Kalbfleisch

Biofleisch: Bauern treffen ins Schwarze

Biofleisch
Martina Fischer
am Donnerstag, 09.01.2020 - 09:55

Die Initiative Biokalb Oberland vermarktet Fleisch regional. Die Kundschaft ist gemischt.

Die Verbraucher wollen immer nur billig? Stimmt so nicht. Diese Erfahrung hat man bei der Initiative Biokalb Oberland gemacht. In ihr haben sich elf Betriebe aus dem Landkreis Miesbach zusammengeschlossen, die sich zu einer ganzen Reihe an Prinzipien bekennen. Die können auf inzwischen zwei erfolgreiche Fleischvermarktungen binnen kürzester Zeit zurückblicken. Die dritte ist bereits angesetzt.

„Bunt gemischt“ war die Kundenschar bei den Vermarktungen, erinnert sich Ingrid Neureiter vom Schmeroldhof aus Wall. Die interessierten Verbraucher kamen sowohl aus städtischer wie auch ländlicher Umgebung aus dem Landkreis Miesbach, aber ebenso aus den Regionen Rosenheim, München, Ebersberg und Dachau. Es gab viele Gespräche und großes Interesse seitens der Kunden. Die konnten sich bei den Vermarktungen – sie fanden auf dem Waller Hairerhof der Familie Stürzer statt – auch gleich bestens bei den angebotenen Hofführungen informieren und beim ersten Termin die Atmosphäre bei einem Hoffest genießen.

Die wichtigste Erkenntnis aus den Vermarktungen und den Gesprächen formuliert Ingrid Neureiter so: „Den Kunden ist die Qualität des Fleisches wichtig, aber genauso die Herkunft, die Haltung der Tiere.“ Dieses sehr klar formulierte Interesse hat sie fast schon etwas verwundert. Aber auch bestärkt. „Die Kunden sind froh, dass wir das machen. Sie sagten, sie hätten sich sowas schon lange gewünscht“, waren die Erfahrungen der Wallerin.

Zusammenschluss von elf Höfen

Fleischvermarktung

Offensichtlich hat die Initiative Biokalb Oberland bei den Verbrauchern ins Schwarze getroffen. Teil des Zusammenschlusses sind elf Höfe, neun davon aus Wall, einer aus Bernloh und einer aus Fischbachau. Sie alle sind überzeugte Biobauern und wollen ihre Tiere in der Region Miesbach vermarkten, um Transportwege zu vermeiden. Die Rinder haben Weidegang, kommen bei einigen Betrieben auf die Alm.

Sie werden nicht enthornt. Aus Überzeugung, wie Marina Stürzer vom Hairerhof erklärt: „Hörner gehören einfach zur Kuh. Sie gehören zum Wesen der Kuh.“

Bei der Initiative Biokalb Oberland, die vor fast genau einem Jahr gegründet wurde, würden alle Betriebe eine inzwischen gängige Praxis als problematisch sehen. „Wir wollten nicht mehr, dass wir unsere Kälber enthornen müssen“, sagt Stürzer. Wichtig sei auch die Transparenz. „Wir konnten nicht mehr nachvollziehen, was mit unseren Kälbern nach dem Verkauf passiert“, meint die Bäuerin dazu. Das sei den Betriebsinhabern jedoch wichtig. Das gilt auch für eine möglichst schonende Schlachtung. Sie erfolgt für die Tiere der Vermarktung am Hof im Schlachtboxverfahren durch die Waller Metzgerei Killer.

Offenbar honorieren die Verbraucher die Grundsätze. Vier Färsen wurden bisher vermarktet. Am Samstag, 14. Dezember, kam ein Ochse dazu. Die Kunden können das Fleisch abholen. Angeboten wird es in Fünf- und Zehn-Kilo-Paketen. Für die einzelnen Teile darin bekommen die Kunden als Service Beschreibungen und Rezepttipps. Die Edelteile können separat erworben werden. Das Fleisch des Ochsen war bereits wieder vorbestellt. Bei den Verkäufen soll es im bisherigen Rhythmus weitergehen, wie Marina Stürzer erklärt: „Wir wollen einmal im Monat vermarkten, damit die Kunden sicher gehen können, dass sie etwas kriegen.“

Erfolgreiche Vermarktung

Vom Erfolg der Initiative und der regionalen Vermarktung ist sie begeistert: „Für uns ist das ein Traum. Das Beste, was unseren Kälbern passieren kann.“ Dabei betonen sie und Ingrid Neureiter aber auch, dass „das Ganze noch am Anlaufen“ sei. 

Dennoch hat man bei der Initiative Biokalb Oberland natürlich Pläne und Ziele. Selbige sind durchaus besonnen. „Kein zu schnelles Wachstum. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen“, meint Neureiter. Der Metzger müsse genügend Kapazitäten haben und auch der Kühlwagen müsse zur Verfügung stehen. Der ist bisher ebenso wie der Verkaufswagen nur geliehen. Über einen Kauf wird nachgedacht. 

Außerdem sucht die Initiative noch nach Mastbetrieben zur Kooperation. Zwei sind es bisher. Sie erfüllen die Grundsätze – Regionalität, also Sitz im Landkreis Miesbach, Biobetrieb mit Weidegang und heubetonte Winterfütterung. „Und wir wollen noch hiesige Wirte als Kunden gewinnen. Es bieten nur sehr wenige Fleisch aus der Region an“, formuliert Marina Stürzer eine weitere Planung. Insgesamt ist man bei der Initiative Biokalb Oberland über das Erreichte zufrieden. „Die Vermarktung geht nur mit einer Gruppe von Bauern, die gemeinsame Ziele haben. Wir sind stolz auf unsere Gemeinschaft“, fasst es Stürzer zusammen.