Jahresbilanz

Berufsfischer: Viele helfende Hände

Fischer
Anton Hötzelsperger
am Dienstag, 10.11.2020 - 09:59

Trotz Corona-Pandemie ziehen die Fischer am Chiemsee eine positive Bilanz

5 Uhr früh, am Ufer in Prien-Stock: Leises Wellenrauschen ist das Einzige, was zu vernehmen ist. Die Ansässigen schlafen noch, auch auf den Straßen ist noch nichts los. Wer schon auf den Beinen ist: Chiemsee-Berufsfischer Engelbert Stephan, er lässt seinen Bootsmotor an und beginnt damit seinen Arbeitstag – so wie fast alle Tage und bei beinahe jedem Wetter.
„Ein guter, fast reicher Fang“ – so bezeichnet Fischer Stephan nach zweieinhalb Stunden Ausfahrt und Einholen der Netze das Tagesergebnis, im Vergleich zum Vortag war es sogar sehr gut. „Fast zu Hundert Prozent Renken fangen wir derzeit, die Nachfrage nach regionalem Fisch ist in der Coronazeit gestiegen, an fangschwachen Tagen können wir zum Teil nicht alle Kundenwünsche erfüllen“ – so der 59-jährige Fischer. „Wenn das Herbstfest gewesen wäre, hätten wir ganz schön zu tun gehabt, um der Nachfrage gerecht zu werden“.

Absprachen einhalten

Bei der noch nächtlichen Ausfahrt erläutert Engelbert Stephan die Struktur und Aufgaben der Berufsfischer: „In der Fischereigenossenschaft Chiemsee sind wir 16 Berufsfischer, das Pachtverhältnis erfolgt mit dem Staat durch die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung.“ Einmal im Winter treffen sich alle Berufsfischer der von Thomas Lex von der Fraueninsel geführten Genossenschaft zu diversen Absprachen, alsdann gilt es das ganze Jahr über die getroffenen Vereinbarungen einzuhalten. Zu diesen gehört unter anderem, dass jeder Berufsfischer das gesamte Seegebiet befischen darf. Wo schon ein Fischerkollege ein Netz ausgelegt hat – so die weiteren Erklärungen – erkennt man an den Bojen über Wasser. Die Bojen sind nummeriert, sodass jedes ausgelegte Netz gleich einem Fischer zugeordnet werden kann.

Fangmengen schwanken

„Meinerseits fahren wir heute fünf Bojenplätze an, zum Teil haben wir diese bereits im Navi eingegeben, aber wegen der starken Feuchtigkeit geht das Navi nicht immer. Macht aber nichts, wir finden sie auch so“ – so der Bootsführer, der beim ersten Platz aus dem Netz fast 80 Renken herausholt und sofort in Eistruhen packt. „So viele sind es nicht alle Tage und an allen Plätzen, das hängt auch von der Netzmaschenweite ab, vier Stück haben heute eine Weite von 37 mm, und ein Netz von 40 mm, in letzterem finden sich in der Regel weit weniger Exemplare. Dass wir ganz leer ausgehen, das kommt eigentlich nie vor, aber Tage mit nur 20 Fischen gibt es schon hin und wieder“.
Weiters informiert der Fischer, dass die Renke am Chiemsee vom 5. Oktober bis 6. Januar Schonzeit hat, was zur Folge hat, dass dann mehr nach anderen Chiemsee-Fischarten wie Brachsen, Hecht, Zander oder Aal geschaut wird und dazu fügt er hinzu: „Die Renke ist auf dem ganzen See zuhause, aber als Schwarmfisch zieht sie immer wieder weiter. Andere Fischarten finden wir an wieder anderen Stellen, die zum Teil seichter und in Buchten sind“.
Wenn der Fischfang morgens abgeschlossen ist, gehen die Arbeiten eines Berufsfischers erst richtig los. Engelbert Stephan legt an den ersten vier Wochentagen die geleerten Netze zurück ins Wasser für den kommenden Fangtag, an Freitagen nimmt er sie mit nach Hause, um etwaige Schäden und verfangenen Unrat zu beseitigen, sonntags werden die Netze wieder ausgebracht. Zuhause warten dann bereits Ehefrau Bernadette sowie Tochter Verena und Schwiegersohn Martin, die letzteren beiden haben vor kurzem die Fischergesellen-Prüfung abgelegt, so dass sie einmal den Betrieb, den Engelbert 1989 nach einer ersten kaufmännischen Ausbildung von seinem Vater Max Stephan übernommen hatte, weiterführen werden.
Viele Hände sind im Hause Stephan nach Ankunft der fangfrischen Ware gefordert, die erste Aufgabe ist das Schuppen und dann das Herrichten für den Verkaufsladen.

Insel war nicht erreichbar

Der heurige Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie war besonders für die Berufsfischer auf der Fraueninsel eine Herausforderung. Thomas Lex, Vorsitzender der Genossenschaft war selbst betroffen, er blickt zurück: „Die Insel war nicht mehr zu erreichen, das war eine schwierige Zeit für den Absatz. Doch nach dem Lockdown kamen wieder mehr Leute auf die Insel, sodass wir dank des Verkaufs der zuvor eingefrorenen Fische passende Ergebnisse erzielen konnten“.
Das Hochwasser im Sommer war für die Fischer nicht nachteilig, im Gegenteil wie Thomas Lex sagt: „Bewegung im Wasser ist immer gut, durch das Hochwasser kamen mehr Nährstoffe in den See, was ebenfalls gut tat“. Somit ziehen die Chiemsee-Fischer in einem Jahr mit vielen Höhen und Tiefen vorläufig eine zufriedenstellende Bilanz.