Waldbau

Borkenkäfer - Aussichten für 2019 nicht rosiger

Referent
Helga Gebendorfer
am Montag, 14.01.2019 - 15:16

Stefan Huber von der LWF prognostiziert weitere Borkenkäferprobleme im neuen Jahr bei der Waldbesitzervereinigung Altmannstein.

Försterin

Altmannstein/Lks. Eichstätt „Wir blicken auf ein intensives und arbeitsreiches Jahr zurück. Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu“. Diese Bilanz zog der Vorsitzende Norbert Hummel bei der Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Altmannstein. Damit meinte er die hereingebrochene Borkenkäferkalamität mit viel Schadholz auf dem Markt und schwieriger Holzabfuhr sowie die Herbststürme mit noch mehr Schadholz. „Deshalb sind die Marktaussichten für 2019 nicht viel rosiger als dieses Jahr“, stellte Hummel zusammenfassend fest.

In den Grußworten dankten die stellvertretende Landrätin Rita Böhm und die zweite Bürgermeisterin Hannelore Eichenseher den Waldbesitzern für ihre Arbeit im Wald und der WBV für ihren Einsatz für die Mitglieder „Der Wald ist die Lunge der Umwelt, Luftfilter und Katalysator der Natur“, betonten sie und riefen dazu auf, diesen mit aller Kraft zu schützen.

Preis unter der Gürtellinie

„In dieser schwierigen Zeit müssen alle zusammenstehen“, erklärte Georg Huber, Vorsitzender der forstwirtschaftlichen Vereinigung Niederbayern. Er erinnerte an Holzpreise von bis zu 100 € und fügte hinzu: „Jetzt beschert uns der Sturm und Käfer einen Preis unter der Gürtellinie“. Er forderte die Zuhörer auf, klimaresistente Pflanzen anzubauen, das Holz über die WBV zu bündeln sowie den umweltfreundlichen Rohstoff beim Heizen und Bauen einzusetzen. „Holz ist und bleibt der Rohstoff der Zukunft. Wir müssen einfach durch das momentane Preistief“, meinte Huber. Er sprach sich für die neuen Zwischenlagerplätze in den Gemarkungen Kösching und Theißing sowie die neu mit Holz erbaute Außenstelle des Landratsamtes in Lenting aus.
„Die sich rapide zuspitzende Borkenkäfersituation, die Aufarbeitung und der starke Druck, der von den Kalamitätenhölzern auf dem Holzmarkt ausgeht, bestimmten weitgehend das Tätigkeitsfeld der WBV-Mitarbeiter in den Sommermonaten“, blickte Geschäftsführer Josef Lohr zurück. Weiter berichtete er, dass der Nadelholzmarkt durch das europaweite Angebot an Kalamitätshölzern bestimmt bleibt.

Auch die Fairness leidet

Nach den Worten des Geschäftsführers ist dieses Jahr von einem kalamitätsbedingten Schadholzanfall von 60 bis 70 Mio. fm für Deutschland, die Tschechische Republik, Österreich, die Schweiz und Norditalien auszugehen. „Der Klimawandel ist auch im Wald angekommen“, so Lohr. Er bedauere, dass unter dem Überangebot von Schadholz nicht nur der Wald, sondern auch der Holzmarkt und mancherorts zudem der ehrliche und faire Umgang miteinander leidet.
Nach seiner Auskunft sind bei der WBV derzeit 1958 (+ 44) Mitglieder mit 17645 ha organisiert. 1020 Waldbesitzer lieferten heuer ihr Holz an die WBV, die insgesamt 119000 Einheiten oder 93000 Festmeter vermarktete. Ab 2019 werden von der WBV 1185 ha über Waldpflegeverträge betreut. Beim Blick auf den Holzmarkt bemerkte der Geschäftsführer: „ Die Rundholzpreise werden voraussichtlich weiter unter Druck bleiben. Prognosen sind schwierig, doch auch im nächsten Jahr ist mit Stürmen und Borkenkäfer zu rechnen.“

Jetzt Käfer suchen

Weil Papierholz weiter zu gleichbleibenden Konditionen nachgefragt ist, ist es empfehlenswert, im Winter Jungbestände zu durchforsten. Weiter sind alle Waldbesitzer gebeten, der Käfersuche und Aufarbeitung des Holzes in den nächsten Monaten höchste Priorität einzuräumen und den Fichtenfrischholzeinschlag bis auf Weiteres zu reduzieren.

Nach der Vorstellung der neuen Försterin Astrid Schneider referierte Stefan Huber von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft über den Waldschutz im Zeichen des Klimawandels. „2019 wird es wieder Käferprobleme geben“, lautete seine Prognose. Er machte darauf aufmerksam, dass alle Baumarten ihre Schädlinge haben. Weiter stellte er fest, dass die Pflanzenschutzmittelsituation im Forstbereich nicht einfach ist und eine Buchdruckerbehandlung im stehenden Bestand keinen Sinn ergibt. Abschließend forderte Schneider die Waldbesitzer dazu auf, Unterstützungen anzunehmen.