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Diskussion

Debatte um Wolf: Sorgfältige Prüfung gefordert

Florian Streibl
Philipp Seitz
am Freitag, 14.01.2022 - 12:55

Die Freien Wähler rechnen mit einer Entnahme des Problemtieres. Landwirtschaftsministerin Kaniber sei in der Debatte aber etwas schnell vorgeprescht, kritisieren sie.

München - In der Debatte um eine mögliche Entnahme eines Problemwolf in Oberbayern ist Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber unter Beschuss geraten. Auch die Freien Wähler, Koalitionspartner der CSU im Bayerischen Landtag, üben leichte Kritik: „Die Landwirtschaftsministerin ist hier etwas schnell vorgeprescht“, sagte FW-Fraktionsvorsitzender Florian Streibl am Freitag gegenüber dem Wochenblatt. Streibl bat um eine „sehr sensible Vorgehensweise“, immerhin stehe der Wolf unter einem hohen Schutzstatus.

Ein Abschuss des Wolfes sei das letztmögliche Mittel. „Wenn eine Entnahme angeordnet wird, dann muss sie absolut rechtssicher sein“, sagte Streibl. Verschiedene Organisationen haben bereits Klagen angekündigt, falls dem Entnahmeantrag stattgegeben werden sollte. Es müssten dann vermutlich Gerichte überprüfen, „ob ein Abschuss dieses Wolfes im Einklang mit europäischem und Bundesrecht ist“, sagte unter anderem Moritz Klose, Programmleiter Wildtiere beim WWF Deutschland.

Streibl rechnet mit Entnahme

Im konkreten Fall geht Streibl nach den vorliegenden Erkenntnissen davon aus, „dass am Ende nach sorgfältiger Prüfung durch die zuständigen Behörden eine Entnahme stehen wird“. Insbesondere die vielen Risse innerhalb kürzester Zeit und das atypische Verhalten des Wolfes würden zeigen, dass durchaus von einem Problemwolf gesprochen werden könne. Streibl verweist darauf, dass die Freien Wähler schon seit längerer Zeit das Gespräch mit dem Koalitionspartner suchen würden. Bislang sei eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht am Widerstand der CSU gescheitert, sagt Streibl. „Und jetzt macht man es sich leicht und fordert den schnellen Abschuss des Wolfes. Den Worten hätten schon lange Taten folgen müssen.“ Auch Umweltminister Thorsten Glauber, ebenfalls von den Freien Wählern, würde laut Streibl eine Entnahme unterstützen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür erfüllt seien.

Streibl selbst stammt aus Oberammergau in Oberbayern. Das Thema Wolf und die wachsenden Sorgen der Weidetierhalter und Almbauern seien „natürlich auf dem Schirm“. Im Sommer habe er Umweltminister Thorsten Glauber bei einer Almbegehung gezeigt, „dass Wolfsschutzzäune im alpinen Raum wegen der dort schwierigen Topografie zumeist schlichtweg unmöglich sind“. Streibl verweist auch darauf, dass im Werdenfelser Land bedrohte heimische Schafarten gehalten werden. „Dass diese bedrohten Arten dann am Ende von einem Wolf gerissen werden, ist mehr als fragwürdig“, findet der FW-Fraktionsvorsitzende.