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Jubiläum

Betriebskonzept - viel Lob für den Macher

600-Jahre-Eggertshof
Paul Kannamüller
am Montag, 22.07.2019 - 11:29

Der Eggertshof bei Freising feiert 600 Jahre. Ministerin Kaniber ist beeindruckt von der Entwicklung des Hofes.

An der Einfahrt zum Eggertshof steht heute noch eine uralte Linde, die schon viele Stürme überlebt hat. „Jedes Jahr treibt sie wieder aus“, sagt Josef Pellmeyer, „sie ist vom Hof nicht wegzudenken“. Sie könnte viel erzählen vom Kommen und Gehen, von Freud und Leid auf dem Eggertshof, der in diesen Tagen seinen 600. Geburtstag feiert. Wie Pellmeyer bei einem Festakt für geladene Gäste und der „Ehemaligen“ betonte, stehe die alte Linde sinnbildlich für das bäuerliche Anwesen. „Sie hat wie der Eggertshof viele stürmische Zeiten überstanden und hat sich immer wieder erholt.“ Bei einem Tag des offenen Hofes durfte sich dann auch die Bevölkerung auf dem landwirtschaftlichen Anwesen im „kleinsten Stadtteil“ von Freising umsehen.

Vom Jagdhaus zum modernen Bauernhof

Vor 600 Jahren tauchte der Eggertshof zum ersten Mal in den Geschichtsbüchern auf. Eng war das Anwesen seinerzeit wohl mit der Geschichte der Freisinger Fürstbischöfe verknüpft, denen es im Mittelalter auch als Jagdhaus diente, wenn sie sich an den nahegelegenen Isarauen zur Jagd getroffen hatten. Den Dreißigjährigen Krieg hat der Hof überstanden und auch die beiden Weltkriege in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Einem glücklichen Umstand habe es die Familie zu verdanken gehabt, dass der Hof im Ersten Weltkrieg nicht veräußert werden musste, betonte Pellmeyer in seiner Festrede. Auf eine weitere Bewährungsprobe wurde der Eggertshof gestellt, als 1941 sein Vater zum Kriegsdienst einberufen worden war. Nach einem Autounfall des Urgroßvaters durfte er jedoch von der Front auf das elterliche Anwesen zurückkehren und den Hof weiterführen. Nachzulesen ist das alles in einer bewegenden 176-seitigen Hofchronik mit vielen Bildern.
Heute ist der Eggertshof ein moderner landwirtschaftlicher Betrieb, der über die Jahrhunderte gewachsen und von engagierten Bauernfamilien weiterentwickelt worden ist. Inzwischen lenkt Junior Michael Pellmeyer die Geschicke des Hofes, auf dem nun auch eine Gärresteverdampfungsanlage steht, in der stündlich bis zu 1,8 m³ Wasser verdampft werden können. Dadurch könne Lagerraum eingespart und die Transport- und Ausbringungskosten deutlich reduziert werden, wie der Junior bei einem Rundgang durch die Anlage berichtete. Der Eggertshof steht auf mehreren Beinen, so gehören etwa die Milchviehhaltung (90 Kühe mit Nachzucht) sowie eine Biogas- und Kompostieranlage dazu; außerdem hat sich der Eggertshof als Ausbildungsbetrieb einen Namen gemacht. Gern wird er als Vorzeigebetrieb auch von „hohen Tieren“ besucht, so war schon der frühere Ministerpräsident Edmund Stoiber mit dem ehemaligen chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao zu Gast.

Gute Mischung aus Tradition und Fortschritt

In ihrer Ansprache bezeichnete Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber den Eggertshof als „Mutmacherbetrieb“. Dabei hat die Politikerin auch darauf verwiesen, dass die Bauern heute vielfach auch Unternehmer seien, die wie der Eggertshof auf mehreren Standbeinen stehen. Die Situation damals sei mit den heutigen Möglichkeiten freilich nicht mehr zu vergleichen, die technische Welt habe sich im 21. Jahrhundert rasant verändert. Bei aller möglicher Kritik sollte man nach den Worten von Kanibar nicht vergessen, „dass unsere bayerischen Landwirte viel leisten“. Es sei beeindruckend, wie etwa der Betrieb der Familie Pellmeyer wirtschaftlich dasteht.
Staatsminister Florian Hermann erwähnte lobend, dass auch die Bevölkerung auf den Betrieb geladen wurde, „weil viele Menschen gar nicht mehr wissen, wie Lebensmittel produziert werden“. Auf dem Eggertshof werde eine Mischung aus Tradition und Fortschritt gelebt, sagte der Staatsminister.
Der Präsident des Bayerischen Bauernverbands, Walter Heidl, würdigte Pellmeyer als einen, der nicht nur Ideen habe, sondern diese auch umsetze. Dabei betonte er auch den „ständigen“ Willen zu Innovationen, auf solider Basis immer wieder Neues anzupacken. „Wir brauchen solche Macher“, betonte der Bauernpräsident und verwies darauf, dass auch die politischen Rahmenbedingungen stimmen müssten.
Die viel diskutierte Düngeverordnung tangiere den Eggertshof kaum, meinte der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide. Damit spielte er auf die neue Gärrest-Verdampfungsanlage der Pellmeyers an, aus der hoch konzentrierter Dünger gewonnen werden könne. Als Pionier und Vorreiter bezeichnete der Freisinger Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher die Bauernfamilie. Sie habe ein Stück Stadtgeschichte geschrieben. Für den himmlischen Segen war Stadtpfarrer Peter Lederer zuständig, der bei strahlendem Sonnenschein am Hofkreuz eine Andacht hielt. Paul Kannamüller