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Fortbildung

Boden: Den Klimawandel abpuffern

Waldboden
Sandra Kalb Portrait 2019
Sandra Kalb
am Montag, 18.11.2019 - 13:11

Förster informiert Arge Jagd über nachhaltigen Umgang mit Böden.

Scheuring/Lks. Landsberg - „Wir brauchen Böden, die 130 cm besiedeln, nicht nur 20 cm“, sagte Ludwig Pertl, der sich seit drei Jahren im internationalen Projekt Links4Soils für nachhaltigem Umgang mit Boden engagiert, gegenüber Vertretern der Arge Jagd des Bayerischen Bauernverbandes. Der pensionierte Kauferinger Förster fordert langen Atem, stets mit dem Argument der „enkeltauglichen Zukunft“. In fünf oberbayerischen Gemeinden wurden Schotter-, Auen- und Lehmböden jeweils ein Jahr in den Fokus genommen (siehe Wochenblatt, BLW 50/2018, S. 37) und unter anderem das Dickenwachstum unterschiedlicher Baumarten gemessen. Eine Erkenntnis: Das Fichtenwachstum stagniert ab Juli – die Temperaturerhöhung begrenzt den Faktor Biomasseproduktion.

Die Forderung nach weniger Fichtenanbau ist nicht neu, Pertl sammelt dafür die wissenschaftlichen Daten. Im Gespräch mit einigen Revierjägern und Vertretern des Jagdverbandes sowie der Landwirtschaft, unter anderem vertreten von Landsbergs BBV-Geschäftsführer Thomas Kölbl verdeutlichte er, dass mehr Laubbäume gebaut werden müssen – zum Einen weil sie tiefer wurzeln, mehr Feinwurzeln bilden und zum anderen, weil ihr Laub weniger den Boden versauert als etwa Nadeln.

Lebensraum Boden

„95 % der Biodiversität ist im Boden“, sagte Pertl und stellte einen wichtigen Helfer vor, dessen Appetit man sich bei der Baumwahl auch berücksichtigen muss: den Regenwurm.

Es gebe Leistungen, die nicht mit Geld zu bezahlen sind – dazu zählen für den pensionierten Förster die Ökosystemleistungen des Waldes wie etwa die Kohlenstoffspeicherung und die Kühlleistung aber auch die Jagd sei „eine entscheidende Größe“. Im besichtigten Gebiet wird Eigenbestandsjagd betrieben, berichtete Gemeindejäger Andreas Schützeberg, Inhaber der Jagdschule in Scheuring. Er erzählte von Schwerpunktbejagung „wo es nötig ist“ und betonte die gute Mithilfe von örtlichen Landwirten, die ihre Zwischenfruchtbestände nicht im Herbst einarbeiten.

Die Versammelten diskutierten Wege, den Klimawandel für alle verträglich abzupuffern. BBV-Geschäftsführer Kölbl will Privatwaldbesitzer davon überzeugen, Zäune rauszunehmen und die Landwirte davon, ihre Zwischenfrüchte über den Winter stehen lassen und dem Wild so Nahrung zu bieten. Und: Die Jagdausüber zu beteiligen, so gut es geht. Dennoch war leise Unsicherheit bezüglich der Baumarten zu vernehmen – wer wisse schon, welcher Schädling diese Bäume eines Tages befalle. Einig waren sich die Versammelten darin, dass es einen Absatzmarkt für Pflegeholz braucht, die Gesellschaft müsse Geld in die Hand nehmen. Ein Kernproblem für Pertl: „Wir haben keine Lobby“.