Bilanz

Brauwirtschaft leidet unter der Pandemie

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Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 11.02.2021 - 17:49

Die aktuelle Situation stellt die Hopfenverwertungsgenossenschaft vor besondere Herausforderungen. Bislang sei man jedoch "mit einem blauen Auge davongekommen".

In Anbetracht der besonderen Umstände äußerte sich Dr. Johann Pichlmaier, Vorstandsvorsitzender der Hopfenverwertungsgenossenschaft (HVG), bei der digitalen Generalversammlung trotzdem zufrieden mit dem Wirtschaftsjahr 2019/2020. „Auf unser bisheriges Geschäft sind die negativen Folgen der Pandemie bis jetzt geringer, als ursprünglich zu befürchten war“, stellte Pichlmaier fest.

Der Bier- beziehungsweise Alkoholkonsum hat nach seiner Auskunft weltweit vergleichsweise robust reagiert, wobei es in der Brauwirtschaft sowohl starke Verlierer als auch Gewinner gibt. Auf die Brauwirtschaft hatte die Pandemie bisher folgende Auswirkungen: Der Weltbierausstoß sank 2020 schätzungsweise um rund neun Prozent – sehr schwankend von Land zu Land und Brauerei zu Brauerei. Besonders extrem sind teilweise kleine und mittlere Brauereien betroffen, vor allem wenn sie stark von der Gastronomie oder Veranstaltungen abhängig sind.

Außerdem gibt es bei vielen Brauereien neben dem Mengenverlust vor allem ein Ergebnisproblem, weil das margenstärkere Bier besonders rückläufig ist und die Kosten gestiegen sind. Momentan ist eine Zurückhaltung beim Rohstoffeinkauf festzustellen und die Brauereien werden in einen Kostenreduzierungsdruck kommen.

 

Pichlmaier Vortrag

Demgegenüber stand 2019 eine Welthopfenernte, die um rund zehn Prozent besser ausgefallen ist als ein Jahr zuvor. Mit mehr als 48 000 t bzw. 5260 t Alphasäure wurden Mengen erzielt, die es bisher so noch nicht gab. Trotzdem kam es nach der unterdurchschnittlichen Ernte 2018 im Freihopfengeschäft zu einer erfreulichen Marktentwicklung mit einem Preisniveau, das zumindest bei den Hauptsorten deutlich über dem der Vorverträge lag.

Nach rund vier Monaten Pandemiezeit im letzten Wirtschaftsjahr ging der Umsatz der HVG gegenüber dem Vorjahr um rund 3 Millionen € beziehungsweise gut drei Prozent zurück. Zudem stieg das Risiko sowohl aus Vertragsverschiebungen oder -stornierungen seitens der Brauereien als auch aus der Bewertung von Über- bzw. Unterdeckungen. Weiter führte die Entwicklung zu einem Wertverlust bei den Warenbeständen.

Trotz der schwierigen Situation blickte HVG-Vorstandsvorsitzender Dr. Johann Pichlmaier zuversichtlich auf das laufende Wirtschaftsjahr 2020/2021. „Wenn die Pandemie überstanden ist, wird es positiv weitergehen.“
Sein Blick in die Zukunft war mit großen Unwägbarkeiten verbunden. So sind belastbare Prognosen zum Weltbierausstoß seriös nicht zu machen. In Bezug auf das laufende Geschäftsjahr ging er davon aus, dass die Warenbestände nochmals zunehmen werden. „Dies ist die Folge der guten Ernte 2020, die auf den geringeren Weltbierausstoß trifft.“ Da ein erhöhter Warenbestand auch finanziert werden muss, wird die Liquidität nochmals deutlich sinken.

Probleme sind noch nicht abschätzbar

HVG

Weiterhin optimistisch blickte HVG-Aufsichtsratsvorsitzender Adolf Schapfl in die Zukunft. „Auch die Hopfenwelt war in erster Linie von Corona geprägt“, stellte er fest und wies darauf hin, dass das Virus einigen Wirtschaftsbereichen erhebliche Schäden zugefügt hat. „Im Vergleich dazu sind wir im Hopfen vielleicht sogar bisher mit einem blauen Auge davon gekommen“, meinte er.

So konnte die vergleichsweise gute Ernte 2019 im zurückliegenden Geschäftsjahr von der HVG zufriedenstellend vermarktet werden und bei der Vermarktung der ebenfalls guten Ernte 2020 sind die Probleme bisher noch überschaubar. Zwar haben einige Hopfensorten derzeit einen zu niedrigen Preis, allerdings zeigen sich die großen Hauptsorten bisher fast schon erstaunlich preisstabil. Freilich gilt nach seiner Information wie immer: Was heute gefragt ist, kann morgen uninteressant sein und umgekehrt. „So haben auch Spezialaromasorten aus Deutschland ihren berechtigten Platz. Es sind stabile Hopfen in der Produktion und machen hervorragende Biere.“ Gleichzeitig gilt aber auch, dass aktuell bei keiner Sorte ein Flächenzuwachs angesagt ist. „Und das umso mehr, weil wir noch nicht abschätzen können, welche Probleme aus der Corona-Krise noch auf uns zukommen werden.“

Neue Wege beschreiten

„Ein schwieriges Jahr liegt hinter uns und ein mindestens genauso herausforderndes liegt vor uns“, teilte er mit. Es gelte, neue Wege zu gehen und auszuprobieren. Denn die Herausforderungen und Anforderungen an die Hopfenpflanzer und -vermarkter werden nicht weniger werden und in den kommenden Jahren weiter vorhanden sein.

Bei den turnusgemäßen Wahlen wurde in den Vorstand Wolfgang Ruther wieder gewählt. Den Aufsichtsrat vervollständigen Christian Berthold, Reiner Joachim und Dirk Schumacher aus dem Anbaugebiet Elbe-Saale, sowie Sebastian Burger, Albert Eisenmann, Georg Lutz und Alois Widmann aus der Hallertau.