Wahl des Bezirkspräsidenten

Bezirkspräsident Oberbayern: Zwei Männer, ein Posten

Wahl
Sandra Kalb Portrait 2019
Sandra Kalb
am Donnerstag, 28.01.2021 - 12:11

Für das Amt des BBV-Bezirkspräsidenten kandidieren Ralf Huber und Wolfgang Scholz. Biobauer Huber will laut, kurz und knackig sein; Milchviehhalter Scholz plant eine professionelle, mediale Aufbereitung bäuerlicher Belange.

Der wohl spannendste Teil vor der Wahl des oberbayerischen BBV-Bezirkspräsidenten lief diese Woche ab: Die zwei Kandidaten Wolfgang Scholz und Ralf Huber stellten sich den Wahlberechtigten vor – coronabedingt in digitaler Form.

Ein Ausdruck der Demokratie

Für den Bezirksdirektor Martin Wunderlich ist es ein „Ausdruck der Demokratie“, dass sich neben dem derzeit stellvertretenden Präsidenten Scholz, der sich schon vor einigen Wochen zur Wahl stellte, recht kurzfristig ein weiterer Kandidat hervorgetan hat. Huber ist stellvertretender Kreisobmann in Freising, wollte sich zunächst als Vize-Bezirkspräsident bewerben und tritt jetzt als Kandidat für die Nachfolge des im September verstorbenen Bezirkspräsidenten Anton Kreitmair an.
Er bewirtschaftet einen biologischen Ackerbaubetrieb im Landkreis Freising, engagiert sich in mehreren Arbeitskreisen und Ausschüssen für den (Öko)landbau, für die Lehrlingsausbildung und ist im Lenkungsausschuss der Öko-Modellregion ILE Ampertal.
„Ich habe mein Feld bestellt und bin bereit für neue Aufgaben“, sagt Huber, der den Betrieb gemeinsam mit seinem Sohn in einer GbR leitet. Worin sieht er die neuen Aufgaben? Dazu könnte gehören, den Bayerischen Bauernverband zu einem – in Hubers – Worten „geilen Verein“ zu machen, der gleichermaßen offen für große wie kleine, ökologische wie konventionelle sowie Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe ist. Dasselbe Ansinnen hat Mitbewerber Scholz, seine Worte dafür: „Vor Gott sind alle gleich, im BBV sind alle Betriebsformen gleich viel wert“.

Ein Präsident für alle Betriebe soll es sein

Auch in der Diskussion mit den Wahlberechtigten, die die Vorstellung der Kandidaten per Videokonferenz verfolgten, wurde deutlich: Es braucht einen Präsidenten für alle Zweige der Landwirtschaft. Und: Die Fußstapfen, die Anton Kreitmair hinterlässt, sind sehr groß.
Auf Kreitmair besinnt sich auch Huber, wenn er betont, dass er der Landwirtschaft wieder eine gemeinsame Stimme geben und das Gespräch mit allen Beteiligen suchen will, um daraus das Beste für den Berufsstand und den Verband zu machen. Das funktioniere aber nicht mit einer „One Man Show“, sondern nur mit einer starken Mannschaft, wie der selbsternannte Volks- und Oktoberfestfreak betont.

Die Zusammenarbeit in der Branche

So laufe derzeit in seiner Heimatregion eine Veranstaltungsreihe mit der Arbeitsgemeinschaft Ernährung, Landwirtschaft und Forsten der CSU, weiter sind für die kommenden Wochen Gespräche mit Landwirtschaftsministerin Kaniber und auch den bayerischen Landtags-Grünen geplant. Eine seiner Erwartungen an die Politik ist, dass die hohen Standards der bayerischen Nahrungsmittel bezahlt werden müssen und der Lebensmitteleinzelhandel dazu verpflichtet wird, Produkte heimischer Bauern zu fairen Preisen anzubieten.
Scholz, der ebenfalls einige Ämter innehat, etwa die Vizepräsidentschaft des Verbandes der Deutschen Milchwirtschaft und des Vereins für Soziale Landwirtschaft, bezeichnet nach seiner langjährigen Erfahrung – unter anderem als Kreitmairs Stellvertreter seit fast einem Jahrzehnt – die Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) als „schwierig“, die mit dem BDM als „destruktiv“. Mit Land schafft Verbindung (LsV) hingegen müsse man auf alle Fälle sprechen, seien dort doch „Leute aus unseren Reihen“.
Er bekennt sich als „Mann der Milch“ und sieht auf Nachfrage keinen Widerspruch darin, sowohl das Amt des oberbayerischen Bezirkspräsidenten und des Vorsitzenden des Verbandes der Milcherzeuger Bayerns (VMB) zu bekleiden – mit Verweis auf den mittelfränkischen BBV-Bezirkspräsidenten Günther Felßner, der zugleich den Landesfachausschuss Milch innerhalb des Bayerischen Bauernverbandes leitet.

Die Rolle der Frau im Bauernverband

Auch der Stellenwert der Frauen im Verband beschäftigte die Wahlberechtigten. „Wir haben auch gute Plattformen für Frauen“, betonte Scholz. Huber brachte eine Satzungsänderung ins Spiel, um den Ehrenamtsträgerinnen im Bezirksverband mehr Entscheidungsrechte einzuräumen.
Sollte Scholz von der Mehrheit der rund 150 Wahlberechtigten zum Bezirkspräsidenten gewählt werden, will er in „professionelle mediale Aufbereitung“ der bäuerlichen Belange investieren, in „neue Bildsprache und anderes Wording“. Für Huber müsste die Darstellung des Verbandes laut, kurz und knackig sein. Auf seiner Mängelliste: „Tote Ortsverbände, die unfähig sind, Mitglieder an sich zu binden.“ Entgegnen will er dem derzeit mit WhatsApp-Gruppen, das funktioniere doch bei LsV auch sehr gut.

Wahlprozedere: So geht es jetzt weiter

Doch bevor einer der beiden mit seiner Arbeit beginnen kann, müssen die Wahlberechtigten – die gewählten Mitglieder der oberbayerischen BBV-Kreisvorstandschaften – ihre Stimme per Briefwahl abgeben. Die Unterlagen wurden diese Woche versandt und müssen bis spätestens 10. Februar, 24 Uhr, wieder bei der Hauptgeschäftsstelle Oberbayern eingehen.
Tags darauf zählt der vierköpfige Wahlausschuss, darunter die Kreisobmänner Ludwig Bayer (Neuburg-Schrobenhausen) und Franz Lenz (Ebersberg), die Stimmen aus und verkünden das Wahlergebnis – vermutlich per Videoübertragung. Die Amtszeit des nachgewählten oberbayerischen Bezirkspräsidenten dauert gut ein Jahr, dann stehen turnusmäßig wieder Wahlen an – die hoffentlich wie gewohnt in Präsenz stattfinden können.

Sandra Kalb

Wolfgang Scholz

Bauernverband

Wolfgang Scholz ist seit 2007 Kreisobmann von Weilheim-Schongau und seit 2012 stellvertretender BBV-Bezirkspräsident.

  • Jahrgang 1966, verheiratet
  • Absolvent der Fachakademie für Landwirtschaft
  • bewirtschaftet seit 1991 einen konventionellen Milchviehbetrieb, seit 1994 mit Drogentherapie am Hof

Ralf Huber

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Ralf Huber ist seit 2012 Vize-Kreisobmann beim BBV Freising und Bezirksvorsitzender im Arbeitskreis Ökolandbau.

  • Jahrgang 1966, geschieden
  • gelernter Betriebsschlosser und Landwirtschaftsmeister
  • bewirtschaftet seit 1994 einen biologischen Ackerbaubetrieb mit Lohntrocknung und Lohnlagerung von Getreide