Nahversorgung

Dorfladen: Wurstsemmel per WhatsApp

Dorfladen-Rottauer-10-Jahre_sas
Anton Hötzelsperger
am Mittwoch, 02.12.2020 - 08:08

Seit 10 Jahren betreibt Christa Summerer in der Dorfmitte von Rottau einen Laden für den täglichen Bedarf. Entstanden ist das Engagement bei einer Bürgerversammlung als das Fehlen eines Dorfladens zur Sprache kam.

„Da habe ich spontan gesagt, das könnte ich machen, wenn die Rottauerinnen und Rottauer das unterstützen und auch wirklich zum Einkaufen kommen“ – so die ehemalige Gemeinderätin und Dritte Bürgermeisterin des Marktes Grassau.

Ein-Frau-Laden mit regionalen Produkten

Nur einen Einkaufsladen zu führen war der gelernten Apothekenhelferin zu wenig. „Kontakt mit Kunden war ich gewohnt und das hat mir auch immer gut gefallen, bei einem Lebensmittelgeschäft ist dieser persönliche Kontakt sicher noch intensiver. Was mich aber noch viel mehr bewegt hat, war der Gedanke, die Regale mit den vielen bei uns vorhandenen regionalen Produkten zu füllen“, so die Chefin eines Ein-Frau-Ladens, die nur an Wochenenden noch eine personelle Unterstützung braucht.

„Im Laufe der zehn Jahre habe ich die Gewohnheiten und Wünsche der Rottauer, Grassauer und auch vieler weiterer Kunden gut kennenlernen dürfen. Das bestätigt, dass mein Schwerpunkt auf regionale Produkte und Lebensmittel genau richtig war.“

Im Grunde ein stetiger Bauernmarkt

Im Grunde genommen ist der Dorfladen in Rottau ein steter Bauernmarkt, dazu meint die leidenschaftliche Unternehmerin: „Auf einigen Bauernmärkten auch im Chiemgau gibt es zuweilen Verkaufsstände, die von weit herkommen, bei mir im Laden lege ich neben der Qualität auch Wert darauf, dass die Lieferwege möglichst kurz sind“. Besonders kurze Wege gibt es dann, wenn die Rottauer Bauern selbst liefern, das ist zum Beispiel in Obst- und Honigernte-Zeiten sowie bei Gemüse oder im Advent mit Daxen.

Zum regelmäßigen Sortiment gehören zum Beispiel Freilandeier und Nudeln vom Wastlhof in Prien-Elperting, Käse vom Lochnerhof am Samerberg, Senf aus Marquartstein, Tomaten und Paprika aus Kirchweidach, Bäckerwaren von der Bäckerei Obermaier in Bernau, Milchprodukte vom Berchtesgadener Land sowie von Sternenfair, verschiedene Mehle von der Ramsl-Mühle in Wildenwart, Öle aus Schnaitsee, Getränke aus dem Kreis Traunstein sowie Kartoffeln, die mangels örtlicher Anbauer aus Niederbayern kommen.

Der Dorfladen mit Getränkemarkt bietet auf 70 Quadratmetern alles, was zum täglichen Bedarf gehört: Von der Schuhcreme bis zur Postannahme. Weiter beliefert Summer auf Bestellung die Bernauer Schule mit Schulobst und für die Gemeinde Grassau hat sie in diesen Coronazeiten einen gesonderten Liefer-Service.

Das Soziale schwingt mit

Überhaupt schwingt bei ihrer Geschäftsidee manch Soziales mit. So verkauft sie im Auftrag handgemachte Bastelarbeiten von Behinderten sowie Advents- und Weihnachtsdekorationen für den örtlichen VdK-Verein. Eine Besonderheit ist auch ihr Whats-App-Wurstsemmel-System, dazu sagt sie: „Wenn die Leute dann kommen, ist schon alles hergerichtet, alles geht schneller, wir haben keinen Kundenstau und wir können alle Abstandsregeln einhalten.“ Bei Bedarf kommt sie auch außerhalb ihrer Öffnungszeiten zum Laden, der von Montag bis Samstag von 6.30 bis 12.30 Uhr sowie nachmittags (außer Mittwoch) von 15 bis 18 Uhr geöffnet hat. „Natürlich geht meine Arbeitszeit über die Öffnungszeiten hinaus, aber es macht Freude, den Leuten im Ort Gutes zu tun und auch mit ihnen im Gespräch zu bleiben“, sagt die Dorfladen-Chefin.

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