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Brenner Nordzulauf: Demo und Klage gegen die Bahn

Brenner-Nordzulauf-Karte
Ludwig Holly
am Dienstag, 29.11.2022 - 16:10

Bahn-Trasse "Limone" kommt: Lauter Wiederstand von Landwirtsvertretern, Bürgerinitiative und Landrat. Am Samstag ist eine Mahnfeuer-Demo geplant.

Ebersberg Für die Deutsche Bahn ist das Trassenauswahlverfahren für den Brenner-Nordzulauf im Abschnitt Grafing-Ostermünchen abgeschlossen: Zwei Gleise fernab der Bestandsstrecke sollen neu gebaut werden und durch die unberührte Landschaft führen. Auf die Trasse Limone legte sich der Konzern Ende vergangener Woche fest (Wochenblatt berichtete).

Bürgerinitiative will gegen die Deutsche Bahn klagen

In der Region herrscht großes Unverständnis darüber, wie sich die Bahn über den politischen und demokratischen Willen vor Ort hinwegsetzt, namentlich über Kreistag, Gemeinden, Bürgerschaft und Landwirtschaft. Die Kritiker werfen dem Konzern Willkür, Intransparenz und nur eine Scheinbeteiligung der Betroffenen vor. Auch an die Ergebnisoffenheit der Überprüfung der Bürgertrasse Türkis und der Objektivität des Punktebewertungssystems wird gezweifelt. Vertreter der Bürgerinitiative Brenner-Nordzulauf kündigten bereits eine Klage gegen die Bahn an.

Außerdem will eine Mehrheit von CSU, Freien Wählern, FDP und AfD im Bayerischen Landtag einen Dringlichkeitsantrag stellen, wonach der Landtag sich für die „Bürgertrasse Türkis“ einsetzen. Initiiert hat Antrag der Landtagsabgeordnete im Kreis Ebersberg Thomas Huber.

Landrat kämpft weiter gegen die geplante Bahn-Trasse

Kritik an der Bahn übt auch der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU). Er versteht nicht, dass sich die Bahn wohl sehr frühzeitig auf „ihre“ Limone-Trasse festgelegt hat und jetzt auch nicht mehr bereit ist, davon abzurücken. „Das ist nicht nachvollziehbar und das werden wir auch so nicht akzeptieren“, sagte der Landrat auf Wochenblatt-Nachfrage. „Wir stehen im breiten Konsens mit den betroffenen Gemeinden und weiten Teilen der Gesellschaft für einen bestandsnahen Ausbau der Trasse Türkis, um die immense Zerschneidung von Natur, Landschaft und landwirtschaftlichen Flächen zu verhindern.“

Kritik vom Ebersberger Kreisobmann

Viele Anrufe von besorgten Landwirten, bekommt der Ebersberger Kreisobmann Matthias Vodermeier. Auch er versteht die Entscheidung nicht: „Bei uns Landwirten gibt es viele Einschränkungen wegen des Trinkwasserschutzes, doch die Bahn darf dort einfach bauen“, sagt er. Vodermeier kritisiert unter anderem, dass nur kleinere Biotopflächen betrachtet wurden und Wild, das einen größeren Lebensraum braucht, keine Berücksichtigung fand.

Brenner Nordzulauf bedroht Existenz von Landwirten

Direkt geschädigt wäre auch Landwirtin Magdalena Stuffer aus Dorfen. Ihr elterlicher Betrieb, den sie einmal übernehmen darf, wäre durch die Trasse Limone mit rund 10 ha betroffen. Für die Familie ist der Brenner-Nordzulauf natürlich eine Existenzfrage. Die junge Bäuerin möchte den Betrieb aber erhalten und so kämpft sie für die bestandsnahe Trasse Türkis.

Die Entscheidung der Bahn hat sie und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter in der Bürgerinitiative Brenner-Nordzulauf nicht überrascht, aber auch nicht entmutigt. „Das hält uns nicht auf. Wir sehen das nicht als Niederlage. Es hat unseren Kampfgeist noch mehr entflammt und schweißt uns als Einheit noch stärker zusammen“, sagt die Landwirtin. „Wir kämpfen für unsere Heimat und unsere Kinder.“

Demonstration gegen Bahn-Trasse "Limone" geplant

Am Samstag, den 3. Dezember, organisiert die Bürgerinitiative eine Demonstration. Ab 16.15 Uhr werden entlang der Trasse Limone von Lorenzenberg bis nach Niclasreuth Mahnfeuer brennen und eine Menschenkette den geplanten Gleisverlauf sichtbar machen. Um 19 Uhr endet die Demo mit einer Kundgebung in Niclasreuth.

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