Konzept

Das Donaumoos für die Zukunft erhalten

Jan-Reischenberger
Andrea Hammerl
am Freitag, 05.02.2021 - 10:45

Der Moorkörperschwund des größten Niedermoores Süddeutschlands hat sich zuletzt fortgesetzt. Nun ist in Obermaxfeld ein Versuch zum Wiedervernässen des Donaumoos geplant.

Auf dreißig Jahre angelegt ist das Donaumoos-Entwicklungskonzept, welches sich Moorkörperschutz, Hochwasserschutz sowie Arten- und Biotopschutz in Verbindung mit einer niedermoorschonenden Landwirtschaft zum Ziel gesetzt hat. Zwanzig Jahre sind bereits vergangen, zwanzig Jahre, in denen der Hochwasserschutz mit nur vier von einst 51 geplanten Rückhaltebecken mehr oder weniger auf der Stelle tritt, der Moorkörperschwund des mit 12 900 ha Moorfläche größten Niedermoores Süddeutschlands sich fortgesetzt hat und so mancher Anbauversuch alternativer (Paludi)-Kulturen keinen Durchbruch brachte.

Die von Naturschützern immer wieder geforderte Wiedervernässung stößt bei Landwirten und Bewohnern des Donaumooses erwartungsgemäß auf Widerstand. „Freiwilligkeit ist ein wichtiger Grundsatz für uns“, sagt Michael Hafner, Geschäftsführer des Donaumoos-Zweckverbandes, der derzeit ein Grundwassermanagement erarbeitet, das dem Zweckverband als wichtige Bemessungsgrundlage dienen soll. „Es wäre Utopie, das gesamte Donaumoos wiedervernässen zu wollen“, stellt er klar, vielmehr gehe es darum, sowohl Moor- als auch Bewirtschaftungsflächen für die Zukunft zu erhalten, „denn wenn – aufgrund des fortschreitenden Moorschwundes - das Gefälle zur Donau eines Tages nicht mehr da ist, bringen wir das Wasser nicht mehr raus, da deren Vorfluter nicht weiter vertieft werden dürfen.“

Auswirkungen werden untersucht

Moor

Mit einer Genehmigung für seinen Modellversuch in Obermaxfeld rechnet er in den nächsten Monaten, sobald das Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt seine Grundwassermodellierung vorgelegt hat. Doch das erweist sich schwieriger als gedacht, weil die Moorverhältnisse aufgrund unterschiedlicher Bodenparameter schwer zu erfassen sind. Um Erkenntnisse aus der Praxis für das Grundwassermanagement zu erhalten, soll bei Obermaxfeld ein Graben (der 242er) mit Hilfe zweier Bauwerke aufgestaut und die Auswirkungen untersucht werden.

Weiter soll je eine Flutmulde gebaut werden, um bei Hochwasser für Entlastung zu sorgen. „Die Wirkung darf man nicht überschätzen“, beruhigt Hafner im Vorfeld. Denn dort in Obermaxfeld sinke das Grundwasser auf bis zu zwei Meter Tiefe ab, ein Anwachsen bis auf 40 cm ist für Wiesen kalkuliert – auf Teilflächen des Zweckverbandes gegebenenfalls auch höher. Torf ist dort nur noch in „Linsen“, nicht mehr flächendeckend zu finden.

Drei Ziele verfolgt Hafner mit dem Versuch: Zum einen befindet sich hier eines der besten Wiesenbrütergebiete im Donaumoos, weshalb der Feuchtwiesencharakter erhalten werden muss – für die Wiesenbrüter und die Artenvielfalt. Weiter sei der Grundwasserstand von zwei Metern nach Aussage mancher Landwirte zu tief, der Boden während der Vegetationsphase zu trocken, um gute Erträge zu erzielen und als letztes soll der noch vorhandene Torf soweit möglich, erhalten werden.

Die Lebensqualität erhalten

„Das ist alles nicht ganz verkehrt“, sagt Walter Humbold, Landwirt und Vorsitzender des Donaumoos Wasserverbandes II, „solange das Land seinen Wert behält und Landwirtschaft betrieben werden kann.“ Problem seien jedoch die niedrigen Grundwasserstände von Mai bis Oktober. Von daher würde er ein Grundwassermanagement begrüßen, allerdings müsse es möglich sein, das Wasser sowohl schnell anzustauen als auch abfließen zu lassen. „Ein dauerhafter Aufstau würde Probleme mit den Unterliegern machen“, meint Humbold.

Zudem sollte nicht vergessen werden, dass das Donaumoos bewohnt ist und die Lebensqualität, insbesondere das Wohlbefinden der Menschen durch solche Eingriffe leiden könnte – etwa durch deutlich mehr Nebel. Ähnlich sieht es Kreisobmann Ludwig Bayer: Das Donaumoos unterscheide sich von vielen anderen Mooren dadurch, dass es bewohnt sei. Nichtsdestotrotz sieht er solche Versuche als notwendig an, „um herauszufinden, wie wir im Donaumoos weiter wirtschaften können.“

Grundlage von Hafners Arbeit sind neben dem Entwicklungskonzept auch 4000 Messungen der Moormächtigkeit aus dem Jahr 1978 im Vergleich zu einer Vermessung über Befliegungsdaten von 2013. Dabei zeigt sich, dass das Moor jährlich um ein bis drei Zentimeter, entsprechend 100 bis 300 Kubikmeter pro Hektar schwindet, was zu einer Freisetzung von mehr als 400 000 t Kohlendioxid-Äquivalenten im gesamten Donaumoos führt.

Das Gesamtsystem im Blick

ND_DM_Zweckverband-HAfner 005

Klimaschutz war anno 2000, als das Entwicklungskonzept aufgelegt wurde, noch kein großes Thema, doch jetzt gibt die bayerische Klimaschutzoffensive von November 2019 zusätzliche Motivation für den Moorschutz. „Wir müssen das Gesamtsystem im Blick behalten“, sagt Hafner, „noch sind nicht alle Faktoren und Prozesse für eine bessere Klimabilanz im Donaumoos bekannt.“ Klar sei lediglich: „Je höher der sommerliche Grundwasserstand, desto besser.“

Was bedeutet das konkret für die Landwirtschaft? Paludi-Kulturen wurden bereits im Versuchsanbau getestet, Schilf, Seggen, Rohrglanzgras und Rohrkolben. Aus letzterem lassen sich Pressplatten mit guten Dämmwerten für die Häuserdämmung herstellen, allerdings braucht die Kultur reichlich Nährstoffe und um die entsprechende verarbeitende Industrie aufzubauen, würde es große Mengen an Rohstoffen brauchen. Daher hat Hafner „eher wenig Hoffnung, Rohrkolben mittelfristig im Donaumoos zu etablieren.“

Ähnliches gilt für die anderen genannten Kulturen, die im Versuch teils hohen Pflegeaufwand, Dünger und Pflanzenschutz erforderten. Weshalb er derzeit eher auf Grünland setzt. „Wir brauchen Vermarktungsoptionen für Grünland“, meint der Geschäftsführer. Neben Weidehaltung, Futtergewinnung und Biogas kann er sich auch Torfersatzstoff für Gärtnereien sehr gut vorstellen, womit bereits experimentiert wird.

Ganz wichtig ist eine adäquate Entschädigung der Landwirte, anders ließe sich das bayerische Ziel, bis 2030 10 000 ha Niedermoorfläche aus der ackerbaulichen Nutzung zu nehmen, nicht verwirklichen, denn das bedeutete einen enormen Wertverlust – im Donaumoos von circa 30 000 €/ha.

In Obermaxfeld ist ein Versuch zum Wiedervernässen des Donaumoos geplant. Mehr zum Thema lesen Sie in Heft 5 des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblattes:

Top Themen:
  • Aschermittwoch: Weniger derb, voll digital
  • Pflanzenbau: Maßnahmen für Rote Flächen
  • Biogas im EEG: Leitfaden zum Weiterbetrieb
  • Wolle: Pelletieren und wertvoll machen
  • LfL: Interview mit Präsident Sedlmayer
  • Warenkunde: Reich gedeckte Reistafel
Kostenfreies Probeheft Alle Aboangebote
Neu sind die Ideen zur Grundwasseranhebung im Donaumoos keineswegs, wie Hafner mit Hinweis auf das Neuburger Kollektaneenblatt betont. Dort wurde in den 1970ern beschrieben, Wasser aus Lech oder Donau ins Donaumoos einzuleiten, da es damals schon zu trocken war. „Das wurde damals von Ökonomen gefordert“, erzählt der 42-jährige Forstingenieur, „der Moospegel wurde damals nicht errichtet, um den Moorschwund zu dokumentieren, sondern als Eichpfahl für den Wasserstand.“
  • Derzeit läuft das Genehmigungsverfahren für den Modellversuch in Obermaxfeld im Donaumoos.
  • Der Anbau von Paludi-Kulturen ist wenig gewinnbringend, sie erfordern viel Pflanzenschutz und Dünger und viel Pflege.
  • Hafner setzt derzeit auf Grünland und sucht dafür weitere Vermarktungsmöglichkeiten, etwa Torfersatz für Gärtnereien.