Weihnachten

Christbaumverkauf: Alle Jahre wieder

Familie
Helga Gebendorfer
am Freitag, 04.12.2020 - 07:55

Seit rund 40 Jahren verkauft Familie Fischer Christbäume. Damit das heuer auch gut funktioniert, erstellte Christian Fischer ein schlüssiges Hygienekonzept.

Auf einen Blick

  • Familie Fischer baut auf 6 ha Christbäume an.
  • Die Weihnachtsbäume werden am Hof und an drei Verkaufsständen vermarktet.
  • Im Frühjahr werden Topfjungpflanzen nachgepflanzt, einmal jährlich erfolgt eine Herbizid-Streifenbehandlung.

Empfehlungen vom Verein Bayerischer Christbaumanbauer

Hof

Ich hoffe, dass die nächsten Wochen gut über die Bühne gehen. Selbstverständlich ist das für Christbaumanbauer Christian Fischer in Ammersberg im Landkreis Freising nicht. Denn heuer ist ein besonderes Jahr und so hat er für die diesjährige Saison ein Corona-Hygienekonzept ausgearbeitet. „Auf diese Weise ist eine ungehinderte Vermarktung unserer Bäume möglich“, sagt der 52-Jährige.

Als Grundlage dienen ihm die Empfehlungen vom Verein Bayerischer Christbaumanbauer. So stehen im Eingangsbereich der Plantage und am Hof für Besucher Desinfektionsmöglichkeiten bereit. Mittels Hinweisschildern, Absperrbändern und Einbahnstraßenregelung werden die Kunden durch die Anlage geleitet, um die Abstandsregeln einzuhalten. Während im kompletten Areal das Tragen von Masken empfohlen wird, ist der Mund-Nasenschutz im Kassenbereich Pflicht.

Zudem berichtet der Betriebsleiter, dass sich viele Kunden bereits im Herbst einen Baum ausgesucht haben. Dieser wurde mit einem Namensetikett versehen, wird erst kurz vor dem 4. Advent geschnitten und steht dann zur Abholung bereit.

Gemeinsam mit seiner Frau Renate, den Altenteilern Josef und Magdalena sowie einem Auszubildenden bewirtschaftet der Diplom-Agraringenieur im Vollerwerb den Hörlhof. Der Betrieb steht auf drei Standbeinen: Schweinezucht mit 70 Zuchtsauen und Schweinemast mit 200 Plätzen, Ackerbau und 8 ha Hopfenanbau sowie 6 ha Christbaumkulturen. Die landwirtschaftliche Nutzfläche umfasst insgesamt 38 ha. Hinzu kommen 14 ha Wald.

Von der Fichte zur Nordmanntanne

Etikett

Seit rund 40 Jahren stehen auf dem Hof schon Christbäume. Los ging es mit der gewöhnlichen Fichte, die direkt vermarktet wurde. Später kam die Blaufichte und Mitte der 90er Jahre die Nordmanntanne dazu. „Das Geschäft ist Schritt für Schritt gewachsen“, sagt Fischer. So wurden mit der Zeit die 2 ha hofnahen Flächen mit zusätzlichen Kulturen in geeigneten Lagen ergänzt.

Zwar sind Fichte und Blaufichte nach wie vor im Angebot, doch sie führen eher ein Nischendasein. Um Spezialwünsche zu erfüllen, ergänzen noch Grautanne und Schwarzkiefer das Sortiment. Das Hauptprodukt ist aber die Nordmanntanne. „Das ist gut so, denn wir könnten gar nicht so schnell auf einen neuen Trend reagieren“, gibt Fischer zu bedenken. Die Umtriebszeiten liegen zwischen zehn und elf Jahren. Außerdem haben sich die Anbauer inzwischen gut auf die Bedürfnisse der Nordmanntanne eingestellt.

Das ganze Jahr über mit den Bäumen beschäftigt

„Wir sind das ganze Jahr über beschäftigt“, erzählt der Landwirt. Los geht es im Frühjahr mit dem Nachpflanzen von entfernten Bäumen. „Bei den hofnahen Flächen bedeutet das aufwändige Handarbeit.“ Aber nur so können die Kunden alle Jahre wieder zwischen verschiedenen Bäume in verschiedenen Größen wählen.
Verwendet werden Jungpflanzen im Topf von einer Baumschule aus Österreich. „Sie sind zwar teurer, aber garantieren schnelleres und sicheres Anwachsen“, erklärt Fischer. Die sonstigen Flächen werden anschließend an die Kulturräumung nach etwa zwölf Jahren im Herbst maschinell mit wurzelnackten Pflanzen bestückt. Einmal im Frühjahr wird zudem eine Herbizid-Streifenbehandlung durchgeführt. Dann steht das regelmäßige Mähen der Zwischenreihen an – fünfmal im Jahr. Das geschieht durch Schafbeweidung, maschinell und teils von Hand. Ab dem zweiten Standjahr wird gezielt händisch an den Pflanzen ein Volldünger ausgebracht, der Wachstum und Qualität fördert. Die hofnahen Flächen können bei Spätfrostgefahr im Mai zum Frostschutz beregnet werden. Das habe sich bisher gut bewährt.

Schafe ohne Schäl- und Nagetrieb als Rasenmäher

Unverzichtbar ist ab dem vierten Standjahr einmal jährlich ein Formschnitt. „Das ist bei rund der Hälfte der Bäume nötig“, verrät Fischer. Dazu sei die gesamte Familie im Einsatz. Außerdem benötigen etwa 50 % der Bäume zusätzlich eine Vogelstütze für den Spitzenschutz. Ab dem fünften und sechsten Jahr steht noch die Terminaltriebregulierung an.
Seit 1992 arbeitet der Agraringenieur mit Shropshire-Schafen. Die 2,5 ha großen Flächen rund um den Hof werden aktuell mit einem Bock und fünf Mutterschafen mit Nachzucht beweidet. Die Tiere zeigen keinen Schäl- und Nagetrieb und verschonen die Spitzen der Nadelbäume. „Ich möchte deren Hilfe bei der Ausmähtätigkeit nicht mehr missen“, betont Fischer.
Freilich machen die Tiere auch Arbeit. Ab Ende November verbringen sie im Stall die kalte Jahreszeit, im April/Mai kommen sie wieder in die Plantage. Wenn die Bäume austreiben, wechseln sie vorübergehend auf eine Schafweide. Damit will der Christbaumanbauer Bruchverletzungen der jungen Triebe vermeiden.

Tiere bereichern den Betrieb

Die Tiere bereichern den Betrieb auf jeden Fall: Sie tragen zur nachhaltigen Bewirtschaftung bei und sind in der Verkaufssaison eine Riesenattraktion. „Die Schafe am Hof unterscheiden uns von Mitbewerbern. Sie haben vor allem für Kinder eine große Anziehungskraft.“ Diese Wirkung ist sehr willkommen, denn die Kundschaft muss bewusst zum Hörlhof fahren. Dieser gehört zu einem 14 Einwohner zählenden Weiler nahe Hörgertshausen.

Die Saison startet hier Anfang November mit dem Verkauf von Schnittgrün ab Hof für Privatkunden und Dekobäumen, zum Beispiel für öffentliche Plätze und Christkindlmärkte. Seit dem ersten Advent läuft auch heuer wieder der Christbaumverkauf.
Für Privathaushalte werden hauptsächlich Bäume mit 1 bis 2,50 m Höhe im Alter von sechs bis zwölf Jahren nachgefragt. Kirchenbäume mit 6 bis 8 m sind rund 20 Jahre alt. Neben dem Ab-Hof-Verkauf gibt es auch drei Verkaufsstände in der Region. Traditionell werden ab Hof vor allem zimmerhohe Bäume nachgefragt, während an den Verkaufsständen in der Stadt eher kleinere und schmälere Bäume favorisiert werden.

Am 2. Adventssamstag ist Familientag

Traditionell ist am 2. Adventsamstag immer Familientag mit der Möglichkeit zum Selberschneiden des Christbaums in der Plantage und einem familienfreundlichen Rahmenprogramm mit den Tieren. Doch heuer ist das leider nicht möglich. Deshalb haben sich die vier Fischer-Töchter im Alter von elf bis 18 Jahren statt Lebkuchen backen etwas Besonderes ausgedacht. Als Erinnerungsgeschenk gibt es für Kinder eine Überraschung: eine 15 Minuten-Adventsbesinnung für zuhause.

Der Familienbetrieb bewältigt die Arbeit gemeinsam. In der Pflanz- und Erntesaison helfen bis zu drei Saison-Arbeitskräfte und Verkaufspersonal an den Ständen. Der Betrieb bildet sowohl Lehrlinge als auch Praktikanten aus.

Auch den Stammkunden immer was Neues bieten

Christian Fischer blickt zuversichtlich auf die bevorstehenden Wochen. „Ich wäre sehr zufrieden, wenn der Umsatz so ausfällt wie in den vergangenen Jahren.“ Der Christbaumbauer freut sich über viele Stammkunden und dass sich die Weihnachtsbäume zu einem bedeutenden Standbein entwickelt haben. Er weiß, dass der Kunde sehr anspruchsvoll ist. „Deshalb heißt es, am Ball bleiben und immer wieder etwas Neues und Besonderes bieten, damit er zu uns auf den Hof kommt.“
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