Sonderkultur

Christbaumkulturen: Lange Planung nötig

Vermarktung
Helga Gebendorfer
am Mittwoch, 20.11.2019 - 11:51

Familie Ostermeier verkauft Fichten als Christbäume ab Hof – ab dem ersten Adventswochenende geht‘s richtig los. Die Betriebsleiter erzählen dem Wochenblatt von der Entwicklung und Organisation ihres Geschäftszweiges.

Der Christbaumanbau beim „ Blosi“ in Grünberg im Landkreis Freising ist dem Zufall geschuldet. Vater Konrad verwendete  vor knapp 40 Jahren erstmals Sitka-Fichten als Christbäume. „Das kam gut an und danach startete der Ab-Hof-Verkauf“, erzählt der jetzige Betriebsleiter Konrad Ostermeier. Im Laufe der Jahre wurde die Erweiterung der Anbaufläche ins Auge gefasst und die ersten Pflanzungen - am Anfang hauptsächlich Blaufichten - unternommen. 

Konrad Ostermeier führt den elterlichen Betrieb zusammen mit seiner Frau Martina im Nebenerwerb. Der 51-jährige Maurermeister, der hauptberuflich als Betriebsleiter im Stadtunternehmen Mainburg tätig ist, bewirtschaftet neben 4 ha Wald 16 ha LN, davon 6 ha Christbäume. Der Rest sind Grünlandflächen.

2005 übernahm der Nebenerwerbslandwirt von seinen Eltern 4 ha Christbaumkulturen, die er dann zusammen mit seiner Frau um 2 ha erweiterte. Der Hopfenanbau wurde 1993 aufgegeben.

Blaufichten und Nordmanntannen

Aktuell stehen auf den Plantagen 30 % Blaufichten und 70 % Nordmanntannen. „Weil sich die Kunden mit der Zeit umgestellt haben. Seit Jahren ist die Nordmanntanne nun schon der Modebaum“, stellt Konrad Ostermeier fest. Deren Vorteile im Vergleich zur Blaufichte: Sie besitzt weiche Nadeln, die weniger stark abfallen. Trotzdem gibt es immer noch Liebhaber für die Blaufichte. „Diese ist viel stabiler für schweren Schmuck und besticht durch ihren Tannenduft und Farbschlag“, zählt der Direktvermarkter auf.

Jedes Jahr wird nach Bedarf nachgepflanzt. Dazu wird sämtliches Pflanzgut im Topfsystem im Alter von vier Jahren mit einer Höhe von 15 bis 30 cm bei einer Baumschule im Rottal bezogen. Der Vorteil: die Pflänzchen passen genau in das vorbereitete Pflanzloch und wachsen sehr gut an. Sie können ganzjährig gepflanzt werden, doch die Ostermeiers bewerkstelligen das im Frühjahr.

Die Bäumchen werden seit sieben Jahren im Abstand von 1,20 m in der Reihe und 1,50 m zwischen der Reihe gesetzt. „Damit das Mähen problemlos funktioniert und Spritzungen vermieden werden können“, erläutert der 51-jährige. Nur im ersten Jahr nach der Pflanzung wird gegen Unkraut eine Bandspritzung durchgeführt.

Die Mäharbeiten finden in der Regel im Mai und Juni statt. „Das Sauberhalten der Plantagen von Unkraut ist wichtig für den Erfolg“, informiert der Christbaumanbauer, der ergänzt, dass ansonsten kein Pflanzenschutz gemacht und nur punktuell gedüngt wird. Die Tannentriebläuse konnten bisher durch Nützlinge in Schach gehalten werden. Zur Vorsorge wurde in den vergangenen Trockenjahren das Gras bewusst höher stehen gelassen, um besseren Sonnenschutz zu gewähren und den Insektenbestand in den Kulturen zu halten.

Gut im Futter

Nordmanntannen bevorzugen nach Auskunft von Konrad Ostermeier eher karge Böden. „Auf unseren guten Standorten wachsen sie deshalb relativ schnell und das gilt es in den Griff zu bekommen“, gibt er Auskunft. „Im Gegensatz zu vielen Kollegen, die den Christbäumen durch einen Schnitt eine ideale Form geben, schneide ich jedoch nur, was unbedingt sein muss“, erklärt er. Selbstverständlich probierte er es aus, doch aufgrund des extremen Baumwachstums hat er negative Erfahrungen damit gemacht. Inzwischen steht für ihn fest: „Ich schaffe es nicht und ich will auch nicht, dass der Baum unnatürlich wächst. Dafür nehme ich eine geringere Ausbeute von 60 bis 70 Prozent in Kauf.“

Das Resultat ist, dass nur der Haupttrieb reguliert wird, das heißt aus zwei Gipfel wird einer gemacht bzw. ein Seitentrieb zum Haupttrieb aufgebunden. Notfalls werden auch die Seitentriebe sehr geringfügig reguliert.

Shrophire-Schafen beweiden

Seit sieben Jahren werden die Plantagen teils mechanisch und teils mit Shrophire-Schafen gepflegt, wobei je nach Bedarf die Weide gewechselt wird. Vorsicht ist angesagt beim Neuaustrieb der Bäume, denn durch den Spieltrieb der Lämmer besteht die Gefahr, dass die Triebspitzen angeknabbert werden. Aktuell werden neun Mutterschafe und drei Böcke gehalten, wobei ein Hektar sechs bis acht Schafe verträgt.

Shropshire sind prädestiniert für die Pflege der Christbaumflächen. Sie haben keinen Schäl- und Nagetrieb und verschmähen die Spitzen von Nadelbäumen. „Die Tiere sind mein Hobby. Der Umgang mit ihnen wirkt auf mich entschleunigend. Außerdem schaffen sie mir Erleichterung bei den Mäharbeiten, düngen mit ihren Ausscheidungen die Flächen und zertreten Wühlmausgänge und vergrämen die Nagetiere auf diese Weise. „Es war gar nicht so einfach, diese Rasse zu bekommen, da es nur wenige Halter in Bayern gibt“, teilt der Schafhalter mit, der mit vier Mutterschafen startete. Ein Jahr später kam ein Bock dazu und inzwischen werden gezielt nur Zuchtböcke und weibliche Zuchttiere eingesetzt. Die Schafe gehen von April bis November auf die Weide und verbringen den Winter im Stall, wo sie auch ablammen. Der weibliche Nachwuchs geht in die Nachzucht, Bocklämmer werden für den Eigenbedarf geschlachtet.

Zu 100 % ab Hof verkauf

Verkaufsfähige Blaufichten sind rund sechs Jahre, Nordmanntannen acht bis zehn Jahre alt. Daneben ergänzen das Sortiment Exoten wie Nobilis-, Colorado- und Koreatanne. Die Saison beginnt zwei Wochen vor dem 1. Advent mit dem Verkauf von Schnittgrün. Ab dem 1. Adventwochenende folgen bis zum Heiligen Abend die Christbäume. Die ersten beiden Wochen ist nur am Nachmittag ab 13 Uhr geöffnet, danach täglich von 10 Uhr bis 17.30 Uhr.

Die Bäume werden zu 100 % ab Hof verkauft, wobei die Verkaufsfläche rund 700 Quadratmeter umfasst und dort etwa 200 Bäume aufgestellt sind. Der Verkauf fängt langsam an und am Anfang werden vor allem Dekobäume für den Außenbereich  vermarktet. Anschließend wird die Ausstellungfläche komplett für Privatkunden – hauptsächlich Stammkundschaft – bestückt.

Bis zur letzten Woche wird täglich nachgefüllt. Dann lassen die Anbieter das Angebot auslaufen. „Freilich bleiben einige wenige Exemplare übrig, doch das ist überschaubar“, gibt Konrad Ostermeier Auskunft. Die Bäume werden grundsätzlich so spät wie möglich geschnitten. Das bedeutet, dass er am Wochenende frische Ware nachfüllt und für die restliche Woche einen gewissen Vorrat aus den Plantagen holt. Qualität bedeutet für den Christbaumanbauer: so frisch wie möglich. Sein Tipp für die Kundschaft: nach dem Kauf den Baum möglichst ausnetzen und sofort in Wasser stellen und bei Bedarf nachfüllen, was genauso nach dem Aufstellen im Haus gilt.

Unterschiedliche Geschmäcker

„Alles ist möglich“, weiß Martina Ostermeier aus jahrelanger Erfahrung. Die Geschmäcker sind sehr verschieden. Der Christbaumkauf ist eine individuelle Entscheidung und das können die Kunden bei uns in Ruhe tun“, erklärt sie und verrät, dass der Kauf eines Baums Minuten oder auch Stunden dauern kann. Gleichzeitig weist sie auf einen besonderen Service hin. Wer möchte, kann seinen Baum schon im Oktober direkt auf der Plantage aussuchen. Er wird dann mit einem Zettel versehen und erst bei Abholung geschnitten.

Der Trend geht in den letzten Jahren immer mehr zur Nordmanntanne. „Der Renner ist ein Baum in Zimmerhöhe - eher in schlanker Form“, informierte die Direktvermarkterin, die eindeutig den Dritten Advent als Hauptverkaufswochenende ausmacht. Sie weiß aber auch: „Kunden, die viel Wert auf den Baum legen, kommen schon früher und wählen sorgsam aus.“ Zum Aufwärmen und als Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen ist in der Saison ein Glühweinstand aufgebaut, der bei der Kundschaft sehr beliebt ist und sehr gut angenommen wird. Die Arbeit bewältigt der Familienbetrieb in der Verkaufssaison mit Unterstützung der Verwandtschaft.

Zufrieden äußert sich Konrad Ostermeier über die Entwicklung seines Betriebes. „Ich kann die anfallende Arbeit prima im Nebenerwerb erledigen, das heißt ich habe in der Regel immer die nötige Zeit, meine Arbeit zu planen und durchzuführen. Mir liegt der Christbaumanbau und er passt gut zu unserem Betrieb“, meint er. Beim Blick in die Zukunft gibt das Ehepaar zu bedenken, dass es grundsätzlich aufgrund des bis zu zehnjährigen Baumwachstums einer langen Planung bedarf.