Gutachten

DNA-Analyse bestätigt Wolfsrisse

Wolf
Barbara Höfler
am Donnerstag, 11.11.2021 - 15:33

Das LfU bestätigt zwei Wolfsrisse in Traunstein und im Berchtesgadener Land. Ein Landwirt will eine Abschussgenehmigung beantragen.

Lks. Traunstein/Berchtesgadener Land  - Für den Riss von sechs Schafen in Bergen/Lks. Traunstein am 30. Oktober hat das Landesamt für Umwelt (LfU) heute offiziell den Wolf als Verursacher bestätigt. Gleichermaßen bestätigt wurde ein Wolf als Beutegreifer eines zweiten Risses, der nur zwei Tage später, am 2. November, aus Aufham-Anger/Lks. Berchtesgadener Land mit einem toten Schaf gemeldet wurde.

Am Freitag meldete das LFU dann auch für den Riss eines Kamerunschafes in Reichenhall/Lks. Berchtesgaden den Wolf als Verursacher. Unklar blieb, wann der Wolf das Tier gerissen hat. Laut LFU „Anfang November“. Untersucht wird noch, ob es sich bei den Rissen jeweils um verschiedene Wölfe gehandelt hat und welches Geschlecht der oder die Beutegreifer haben.

Damit werden die Betroffenen Gebiete umgehend in die Förderkulissen für Wolfsschutz aufgenommen, wie ein Sprecher des LfU gegenüber dem Wochenblatt bestätigt hat.

 Ab sofort können Weidetierhalter über das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Förderanträge für Wolfsschutzmaßnahmen stellen. Eine Überblick über Förderkulissen, Schutzmaßnahmen und Antragsverfahren bietet das LfU hier.

Ein Video mit BBV-Bezirkspräsident Ralf Huber rund um den Thema und die Bedrohung für die Tierhalter sehen Sie hier:

„So schlimm es ist – es ist eine leichte Genugtuung für uns, dass es jetzt endlich raus ist, dass es ein Wolf ist“, sagt Monika Rappl aus Bergen, der mit ihrem Mann Stefan Rappl die sechs Schafe gehörten. Dass aktuell wieder ein Wolf umgeht, vermuten die Schafhalter in der Region schon lang. Offiziell bestätigt ist es erst jetzt. Stefan Rappl hatte die Bergschafe seinem Neffen zur Beweidung eines Obstangers geliehen. Die übrigen Schafe seiner Herde – insgesamt 27 Mutterschafe und 20 Lämmer – weideten zu dem Zeitpunkt auf der Alm. „Ich war gerade am Umtreiben, als mein Neffe angerufen und mir gesagt hat: Alle sind tot“, erzählt Rappl, der auch Vorsitzender der Schafhaltervereinigung Traunstein ist.

So wie viele andere Schafhalter hat auch Rappl seine Schafe gleich aufgestallt. „Aber das ist keine Lösung. Im Frühjahr müssen die Schafe wieder auf die Weiden. Und was dann?“ fragt er. Seine Alm sei „ausgewiesen unzaunbar“, ein Wolfsschutzzaun daher keine Option. Für Stefan Rappl steht fest: „Ich werde als Privatperson eine Abschussgenehmigung beantragen.“

Wolfsriss

Bereits Ende Februar waren im Siegsdorfer Ortsteil Scharam, nur fünf Kilometer von Bergen entfernt, zwei tote Kamerunschafe gemeldet worden. Auch diese Genanalyse bestätigte einen Wolf als Beutegreifer. Später tappte ein Wolf dem örtlichen Jagdpächter Hubert Hasselberger in die Fotofalle. Hasselberger zufolge soll es sich um eine tragende Wölfin gehandelt haben. Im September ereignete sich im 20 km entfernten Schleching erneut ein Riss (Wochenblatt berichtete). Das vom LfU beauftragte Analyselabor identifizierte als Beutegreifer der beiden gerissenen Tiere (Ziege, Schaf) einen Hund. Die an ein zweites Labor geschickte Rückstellprobe war dagegen zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen. Die Proben seien bereits in zu hohem Verwesungsgrad, um eine Aussage zu treffen, hieß es vonseiten des Hamburger Forensikinstituts „ForGen“.