Landwirtschaft

Das Bild geraderücken

Bauernbild
Dietmar Fund
am Dienstag, 07.01.2020 - 12:34

Die Töginger Winterschüler gehen in einem Vortragsabend auf das Image der Landwirtschaft ein.

Mettenheim - Was denken Verbraucher über uns Landwirte? Wie stark weicht das von dem Bild ab, das wir von uns haben und was lässt sich tun, um beides zusammenzubringen? Diese Fragen wollten die Drittsemester der Töginger Landwirtschaftsschule mit einem Vortrags- und Diskussionsabend klären, zu dem sie die Öffentlichkeit einluden. „Unser Ziel ist es, das Bild der Landwirtschaft gerade zu rücken“, erklärte der Fachschüler Thomas Hobmaier, der den Abend moderierte.

Sein Mitschüler Florian Dirnberger schilderte im ersten Vortrag, wie die Fachschüler einen Fragebogen zum Bild der Landwirtschaft erstellten, um ein unabhängiges Ergebnis zu bekommen. Er umfasste neun Fragen, bei denen auch allerlei Unterpunkte anzukreuzen waren. Die Schüler verteilten solche Fragebogen an die Besucher und gaben ihnen 15 Minuten Zeit, bevor Dirnberger ihnen erläuterte, was bei einer ähnlichen Aktion wenige Wochen zuvor herausgekommen war.

Gymnasiasten befragt

Aufgeteilt in drei Gruppen hatten die Fachschüler auf Anregung ihres Schulleiters Josef Kobler und mit Unterstützung der Biologie-Lehrerin Elisabeth Trösch zwei Tage mit Elftklässlern des Maria-Ward-Gymnasiums und mit Zehntklässlern der Maria-Ward-Realschule in Altötting gesprochen. Sie hatten dort anhand mitgebrachter Erzeugnisse deren Preis und deren Rohertrag für die Bauern demonstriert und anschließend den Fragebogen ausgeteilt. Er ging auch an die Eltern der Schüler. Weiter füllten ihn die Fachschüler selbst und deren Eltern aus.
Das überraschende Ergebnis nach der Auswertung von 151 Fragebögen: Auch die Verbraucher haben eine positive Einstellung zur Landwirtschaft. Bei den abgefragten wichtigsten Aufgaben der Landwirte ergab sich eine komplette Übereinstimmung zwischen der Seite der Landwirte und der der Schüler und ihrer Eltern. Zur Verblüffung der Fachschüler wurde die Arbeit der Landwirte im Tourismus als unwichtig angesehen. „Die Einstellung zur Landwirtschaft war überraschend positiv. Die Verbraucher sehen uns Landwirte am Rande des Existenzminimums, obwohl wir selbst glauben, dass die Situation so schlimm nicht ist“, sagte Florian Dirnberger. „Sie merken auch, dass Landwirte sich als Sündenböcke missbraucht fühlen.“

Schockbilder verstören

Weshalb das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit und den Medien dennoch schlecht ist, schilderte Johanna Kaltenecker. Sie führte es einerseits auf Schockbilder zurück, die den ganzen Berufsstand zerstören könnten, und andererseits auf idyllische Werbebilder. „Mit diesen Trugbildern können wir nicht mithalten“, erklärte die Fachschülerin. „Die Realität, etwa in Form moderner Laufställe, kommt bei ihnen nicht vor. Deshalb kommen sich Verbraucher verarscht vor, wenn sie einen Vergleich mit der Werbeidylle anstellen.“

Kaltenecker lobte Aktionen wie die des Töginger BBV-Ortsobmanns Karl Kaiser, der mit Plakaten am Rande seiner Felder über seine Arbeit informiere. „Das und die Verbreitung von sachlichen Fotos über Social Media schafft Verbrauchernähe“, sagte die angehende Wirtschafterin für Landbau. 

Sie stellte klar: „Verbraucher erwarten, dass Landwirte sie informieren. Wir können nicht erwarten, dass sich Verbraucher bei uns über regionale Produkte, das Tierwohl und die Nachhaltigkeit informieren.“ Deshalb sei es so wichtig, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.
Das bekräftigte auch Veronika Auer. Sie sagte, die Presse und soziale Medien hätten einen prägenden Einfluss auf das negative Image der Landwirtschaft. Ein positives Bild von ihr spiegle sich seit dem Aufkommen der „grünen Welle“ in den 90er-Jahren nur in der ökologischen Landwirtschaft, bei der Weidehaltung, bei Bauernmärkten wider. Trotzdem dürfe kein Keil zwischen die konventionelle und die biologische Landwirtschaft getrieben werden. 

Soziale Medien nutzen

Obwohl und gerade weil die sozialen Medien Negatives so schnell verbreiten, sollten die Landwirte in diesen Kanälen über ihre Arbeit aufklären, so für Transparenz sorgen und das Gespräch mit den Verbrauchern suchen. Wie das konkret aussehen könnte, blieb unklar.
Bei der abschließenden regen Diskussion schlugen mehrere junge Leute vor, mit Schulklassen Landwirte zu besuchen, was heute in der Regel unterstützt von staatlichen Förderprogrammen nur mit Kindergartenkindern und Grundschülern gemacht wird.

Den Weg zur Ansprache älterer Schüler will auch Schulleiter Josef Kobler weiter beschreiten. Im nächsten Jahr werde es solche Austauschrunden mit aktualisierten Inhalten erneut geben, versprach er.