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Branchentreff

Bilanz der Kartoffelanbauer: Nach der Ernte ist vor dem Anbau

Prüfender Blick: Die Kartoffelanbauer begutachteten die ausgestellten Sorten und tauschten Erfahrungen aus.
Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 19.01.2023 - 08:42

Bei der Kartoffelschau in Lampertshofen besprach die Branche die Lage.

Lampertshofen/ Lks. Neuburg-Schrobenhausen „Hinter uns liegt ein schwieriges Jahr“, lautete die Bilanz Kartoffel-Experte Franz Steppich vom Landwirtschaftsamt Augsburg bei der Kartoffelsortenschau im Gasthaus Felbermaier. Während die Pflanzung normal verlief und im Mai ausreichend Niederschläge fielen, folgten Hitze und Trockenheit bis Mitte August. Dann erst kamen ergiebige Niederschläge, die die Kartoffelbauern vor eine schwierige Entscheidung stellten.

Wer gleich erntete, erzielte zwar gute Qualitäten, aber schlechte Erträge, wer wartete, hatte höhere Erträge aber auch schlechte Qualitäten mit geringeren Stärkegehalten sowie der Gefahr von Kindelbildung, Fäulnis und schlechter Schalenfestigkeit. Krautfäule trat Anfang Juni und dann wieder ab September auf, sodass meist vier bis acht Behandlungen nötig waren.

Verschiebungen bei der Anbauempfehlung

Beim Kartoffelbranchentreff präsentierte das Landwirtschaftsamt Augsburg etwa 100 Sorten aus dem Speise-, Stärke- und Pommes-frites-Sortiment und gab die Ergebnisse der amtlichen, regionalen Kartoffelversuche bekannt. Keine großen Verschiebungen gab es in der Anbauempfehlung für die Sorten für Neuburg-Schrobenhausen. Steppich stellte fest: „Es gibt nicht die eine Sorte. Jede hat Vor- und Nachteile. Deshalb gilt es, bei der Sortenwahl individuell abzuwägen.“

Das trifft beispielsweise speziell auf den Moorboden im Donaumoos zu. Er eignet sich grundsätzlich gut für den Kartoffelanbau, auch wenn Spätfröste im Frühjahr und Frühfröste im Herbst drohen. „Gab es 2021 wegen der Nässe massive Ausfälle, war das Donaumoos 2022 der große Gewinner“, meinte Steppich. Zum Schluss machte er noch auf die Sorte „Merle“ aufmerksam. Sie ist vorwiegend festkochend, bringt gute Erträge, ist aber virusanfällig und wenig lagerruhig

Pflanzenschutz: Alternativen zu Reglone

„Im Pflanzenschutz hat sich ein bisschen etwas getan“, betonte AELF-Sachgebietsleiter Albert Höcherl und stellte neue Produkte, z. B. „Belanty“ gegen Alternaria vor. Sein Fazit: „Es gibt auch eine Welt nach Reglone. Bei vernünftigem Einsatz und vorangegangenem Krautschlegeln erzielen Shark und Quickdown + Toil nahezu das gleiche Ergebnis. Auch der Einsatz von Paraffinöl zur Reduzierung von Y-Virus-Befall bringt ein gutes Ergebnis. „Die Wirkung ist mit einem Insektizideinsatz durchaus vergleichbar, in manchen Jahren sogar besser.“