Landfrauen

Berufung Bäuerin

Landfrauen
Christiane Giesen
am Dienstag, 19.03.2019 - 16:05

Frauentag im Casino des Traunsteiner Landratsamtes.

Mit einem Zitat des Gendarmeriemeisters Georg Ratzinger, Vater von – Papst Benedikt – Josepf Ratzinger, über die Rolle der Landfrau am Ende des 19. Jahrhunderts, stimmte Monika Stockinger vom Organisationsteam in das Thema des 26. Internationalen Frauentags in Traunstein unter dem Motto „Frauen in der Landwirtschaft – früher und heute“ ein. Erstmals leitete den Frauentag heuer nicht mehr die Initiatorin und Gründungsmitglied Margret Winnichner, die ihn 25 Jahre lang mit organisiert hatte.
Auf dem Podium sprachen sechs Frauen aus dem Landkreis Traunstein im Casino des Landratsamtes vor gut 100 Besuchern, etwa 10 % davon Männer. Auf die Fragen von Martha Selbertinger, Mediatiorin und Coach, antworteten und diskutierten mit dem Publikum Resi Schmidhuber, stellvertretende Landrätin und langjährige Kreisbäuerin, die Vollerwerbsbäuerin Sonja Englmaier aus Axdorf, Anna Klauser, Biobäuerin aus Grabenstätt, Veronika Kirchmair, Direktvermarkterin mit Hofladen aus Schützing, Chieming, sowie Anna Hörterer aus Schleching und Martina Wastlhuber aus Knesing, Chieming, beide Schülerinnen der Landwirtsschaftsschule Traunstein.
Auf die Frage, was ausschlaggebend für ihre Berufswahl gewesen sei, die oftmals ja nur „halbfreiwillig“ vor sich geht, antwortete Resi Schmidhuber, dass es vor rund 50 Jahren für ein Mädchen von einem Bauernhof selbstverständlich gewesen sei, dass sie ländliche Hauswirtschaft lernt. Sie selbst setzte diese Ausbildung bis zur Meisterprüfung fort.

Noch immer nahezu 90 % männliche Betriebsleiter

Sonja Englmaier bezeichnete sich hingegen als Quereinsteigerin, da sie zuvor eine Lehre als Raumausstatterin absolviert hatte und nicht von einem Bauernhof stammt. Für die zwei Schülerinnen hingegen war es klar, dass sie beide eigentlich schon im Kindergarten wussten, dass sie gerne auf einem Bauernhof arbeiten und leben wollten.
Dass immer noch nahezu 90 % männliche Betriebsleiter in der Landwirtschaft tätig sind, beantwortete Schmidhuber mit der Feststellung, dass der Beruf Bauer eben auch körperlich schwere Arbeit bedeute und Technik vielleicht eher den Männern liege. Anna Klauser, die keine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert und auf einen Bauernhof eingeheiratet hat, musste den Hof als Betriebsleiterin übernehmen, als ihr Mann frühzeitig starb.
Anfangs sei es sehr schwierig gewesen, sie habe es aber nicht bereut. Alle Frauen auf dem Podium bestätigten, dass sie öfter als Frau in dem Beruf nicht ernst genommen würden. „Hast du denn keinen Bruder?“ würden sie oft automatisch gefragt, denn noch immer sei es die Ausnahme, dass ein Mädchen Hofnachfolgerin werde.
Moderatorin Martha Selbertinger wollte wissen, wie die Bäuerinnen die vielfältigen Arbeiten auf einem Hof unter einen Hut brächten. Vroni Kirchmair, ausgebildete Trachtenschneiderin und heute Direktvermarkterin, erzählte aus ihrer täglichen Arbeit: sich um ihren eineinhalbjährigen Sohn, den Hofladen (mit Selbstbedienung) und 300 Hennen kümmern und hin und wieder die ganze Familie mit Trachtenkleidung ausstatten.
Und wenn die zwei Lehrlinge im Betrieb am Wochenende frei haben, helfe sie auch im Stall mit. „Man muss sehr flexibel sein und die ganze Familie muss zusammenhalten“, brachte sie es auf den Punkt. Zu der Frage, ob es nicht oft auch schwierig sei, wenn mehrere Generationen unter einem Dach leben, meinte Klauser, dass viele in eine bestehende Familie einheiraten und man sich seinen Platz schon erkämpfen müsse.
Aus dem Publikum gab Burgi Mörtl-Körner, seit 33 Jahren Lehrerin an einer landwirtschaftlichen Berufsschule, die Empfehlung, dass eine einheiratende Frau unbedingt auf getrennte Wohnungen achten sollte. Stress und Burn-out nähmen auch bei Frauen in der Landwirtschaft immer mehr zu, so dass es unabdingbar sei, auch mal alles liegen zu lassen, um sich zu regenerieren.
Ein weiteres Thema war, wie die Frauen das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit vertreten. Schmidhuber ärgerte sich darüber, dass 98 % der Bevölkerung keine Bauern seien, aber über die Landwirtschaft ständig urteilen würden. Anna Hörterer und Martina Wastlhuber hielten fest, dass es sehr wichtig sei, selbstbewusst aufzutreten und mit den Leuten zu reden, denn: „Bäuerin ist kein Beruf, sondern eine Berufung.“
Musikalisch wurde die Veranstaltung mit Weisen von Sophia Hasenknopf an der Ziach und Barbara Stockinger, Posaune, umrahmt. Im Anschluss hatten alle Frauentag-Besucher bei einem vom Team zubereiteten kalten Büffet die Möglichkeit, die aktuellen Themen weiter zu diskutieren.

Das Organisationsteam des Frauentags besteht aus acht Frauenorganisationen aus dem Landkreis, den Aktiven Frauen Traunsteins, der Beauftragten für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit, Bündnis 90/Die Grünen, CSU-Frauenunion, DGB-Frauen, Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF), Soroptimist International Club Traunstein, und Traunsteiner Liste.