Kooperation

Bayernweit der erste Waldpakt

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Maria Horn
am Dienstag, 16.10.2018 - 09:30

Auf dem Johannishögl ist zwischen dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein (AELF) und der Waldbesitzervereinigung Laufen-Berchtesgaden (WBV) bayernweit die erste Kooperationsvereinbarung unterzeichnet worden. Forstministerin Michaela Kaniber und der Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes Josef Zieger unterzeichneten das Papier gemeinsam mit dem Amtsleiter Alfons Leitenbacher und WBV-Vorsitzendem Franz Käsmeier.

Mit dieser Kooperation wird ein wesentliches Element des Waldpaktes zwischen der Bayerischen Staatsregierung und den Interessensvertretungen der Waldbesitzer auf lokaler Ebene umgesetzt. Im Kernsatz der regionalen Kooperationsvereinbarung heißt es: „Das AELF Traunstein und die WBV Laufen-Berchtesgaden setzten sich als starke gleichberechtigte Partner das Ziel, die Herausforderungen einer zukunftsfähigen Waldentwicklung und Waldbewirtschaftung im Klimawandel sowie zur Unterstützung der Waldbesitzer im Schulterschluss anzunehmen.“

Ein Leuchtturmprojekt

Forstministerin Michaela Kaniber freute sich über die bayernweit erste Kooperationsvereinbarung zwischen einem forstwirtschaftlichen Zusammenschluss und der Forstverwaltung. „Die WBV Laufen-Berchtesgaden und das AELF Traunstein sind damit Vorreiter und Leuchtturm für ganz Bayern. Es ist heute ein stolzer Moment und es wird der Startschuss für zahlreiche landesweite Kooperationen gesetzt, von denen letztlich die bayerischen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer profitieren.“
Den Beschluss des „Waldpakts 2018“ nannte Kaniber ein Bekenntnis zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung auf der ganzen Waldfläche sowie zum Grundsatz „Wald vor Wild“. „Gemeinsam stehen wir zur multifunktionalen naturnahen Forstwirtschaft, klimagerechten Waldumbau mit angepassten Wildbeständen und zur verstärkten Verwendung des nachwachsenden Rohstoffes Holz. Deshalb wird die Bayerische Staatsregierung die forstlichen Selbsthilfeeinrichtungen weiterhin finanziell unterstützen und die bisherigen Beratungsförster in Form von Koordinatoren als Scharniere zwischen Forstverwaltung und WBV weiterentwickeln“, sagte die Ministerin und nannte konkrete Zahlen: „Die staatliche Förderung für die Forstzusammenschlüsse wird von fünf auf zehn Millionen Euro verdoppelt, die 54 Beraterstellen bleiben erhalten.“
Waldbesitzerpräsident Josef Ziegler brachte seinen Dank dafür zum Ausdruck, dass die Bayerische Staatsregierung den Waldbesitzern und deren Organisationen mit dem Waldpakt großes Vertrauen entgegenbringe, das gerade in der personell hinterlegten Fortsetzung der bewährten engen Zusammenarbeit und der in Aussicht gestellten Verdoppelung der finanziellen Unterstützung der Forstlichen Zusammenschlüsse seinen Niederschlag finde. Der Leiter des AELF Traunstein, Alfons Leitenbacher, machte deutlich, dass es nach der erfolgreichen Entwicklung und Professionalisierung der WBV in Zukunft vor allem darum gehe, die Herausforderungen einer zukunftsfähigen Waldentwicklung und Waldbewirtschaftung im Klimawandel im Schulterschluss anzunehmen. „Wir möchten unsere Waldbesitzer gemeinsam bestmöglich bei der Pflege und Bewirtschaftung ihrer Wälder unterstützen und so als erste Ansprechpartner in allen Fragen zu Wald- und Fortwirtschaft wahrgenommen werden“. Der 1. Vorsitzende der WBV Laufen-Berchtesgaden Franz Käsmeier benannte ergänzend dazu einige wichtige Arbeitsfelder für die enge Kooperation, wie die Hebung des forstlichen Bildungsniveaus bei den Waldbesitzern oder die Förderung des Mischwaldgedankens.

Einstieg in die Praxis

Sozusagen als „Einstieg“ in die Thematik wurde ein Privatwaldstück mit mittelaltem Fichtenbestand am Högl besichtigt. Dabei konnte sich Ministerin Kaniber ein Bild von der praktischen Zusammenarbeit von Kleinwaldbesitzern machen. Dazu erklärte Revierförster Anton Resch die Notwendigkeit von besitzübergreifender Durchforstung und erläuterte exemplarisch die waldbaulich sinnvolle Vorgehensweise im „Dreiklang“ zwischen privaten Waldbesitzern, Forstverwaltung und WBV. Maria Horn

WBV Laufen-Berchtesgaden in Stichworten

WBV-Geschäftsführer Tobias Glück informierte ergänzend zu Arbeit und Zielen des Vereins. Die Waldbesitzervereinigung Laufen-Berchtesgaden wurde in ihrer heutigen Form im Jahr 2009 gegründet, die Anfänge gehen bis in das Jahr 1969 zurück. Die Vereinsfläche umfasst rund 13 500 ha, 2000 Waldbesitzer sind Mitglied. Der Tätigkeitsbereich erstreckt sich von Tittmoning im Norden bis zum Königssee im Süden. Die östliche Vereinsgrenze bildet die Landesgrenze zu Österreich, im Westen reicht das Einzugsgebiet bis Palling, Waging am See, Teisendorf, Schneizlreuth und Ramsau. Die Finanzierung erfolgt durch drei Standbeine: die staatliche Förderung, die Mitgliedsbeiträge und den Erlös aus dem Holzverkauf. Neben dem Vorstand und der Geschäftsführung sind die zehn Waldwarte die „wichtigsten Leute“, sie sind die Ansprechpartner vor Ort und das Bindeglied zwischen WBV und Mitglied. Sie kümmern sich um organisatorische Angelegenheiten wie die Holzaufnahme oder den Verkauf.