Prozess

Brucker Hof: Der Abriss ist zulässig

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Alexander Kraus
am Donnerstag, 08.07.2021 - 16:58

Landwirt Siegfried Moser bangt um seinen Brucker Hof. Das Landratsamt Weilheim-Schongau fordert den Abriss zweier Gebäude.

Steingaden/Lks. Weilheim-Schongau Auch den zweiten Prozess um seinen Brucker Hof hat Siegfried Moser verloren. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat die Entscheidung des Verwaltungsgerichts bestätigt und die Berufung des 82-jährigen Landwirts gegen den Abriss seines Hofes in Steingaden nicht zugelassen. „Eine sehr große Ungerechtigkeit, ein Vertrauensmissbrauch gegenüber dem Staatsbürger und ein Schlag ins Gesicht aller kleinen Landwirte“, klagt Moser.

Das Landratsamt Weilheim-Schongau fordert den Abriss zweier Gebäude auf dem 14 ha großen, ins Jahr 1665 zurückreichenden Hof im Außenbereich des Steingadener Ortsteils Urspring. Der ganze Altbestand samt Betriebsleiterwohnung und der Maschinenstadel sollen weg. Nur der Kuhstall kann bleiben. Der Landwirt könnte so bald obdachlos werden.

Mosers Anwältin Claudia Högenauer klagte gegen den Abrissbescheid – ohne Erfolg. Das Landratsamt bleibt bei seiner Stellungnahme: „Die Beseitigungsanordnung der illegal errichteten Gebäudeteile ist rechtens, da sowohl Genehmigungen und Genehmigungsfähigkeit in dem Landschaftsschutzgebiet fehlen.“

In das historische Gebäude gezogen

Moser hatte den direkt am Lech gelegenen Hof vor 20 Jahren gekauft. Nach dem Tod seiner Frau zog er ins historische Gebäude, baute dort eine einfache Betriebsleiterwohnung, errichtete mit Genehmigung den Mutterkuhlaufstall und mit Duldung der Ämter den Maschinenstadel. Schriftlich genehmigt war nur der Stall. Als Moser vor etwa zwei Jahren den Hof verkaufen wollte, fragten die Interessenten beim Landratsamt nach – so kam der Stein ins Rollen.

„Für die Nutzung meiner Wohnung und den Bau des Maschinenstadels hat es mündliche Zusagen gegeben“, versichert Moser. Die Behörden dementieren: Bei der Betriebsleiterwohnung habe Moser absprachewidrig gehandelt, diese neu errichtet, vom Altbestand sei nichts mehr übrig, was Moser bestreitet. Darüber hinaus sei der Stadel um 10 m2 größer als die genehmigungsfreie Grenze und nicht freistehend.

Das Landratsamt hat den Abriss des historischen Bauernhofs angeordnet. Hier sehen Sie ein Video zum Thema:

„Er hätte 2010 die Anträge durchfechten müssen“, sagt Anwältin Högenauer, „zumindest der Bauantrag für den Maschinenstadel wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich gewesen“. Doch aufgrund der damals positiv lautenden Absprachen, zog Siegfried Moser laut seiner Anwältin Claudia Högenauer die Anträge damals zurück.

Eine Petition gestartet

Der Verwaltungsgerichtshof monierte in der Begründung für den Abriss, Moser sei mit 34 Kühen nur Hobby-Landwirt, die Hofnachfolge nicht geregelt und die Betriebsleiterwohnung im Altbestand nicht notwendig, da er zur Versorgung der Tiere nicht auf dem Hof wohnen müsse. Für Högenauer rechtlich nicht nachvollziehbar. Sie reichte eine sogenannte Anhörungsrüge ein. Nächster Schritt wäre die wenig aussichtsreiche Verfassungsbeschwerde.

Und wenn alles nichts hilft? „Dann werde ich protestieren“, sagt Moser. Er hat eine Petition beim Landtag eingereicht. Mitstreiter starteten zudem eine Online-Petition (www.stopp-abriss-bruckerhof.de). Im äußersten Fall werden sie vor Ort sein. „Die ketten sich ans Gebäude, wenn die Abrissbirne kommt“, sagt Högenauer.