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Hamstern

Ist Brennholz das neue Klopapier?

Das Gold des Waldes: Brennholz ist nachgefragt wie nie und in Baumärkten und bei vielen großen Holzhändlern schon ausverkauft.
Barbara Höfler
am Donnerstag, 18.08.2022 - 08:09

Bei den Waldbesitzern stehen die Telefone nicht mehr still: Aus Angst vor der Gasknappheit ist Brennholz gefragt wie nie und kaum noch herzubekommen.

Beim Bauerntag auf dem Ebersberger Volksfest gibt es traditionell einen Ster Brennholz zu gewinnen. Das könnte diesen Montag ausfallen – oder erst im Frühjahr 2022 geliefert werden. Denn nicht einmal Försterin Lisa Beckert von der WBV Ebersberg bekommt dieser Tage mehr so leicht einen Ster her.

Die Nachfrage nach Brennholz ist derart hoch, dass die Waldbesitzervereinigung, die selbst kein Holz verkauft, sondern nur Holzhändler unter ihren Mitgliedern vermittelt, für die rund 30 Anfragen pro Woche eigens eine Datenbank eingerichtet hat. „Um die Interessenten alle aufzunehmen und die Anfragen nach Örtlichkeit besser zu verteilen“, sagt Beckert, „aber es ist unmöglich, allen gerecht zu werden“. Die Kundschaft hat die Holzhändler einfach überrannt.

Holzhamsterkäufe – auch ohne Ofen

Die Angst, dass das Gas im Winter knapp werden könnte, treibt breite Bevölkerungsschichten um. Weit vor der eigentlichen Brennholzsaison, die in den Vorjahren erst Ende September/Oktober begann, fragen jetzt nicht nur Kunden an, die ohnehin mit Holz heizen. „Sondern zum Teil auch Leute, die noch gar keinen Ofen haben“, weiß Robert Nörr vom Forstrevier Wolfratshausen am AELF Holzkirchen. „Klopapier-Effekt“, nennt er das – Hamsterkäufe wie im vergangenen Jahr beim Toilettenpapier, aus Furcht später nichts zu kriegen. Wer derart vorsorglich Holz gekauft hat, steht mittlerweile tatsächlich vor einem Folgeproblem: „Mancher Ofenbauer ist bei uns auf vier Jahre ausgebucht“, sagt Lisa Beckert. Auf Wochenblatt-Nachfrage bestätigte der Sprecher der Baumarkt-Kette Hornbach Florian Preuß Lieferengpässe bei Kaminöfen und Pelletskesseln. Kommt im Baumarkt Brennholznachschub, etwa aus Polen, ist der laut Preuß in 24 Stunden ausverkauft – zum Preis von 229 €/rm. Gut 70 % über dem Vorjahrespreis.

Ein Ster Buche per Express nach Köln

Die WBVen geben ihren Mitgliedern Preisorientierungen. Ein Ster Buche ofenfertig (33 cm) liegt derzeit bei 150 –200 €, Fichte und Kiefer bei 100 €. Die Preissteigerung freut viele Holzhändler. „Aber einfach verdientes Geld ist das nicht“, sagt Florian Loher, Geschäftsführer der WBV Wolfratshausen. Er kann sich vorstellen, dass der Preis sogar noch weiter steigt. „Das Klopapier war dann ja auch auf einmal doppelt so teuer.“

Dass die Leute offenbar bereit sind, jeden Preis zu zahlen, beobachtet stirnrunzelnd auch Josef Denk aus Freising. Der Vorsitzende der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberbayern hörte bereits von Geboten zwischen 200 – 300 € für einen Ster Buche zur Lieferung nach München. Bei ihm selbst fragte Kundschaft aus Köln kürzlich an, ob er bereit sei, einen Ster zu 300 € per Post-Express nach Nordrhein-Westfalen zu schicken. „Mir tut‘s fast weh“, sagt Denk. Mit Regionalität und CO2-Neutralität habe so eine Art von Holzwirtschaft nichts mehr zu tun.

Den Waldbesitzern rät der FV-Vorsitzende: „Normal weitermachen und das einfach mitnehmen.“ Jetzt verstärkt Brennholz zu machen, sei jedenfalls kein guter Plan. Erstens braucht Brennholz Trocknungszeit, zweitens wisse keiner, wie es mit der angstgetriebenen Nachfrage weitergeht. „Ned narrisch werdn“, das empfiehlt Denk Waldbauern und Kunden.