Regionale Kooperation

Biobraugerste als Chance für Bauern

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Monika Konnert
am Montag, 06.07.2020 - 09:26

Landwirte der Biosphärenregion Berchtesgadener Land und Brauerei Wieninger arbeiten eng zusammen.

Der Aufbau und die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und zur Hebung der Lebensqualität. Ein gemeinsames Projekt der Biosphärenregion Berchtesgadener Land und der Brauerei Wieninger zeigt am Beispiel der Bio-Braugerste, wie die Idee „Aus der Region. In der Region. Für die Region“ erfolgreich umgesetzt werden kann.

Landwirte aus der Region bauen das Getreide hier an, ein Teisendorfer Betrieb verarbeitet und lagert es, die Brauerei Wieninger verwendet es als Rohstoff zur Herstellung des Bieres, das in der Region vermarktet wird.

Zu der Vorstellung des Projektes bei der Brauerei war neben den Akteuren auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber gekommen, die von einer „Blaupause auch für andere Regionen Bayerns“ sprach. Gerade in Krisenzeiten, wie jetzt durch Corona, habe sich gezeigt, wie wichtig die heimische Produktion zur Versorgung der Bevölkerung auch bei Lebensmitteln sei.

Brauchen mehr Braugerste in Bayern

Es sei wichtig, dass in einem bayerischen Bier – „dem bayerischen Produkt par excellence“ – auch Rohstoffe aus Bayern sind. Bei Braugerste, einer „unterschätzten Fruchtart“, sei dies nicht immer der Fall, da derzeit rund 70 000 ha Anbaufläche in Bayern fehlen würden. Auch deshalb seien Initiativen, wie die vorgestellte, für die Landwirte eine Chance.

Anwesend waren auch Vertreter der Gemeinden Teisendorf mit 3. Bürgermeister Georg Quentin und Saaldorf-Surheim mit 2. Bügermeister Maximilian Lederer. Es sei für die ganze Gemeinde etwas Besonderes, einen Betrieb zu haben, der nicht nur gutes Bier braut, sondern sich auch ökologisch voll engagiert, sagte Quentin in seinem Grußwort.

„Die Wiederbelebung des Braugetreideanbaus und deren Nutzung im Rupertiwinkel“ sei für ihn eine „schöne und wichtige Gesamtidee“ und für sein Unternehmen ein „spannendes Projekt“.

Laufener Landweizen in erfolgreichem Weißbier

Begonnen habe es vor einigen Jahren mit dem „Hoamat Weißbier“, bei dem erstmals der Laufener Landweizen als regionaler Rohstoff verwendet wurde. „Der Spaß, den wir dabei hatten, die netten Leute mit denen uns dieses Projekt zusammengebracht hat und letztendlich auch der Erfolg des Hoamat Weißbieres, haben uns motiviert, das Ganze größer zu denken.“

Erzeugerkreis mit sieben Bauern gegründet

Das geschieht mit Braumeister Bernhard Löw, Dr. Peter Loreth und Karin Heinrich von der Biosphärenregion und engagierten Landwirten wie Erich Maier, Bernhard Rehrl, Matthias Auer, Josef Berger, Martin Öttl und Philipp Lindner. Weiter sind Naturlandberater und Abnehmer und Kunden wichtig für das Funktionieren des Projektes.

Im August 2019 gründete sich der Erzeugerkreis für heimische Biobraugerste, dem aktuell sieben Biobauern angehören, davon fünf aus dem Berchtesgadener Land, einer aus dem Landkreis Traunstein und ein weiterer aus dem nahen österreichischen Flachgau. Sie haben heuer insgesamt knapp 23 ha Bio-Braugerste angebaut, davon 18 ha Sommergerste der Sorte Planet und als Versuchsanbau rund fünf Hektar Winterbraugerste.

Die Sorte KWS Liga hatte sich im Versuchsanbau gut bewährt. „Wintergerste ist generell ertragssicherer und könnte langfristig unter den sich ändernden klimatischen Bedingungen stabiler angebaut werden“, meint Loreth. Gereinigt und gelagert wird die Gerste in der Teisendorfer Surmühle, vermälzt im niederbayerischen Riedenburg. Dann kommt es zurück zur Surmühle, wo das Malz bis zur Verwendung gelagert wird.

Fortsetzung steht fest: Bauern willkommen

Für Loreth ist die Kooperation mit der Teisendorfer Brauerei ein „Leuchtturmprojekt mit Vorbildfunktion“. Die Pläne für die Fortsetzung des Projektes stehen bereits fest. Der Erzeugerkreis ist offen. Biobauern der Region, die mitmachen möchten, können sich bei der Brauerei oder bei der Biosphärenregion melden.