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Protest

Brenner-Nord-Zulauf: Bauernverband übt scharfe Kritik

Deutsche Bahn
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Redaktion Wochenblatt
am Dienstag, 19.07.2022 - 15:43

Der BBV fordert eine objektive Variantenprüfung im Rahmen eines Raumordnungsverfahrens. Die Rede ist aktuell vom „größtmöglichen Schaden für die Landwirtschaft“.

Ebersberg„Der größte mögliche Schaden für landwirtschaftliche Flächen“ - so lautet das Fazit des Ebersberger BBV-Kreisobmanns Matthias Vodermeier zur Entscheidung der Bahn für die Variante „Limone“ beim Brenner-Nord-Zulauf. In einer Pressemitteilung übt der BBV scharfe Kritik. „Erneut zieht die Landwirtschaft zusammen mit Belangen von Gewässer-, Umwelt- und Wildtierschutz in der Gewichtung gegen die Faktoren Technik, Infrastruktur und Bauausführung den Kürzeren“, erklärt Kreisobmann Vodermeier in der Mitteilung. 

Mit der Variante „Limone“ werden im Vergleich zur Trassenvariante „Türkis“ am meisten Flächen von zusammenhängenden landwirtschaftlichen Betrieben zerschnitten. Das bedeutet nicht nur den Wegfall von wertvoller landwirtschaftlicher Fläche, sondern zum Teil auch große Umwege für die Landwirte in der Anfahrt, was mit Blick auf die Energiekosten wiederum zu enormen Kostensteigerungen für die Betriebe und zu einem erhöhten Arbeitszeitaufwand führt. Zudem zwinge der Verlust der Flächen zum Teil die betroffenen tierhaltenden Betriebe dazu, ihre Bestände abzustocken oder ihre Tierhaltung sogar ganz aufgeben zu müssen, heißt es vom BBV.

Auch für die Einwohner der betroffenen Ortschaften, viele liegen laut dem BBV „eingekesselt“ zwischen der Bestandsstrecke und der neuen Strecke, würden diese Umwege zum Problem werden. So habe sich ein großer Teil der Bevölkerung mit der „Bürgertrasse“, also der Variante „Türkis“, klar für einen anderen Streckenverlauf ausgesprochen. Das sei ebenfalls nicht berücksichtigt worden.

Sorge vor mehr Wildunfällen

Die Führung „quer durch Feld und Flur“, werde zudem mehr Wildunfälle zur Folge haben, ist sich Vodermeier sicher. Der BBV-Kreisobmann wirft ebenfalls die Frage nach einer realistischen Kostenschätzung in den Raum. „Blickt man auf die letzten größeren Bahnprojekte und die aktuellen Preisentwicklungen, muss diese Frage erlaubt sein“, so Vodermeier.

„Für uns ist die Entscheidung insgesamt nicht nachvollziehbar“, so der BBV-Vertreter, zumal man sich zwar als Betroffener habe einbringen können, es von Seiten der Bahn jedoch zu den eingereichten Argumenten keinerlei Rückmeldung gegeben habe. „Sind unsere Argumente wirklich gehört worden oder war das alles nur Makulatur?“, fragt er. „Wir fordern deshalb eine objektive Variantenprüfung im Rahmen eines Raumordnungsverfahrens durch die Regierung von Oberbayern“, so der BBV-Kreisobmann. Die Kriterien, wie überregionale Bedeutsamkeit oder Betroffenheit mehrerer Gemeinden, seien ohne Zweifel gegeben. Zudem wurde ein solches Verfahren auch im Landkreis Rosenheim mit den verschiedenen Varianten durchgeführt.

Ein Artikel auf Basis einer Pressemitteilung des Bayerischen Bauernverbandes.