Erfolg

Das Bier der kurzen Wege

Regionale-Braugerste_sas
Monika Konnert
am Montag, 08.03.2021 - 11:50

In Teisendorf kommen Hoamat-Biere auf den Markt – darin verwendet wird regionale Biobraugerste. Ein Anbauer berichtet von seinen Erfahrungen.

Biolandwirt Matthias Auer aus Steinbrünning war mit der ersten Ernte seiner Biobraugerste im vorigen Jahr zufrieden: Er hatte im Vorjahr auf zwei Hektar Sommergerste angebaut – jetzt ist er auf Winter-braugerste umgestiegen, ist diese doch pflanzenbaulich unproblematischer.

Daraus gewonnen wird das „Hoamat Bier“, das in der örtlichen Brauerei Wieninger gebraut wird – verwendet wird dafür ausschließlich heimische Braugerste aus ökologischem Anbau. Im März sollen unter der Marke helles und dunkles Lagerbier sowie naturtrübes Weißbier auf den Markt kommen und an dem Zusatzlabel „Rohstoffe aus unserer Hoamat“ erkennbar sein.

Dass er zu diesem Erfolg beitragen konnte, erfüllt Landwirt Auer mit Stolz. Er ist einer von zwölf Biobauern, die sich an dem Pilotprojekt zum Anbau heimischer Biobraugerste in der Region beteiligen, das die Brauerei Wieninger zusammen mit der Biosphärenregion vor gut zwei Jahren gestartet hat. Daraus entstanden ist das „Bier der kurzen Wege“.

Landwirte sind Pioniere

Zum Erfolg des Projektes, das anfangs nur eine „Spinnerei, aus einer Bierlaune heraus gewesen ist“, so Bräu Christian Wieninger, haben Landwirte wie Auer wesentlich beigetragen. Sie hatten Mut zum Risiko, betont der Bräu. „Alle Landwirte, die von Beginn an mitgemacht haben und immer noch dabei sind, sind Pioniere, weil sie den Anbau der Braugerste in unserer Region erstmals gewagt haben.“

Für Biobauer Auer ist es „a coole Sach“, bei der man mitmachen muss, wenn es sich anbietet, die Rohstoffe für ein Bier zu produzieren, das „wir kennen und gerne trinken“.

Auf insgesamt 38,5 ha Fläche hatten im vorigen Jahr neben Matthias Auer auch Josef Berger aus Fridolfing, Max Ehinger, Oswald Öttl und Christian Spitz aus Laufen, Erich Mayer aus Neukirchen/Eknach, Bernhard Rehrl aus Saaldorf, Josef Probst aus Chieming, Josef Mitiska aus Freilassing, Georg Maier aus Truchtlaching, die Gutsverwaltung Weingarten aus Gstadt und Philip Lindner aus Almeding Biobraugerste erfolgreich kultiviert.

Die Gerste wurde in der Surmühle Teisendorf gereinigt und gelagert. Zum Vermälzen musste sie mangels örtlicher Infrastruktur ins niederbayerische Riedenburg gebracht werden. Mit der Rückkehr des Malzes zu Wieninger hat sich der Kreis geschlossen. Dort wird Malz zur Herstellung der Hoamat-Biere verwendet.
Bei den Lagerbieren kommt nur Gerstenmalz zum Einsatz, beim Weißbier neben Gerstenmalz auch Weizenmalz vom Laufener Landweizen, einer alten regionalen Sorte, die regional schon etwas länger im Ökolandbau produziert wird. Als drittes regionales Produkt zur Bierherstellung wird in der Teisendorfer Brauerei auch der Lungauer Tauern-Roggen, eine alte Winterroggensorte, verwendet.
Auch der vergangene Winter sei für die Braugerstenkultur günstig gewesen, so Landwirt Matthias Auer. „In unserer Region ist die Trockenheit kein Sorgenfaktor“, meint er. Dass er in dem Projekt weitermachen wird, steht für ihn fest.

Hand drauf!

Mit Handschlag besiegeln Landwirt und Bräu ihr Geschäft. Auer und die anderen Projektlandwirte bekommen von der Brauerei die Sicherheit, dass das Getreide abgenommen wird, unabhängig von der Qualität. Dass sie sich bemühen, das Beste aus ihren Kulturen herauszuholen, versteht sich von selbst. Monika Konnert

„In unserer Region ist die Trockenheit kein Sorgenfaktor“