Volksbegehren

Chance oder Schlag ins Gesicht?

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Maria Horn
am Montag, 06.05.2019 - 12:40

Berchtesgadener Almbauern debattieren über Volksbegehren und Regionales. Außerdem wurde Kaspar Stangassinger als Bezirksalmbauer bestätigt.

Bischofswiesen/Berchtesgadener Land „Für die Almbauern ist das abgelaufene Volksbegehren Artenvielfalt ein Schlag ins Gesicht. Wir werden mit den Großagrarbetrieben in einen Topf geworfen“ äußerte Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger im Namen der Mitglieder seinen Unmut. Das Thema zog sich wie ein roter Faden durch die heurige Hauptversammlung der Bezirksalmbauernschaft Berchtesgaden. Bereits einen Tag nach Bekanntwerden der Beschlüsse der Staatsregierung haben Bauernvertreter mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber über die Situation im Berchtesgadener Land gesprochen.
Der Leiter der Landwirtschaftsschule Traunstein Hans Zens berichtete, dass die Schule den Fokus auf den Erhalt von kleinen Strukturen richtet, was auch Schüler aus anderen Landkreisen anlocke. „Dann erhalten wir auch die Artenvielfalt“, fasste der Schulleiter zusammen. In Bezug auf die geforderten 30 % an ökologischem Landbau bemerkte er, dass in den Kreisen Traunstein und Berchtesgadener Land bereits 28 % der Flächen ökologisch oder extensiv bewirtschaftet werden.
Der Vertreter des Landratsamtes, Veterinär Dr. Matthias Popp, riet den Almbauern, Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit rechtzeitig zu planen, da der Impfstoff nicht immer greifbar sei. Almfachberater Alfons Osenstätter kam auf offene Fördergelder zu sprechen, die noch nicht ausbezahlt worden sind. „Im Landkreis Berchtesgadener Land sind es 60 000 Euro, in Traunstein sogar 220 000 Euro, die noch offen sind. Im Ministerium wird das damit begründet, dass der Doppelhaushalt noch nicht beschlossen ist“, bat er die Almleute um Geduld.
Osenstätter prognostizierte höhere Investitionskosten für die kommenden Monate. Denn durch Schneemassen und Windwurf sind enorme Schäden an Weidezäunen und Gebäuden entstanden. Auf vielen Almen können diese Schäden noch nicht ermittelt werden, da diese noch nicht erreichbar sind. Der Fachbereichsleiter bat die Bauern, sich mit der Unteren Naturschutzbehörde in Verbindung zu setzen, wenn Erdbewegungen auf Almgebieten geplant sind.
Sachgebietsleiter Georg Linner sieht das Volksbegehren als Chance für die Almbauern. „Ihr wart gar nicht gemeint, fühlt euch nicht angesprochen, sondern nutzt die Chancen.“ Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber animierte die Almleute, den Vorteil zu nutzen, dass die amtierende Landwirtschaftsministerin aus dem Berchtesgadener Land kommt. „Wir brauchen euch Almbauern zum Erhalt unserer Landschaft“, bestärkte er die Versammelten.

Feuer anmelden

Der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) Georg Mair hat ausführliche Informationen darüber mitgebracht, was der Dachverband leistet. Nachdem es durch die Waldschäden des vergangenen Winters wohl öfter nötig sein wird, Abfallholz direkt vor Ort zu verbrennen, bat er die Bauern, geplante Feuer unbedingt anzumelden, damit keine unnötigen Feuerwehreinsätze hervorgerufen werden. In einem Brief an die Landkreise will der AVO auch darauf hinweisen, die Anmeldungen einheitlich über die Rettungsleitstellen laufen zu lassen.
Weiter sprach Georg Mair das Gerichtsurteil in Österreich an, nachdem ein Almbauer hohe Schadensersatz- und Schmerzensgeldsummen bezahlen soll, weil eine Urlauberin beim Durchqueren der Weide von einem Rind tödlich verletzt worden war. Er habe bereits mit der Landwirtschaftsministerin Kontakt aufgenommen, um das Haftungsrecht in Bayern prüfen zu lassen.

Engagement der Jugend

Bei der Bezirksalmbauernschaft Berchtesgaden standen heuer Neuwahlen an. Für Kaspar Stangassinger konnte kein Nachfolger gefunden werden. Mit einem einstimmigen Votum wurde er deshalb für weitere fünf Jahre gewählt. Dazu nahm der stellvertretende BBV-Kreisobmann Michael Lichtmanegger die Jugend in die Pflicht: „Es wäre wichtig, dass sich junge Leute engagieren.“ Höchste Anerkennung sprach er Stangassinger für seine engagierte und professionelle Arbeit als Bezirksalmbauer aus. Dieser informierte die Almleute abschließend über (Kosten-)Berechnungen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Bezug auf Schutzzäune und -hunde.