Marktchancen

Biotofu vom heimischen Bauern

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sas
am Mittwoch, 28.10.2020 - 09:04

Christine und Hugo Angermaier setzten auf Soja statt Schweine. Etwa 50 kg bayerischen Biotofu vermarkten sie wöchentlich an Restaurants, Unverpacktläden und den regionalen Biohändler Tagwerk.

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Es war einmal ein Schweinemastbetrieb im Erdinger Umland, die Betreiber bauten auf ihren Feldern deren Futter an, darunter Soja und Weizen. Bereits in zwölfter Generation lenken Christine und Hugo Angermaier die Geschicke des Familienbetriebs, 1996 hat Christine Angermaier den elterlichen Hof übernommen, 2015 stellte sie mit Ehemann Hugo auf ökologischen Landbau um. In dem Zug kamen die Schweine vom Hof.

Den Betriebsleitern widerstrebte es aus Umweltschutzgründen, ihre Feldfrüchte erst über den Tierkörper zu veredeln. Ausgangsprodukt für ihre neue Einkommensquelle ist das eigens angebaute Biosoja. Aus den Sojabohnen lässt das Paar Woche für Woche Bio-Sojamilch und Biotofu entstehen.

Augen immer offen halten

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„In der Landwirtschaft muss man immer die Augen offenhalten“, sagt Hugo Angermaier in Bezug auf neue Betriebsstandbeine. Christine Angermaier denkt an die Generationen nach ihnen selbst: „Unsere Wirtschaftsweise ist unser Beitrag für die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder.“ Und Spaß muss es machen: Das Experimentieren und Erschließen neuer Märkte. Angefangen hat die Tofuproduktion in der eigenen Küche – mit Hugo am Herd. Mittlerweile hat die Familie sich professioneller aufgestellt – mit einer Tofuküche im ehemaligen Schweinestall. Die Gerätschaften dafür sind ein Prototyp, den der Landwirtschaftsmeister und die Hauswirtschaftsmeisterin gemeinsam mit einem Metallbauer in der Region entwickelt haben.

500 l pro Woche

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Pro Woche verarbeiten Christine und Hugo Angermaier rund 500 l Sojamilch, immer bis Sonntag kann bestellt werden. Sonntagabend werden die Bohnen eingeweicht, dann zerkleinert und erhitzt – so entsteht die Sojamilch. Ein Teil davon wird bereits nach diesem Prozessschritt in Flaschen abgefüllt.

Der weitere Prozess ähnelt der Käseproduktion: Durch Zugabe des Bittersalzes Nigari als Gerinnungsmittel in die kochende Milch flockt diese aus. Weiße Tofuflocken schwimmen in der Milch, der Tofu-Bruch. Diesen würzen sie unterschiedlich und füllen in Pressformen um. Dort wird der Tofu etwa in einer Stunde fest. Dienstags und Mittwochs wird der Tofu zugeschnitten und verpackt – in Lake und Öl – eingeschweißt oder in Weckgläsern für Unverpackt-Läden. Je nach Verpackung liegt die Haltbarkeit zwischen einer und mehreren Wochen.

Verpackt und unverpackt

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Die Angermaiers vermarkten den regionalen Eiweißlieferanten über Tagwerk-Biomärkte und sogenannte Unverpackt-Läden und Restaurants in München. Einen klaren Vorteil sehen sie in der Nähe zur Landeshauptstadt, für Hugo ein „ganz anderes Publikum“. Sogar aus Mannheim in Baden-Württemberg bekämen die Beiden Anfragen.

Es ist eine ganz andere Branche, berichtet Christine Angermaier von ihren Erfahrungen. Anders als zuvor in Erzeugergemeinschaften müsse man sein Produkt selbst bewerben, alle Vertriebszweige und -schritte selbst organisieren, darunter auch die Erfüllung der lebensmittelrechtlichen Vorgaben wie die Nährwertangaben auf den Verkaufseinheiten. Das Positive: Die beiden bekommen gute Feedbacks. „Das spornt an“, sagt Christine mit leuchtenden Augen.

Beim Sojaanbau ist für Hugo Angermaier das „Sauberhalten“ die Kunst. „Jedes Jahr ist anders, aber jedes Jahr wird geerntet“, sagt er pragmatisch. Weiter bauen die Angermaiers auf rund 55 ha Dinkel, Hafer, Weizen und Mais an. Diese Ernte wird etwa an die Drax-Mühle in Rechtmehring geliefert. In Spitzenzeiten, etwa in der Erntephase, in der die Tofuproduktion ungebrochen weiterläuft, greifen die Beiden auf die Unterstützung von 450 € Kräften zurück. Eingespannt werden auch die drei Angermaier-Kinder: Sohn Thomas hilft bei der Feldarbeit, die Töchter Kathrin und Paula beim Verpacken der unterschiedlichen Tofu-Variationen.