Anbinde- und die Kombihaltung nicht mehr für diese Milch tauglich.“ Haltungsstufe 3 hieße, dass schon Laufställe ohne offene Front oder einen Auslauf nicht mehr genügen. „Ich bin so besorgt, weil das, was auf der Trinkmilch draufsteht, auch Wirkung für die ganze Produktpalette entfaltet.“

Die abschließenden Ausführungen zum Tierarzneimittelgesetz der BBV-Referentin für Milch Charlotte Roth waren auch nicht geeignet, Optimismus unter den rund drei Dutzend Teilnehmenden zu wecken. Am Ende noch eine Personalie: Sandra Mühlbauer stellte sich vor, die seit Oktober den Arbeitsbereich Milch- und Molkereiwirtschaft des Institutes für Ernährungswirtschaft und Märkte am LfL leitet.