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Tagung

Dialog fördern statt Konfrontation

Runder Tisch-Biodiversität
Monika Konnert
am Montag, 25.03.2019 - 09:38

Runder Tisch am Landwirtschaftsamt Traunstein zum Thema Artensterben.

Traunstein Es ist unstrittig, dass der Erhalt der biologischen Vielfalt zu den großen Herausforderungen unserer Gesellschaft gehört. Dabei sind aber nicht nur Landwirte und Waldbesitzer gefordert, sondern auch Städte, Gemeinden oder Gartenbesitzer im Umgang mit ihren Grün- und Nutzflächen. Letztendlich kann jeder Bürger mit seinem Einkaufsverhalten mitbestimmen, wie Lebensmittel erzeugt werden. Darin waren sich die über 40 Teilnehmer aus mehr als 25 Vereinen, Verbänden und Behörden einig, die der Einladung des Landwirtschaftsamtes zu einem Runden Tisch „Biodiversität“ gefolgt waren.
Man wolle die gegenwärtig intensiv geführte öffentliche Diskussion über das fortschreitende Artensterben als Chance nehmen, um die gesamte Gesellschaft für den Erhalt der Biodiversität zu sensibilisieren, betonte der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein (AELF) Alfons Leitenbacher in seinem Eingangsstatement. Er habe zu diesem Tisch breit eingeladen, von bäuerlichen Organisationen über Jagdverbände, Untere Naturschutzbehörden, die Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege Laufen, Biosphärenregion bis hin zu Gartenbau- und Naturschutzverbänden um, wie er sich ausdrückte, „den Dialog statt die Konfrontation zu fördern“.
Das Landwirtschaftsamt möchte biodiversitätsfördernde Maßnahmen und Empfehlungen für Landwirte und Waldbesitzer entwickeln, die in ein normales Bewirtschaftungssystem eingebaut werden können und helfen, das Image der Landwirtschaft zu verbessern. Leitenbacher betonte ausdrücklich, dass nicht das kürzlich abgeschlossene Volksbegehren „Rettet die Bienen“ der Auslöser dieser Initiative war, sondern der politische Auftrag des Landwirtschaftsministeriums, heuer und im nächsten Jahr die Biodiversität als Schwerpunktthema zu setzen.

Differenzierte Grünlandnutzung

Peter Dufter vom Fachzentrum Rinderhaltung des AELF stellte das Konzept der differenzierten Grünlandnutzung vor. Die Gewinnung von energiereichem Futter von den eigenen Flächen sei bei den relativ kleinstrukturierten Betrieben bei uns entscheidend für eine erfolgreiche Milchwirtschaft. Es gäbe aber Möglichkeiten, die intensive Gründlandnutzung und den Artenschutz zu verbinden. Bei der Diskussion zu Maßnahmen beim Ackerbau bekräftigten die Vertreter der Landwirtschaft, dass die Bauern das produzieren würden, was der Verbraucher nachfrägt und über den Preis auch bezahlt. Für Lebensmittel, die nach den Grundsätzen des Biolandbaus produziert werden, müsse man auch höhere Preise in Kauf nehmen.
„Mehr Biodiversität kann jeder durch sein tägliches Einkaufsverhalten schaffen“, so ein Teilnehmer. Auch die Waldbesitzer könnten vieles für die Förderung der Biodiversität tun, so Amtsleiter Alfons Leitenbacher. Ohnehin seien unsere Wälder noch recht naturnah. Dennoch könne jeder Waldbesitzer allein durch die normale Bewirtschaftung eine vielfältige Waldlebensgemeinschaft fördern, ohne wirtschaftliche Einbußen zu befürchten. Dazu gehörten die Mischung von Baumarten, die Nutzung der Naturverjüngung in Verbindung mit angepassten Wildbeständen, die Waldrandgestaltung sowie kleinflächige Pflegeeingriffe. Besonderes Augenmerk sollten die Waldbesitzer auf den Erhalt von Biotopbäumen und von stehendem oder liegendem Totholz legen, da diese gerade für Insekten und Vögel eine überragende Bedeutung hätten.
In der anschließenden angeregten Diskussion würdigten die Teilnehmer die Initiative des Landwirtschaftsamtes zum Runden Tisch und stellten kurz eigene Aktivitäten zum Erhalt der Biodiversität vor. So berichtete Raphael Röckenwagner vom Maschinenring Traunstein über eigene Workshops zu dem Thema und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises Traunstein bei der Anlage von Blühstreifen und der Aussaat der durchwachsenen Silphie als blühenden Ersatz für Biogasmais. Birgit Seeholzer von der Wirtschaftsförderung ergänzte, dass der Landkreis Traunstein umfangreiche Mittel bewilligt habe, um die durch Trockenheit zum Teil ausgefallenen Silphie-Kulturen nachzusäen sowie neue Flächen anzulegen. Beate Rutkowski vom Bund Naturschutz Traunstein kündigte an, im Juni in Traunstein einen „Ernährungsrat“ zu gründen, der das Ernährungs- und Einkaufbewusstsein verbessern soll.

Gartenbauvereine werben für Naturgärten

Markus Breier, Gartenfachberater des Landratsamtes Traunstein, erklärte dass bei den Gartenbauvereinen intensiv für Naturgärten geworben werde. Auch verwies er auf Aktionen wie das „Jahr der Biene“ oder die Kampagne „Blühender Landkreis Traunstein“. Das Thema Artenvielfalt werden heuer auch wieder bei den Traunsteiner Rosentagen einen entsprechenden Platz finden.

Für Herbst ist ein weiteres Treffen des Runden Tisches „Biodiversität“ geplant.