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Erkrankung

Borna-Virus im Landkreis Mühldorf am Inn

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Redaktion Wochenblatt
am Mittwoch, 08.06.2022 - 11:30

Seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung: Übertragung erfolgt über die Feldspitzmaus und deren Ausscheidungen.

Spitzmaus

Ein Fall einer Erkrankung nach Infektion mit dem äußerst seltenen, aber lebensbedrohlichen Borna-Virus (BoDV-1 - Borna Disease Virus 1) trat kürzlich im westlichen Landkreis Mühldorf auf. Darauf weist der Landkreis auf seiner Homepage hin. 

Der Meldung zufolge seien bisher rund 40 Fälle von BoDV-1 Erkrankungen beim Menschen nachgewiesen worden. Aktuell würden in gang Deutschland jährlich weniger als zehn Fälle gemeldet. Die überwiegende Mehrheit der Fälle tritt in Bayern auf.

Ursprünglich trat das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) als Erreger der Borna’schen Krankheit bei Säugetieren wie Pferden und Schafen auf. Erstmalig sei das Virus im Jahr 2018 als Ursache für schwere Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) beim Menschen nachgewiesen worden.

Laut der Landratsamts-Meldung kann eine Übertragung von Mensch zu Mensch außerhalb von Transplantationen nach aktuellem Wissensstand ausgeschlossen werden.

Vorsichtsmaßnahmen

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) weise darauf hin, dass eine Übertragung nach dem aktuellen Stand der Forschung durch den Kontakt zur Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) und deren Ausscheidungen erfolgen kann.

Der Landkreis Mühldorf a. Inn und weite Teile Südostbayerns befinden sich laut Robert Koch-Institut (RKI) in einem Endemiegebiet für das Borna Disease Virus 1. Im Landkreis Mühldorf traten in den vergangenen drei Jahren zusätzlich zum aktuellen Fall noch zwei weitere Erkrankungen auf.

Beachten Sie deshalb bitte folgende Vorsichtsmaßnahmen:

  • Lebende oder tote Spitzmäuse nicht mit bloßen Händen berühren.
  • Sollten Spitzmäuse identifiziert werden, gilt es, ihnen die Nahrungsquelle zu entziehen.
  • Generell sollen Orte, an denen ein Kontakt mit den Ausscheidungen von Spitzmäusen auftreten kann, wenn möglich (auch) von spielenden Kindern gemieden werden bzw. Arbeiten dort sollten nur unter den entsprechenden Hygiene- bzw. Vorsichtsmaßnahmen (s. u.) erfolgen.
  • Spitzmäuse sollten nicht als Haustiere gehalten werden!

Tote Spitzmäuse und Ausscheidungen entfernen

  • Sollten Sie in Ihrem Wohn- oder Arbeitsumfeld tote Spitzmäuse finden, sollten die Tierkörper sicher beseitigt und kontaminierte Flächen (Böden, Arbeitsflächen und andere Oberflächen) sorgfältig mit Haushaltsreiniger gesäubert werden.
  • Tragen Sie Gummihandschuhe und bei Staubentwicklung möglichst FFP2-Masken.
  • Nehmen Sie die toten Spitzmäuse in einer über die Hand gestülpten Plastiktüte auf, verschließen und entsorgen Sie diese mit dem Hausmüll.
  • Besprühen Sie tote Spitzmäuse und Ausscheidungen zunächst gründlich mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel. So verhindern Sie, dass bei der Entsorgung bzw. Reinigung virusbeladener Staub aufgewirbelt wird.
  • Nach staubigen Arbeiten duschen Sie sofort (inkl. Haare waschen) und waschen Sie die benutzte Arbeitskleidung.

Woran erkennt man eine (Feld-)Spitzmaus?

Spitzmaus
  • Spitzmäuse haben deutlich spitzere Nasen bzw. Gesichter als echte Mäuse. Zudem zeichnen sie sich durch einen stechenden Geruch sowie relativ kleine Augen und Ohren aus. Feldspitzmäuse sind sehr selten. Sie leben auf Brachgebieten, z.B. Straßenböschungen, Steinmauern oder unter Hecken.
  • Spitzmäuse sind scheu und nachtaktiv, Begegnungen zwischen Feldspitzmaus und Mensch sind eher selten. Mit der Feldspitzmaus eng verwandt sind Garten- und Hausspitzmaus.
  • Die Feldspitzmaus kann anhand ihrer zweifarbigen Färbung mit deutlicher Grenze zwischen Ober- (grau/braun) und Unterseite (weiß) von der Garten- und der Hausspitzmaus (fließender Übergang) unterschieden werden. Es ist bisher unbekannt, ob auch die Garten- oder die Hausspitzmaus BoDV-1 übertragen kann.

Besorgte Bürgerinnen und Bürger können sich per Mail an Servicestelle@lgl.bayern.de wenden.

Mit Material von Landratsamt Mühldorf am Inn