Waldpflege

Baumartenvielfalt stetig erjagen

Tannen-Naturverjüngung
Monika Konnert
am Donnerstag, 30.07.2020 - 12:30

Hans Praxenthaler aus Thannsberg hat in seinen fünf Hektar Wald die Naturverjüngung fest im Fokus.

Rund 16.000 private Waldbesitzer gibt es laut Landwirtschaftsamt Traunstein in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land. Sie bewirtschaften 38 % der rund 98.000 ha Waldfläche. Einer von ihnen ist Hans Praxenthaler aus Thannsberg in Fridolfing. Sein fünf Hektar großer Forst liegt in Hofnähe und ist Teil der 730 ha großen Fläche, die er zur Jagd gepachtet hat, darunter rund 23 % Wald. Praxenthaler ist Biobauer, Waldbesitzer, Jagdpächter, erster Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft und zweiter Vorsitzender des Ökologischen Jagdverbandes Südost-Oberbayern. Er kennt die Sorgen der privaten Waldbesitzer – Klimawandel, Stürme, Dürre, Borkenkäfer, Holzmarkt – aus eigener Erfahrung und vielen Gesprächen mit anderen Waldbesitzern, Forstleuten und Jägern.

Ganz klein bis mannshoch

Besonders beschäftigt ihn die Frage nach der forstlichen Behandlung und Verjüngung des Waldes. Stolz zeigt er die vielen Naturverjüngungsnester, wo man auf kleinstem Raum Sämlinge und Jungpflanzen verschiedener Baumarten finden kann, wie Buche, Bergahorn, Fichte, Tanne, Eiche, Vogelkirsche, Eibe, Vogelbeere oder Zitterpappel.
Besonderen Stellenwert haben für ihn Eichen- und Eibensämlinge: „Das zeigt mir, dass der Wildbestand stimmt“, meint der passionierte Jäger. „Das ist ein jagdlicher Erfolg. Über Jahre sind hier keine Eichen oder Eiben gewachsen, weil sie vom Wild verbissen wurden. Auch Tanne in verschiedenen Altersstufen ist reichlich vorhanden und nur wenig verbissen. Das war nicht immer so.“

Eichen- und Eibensämlinge genießen besonderen Stellenwert

Sein Vater habe die damals noch seltenen Eibensämlinge ausgegraben und auf seinem Hof eingesetzt, um später an Samen zu kommen. Jetzt findet man junge Eiben von ganz klein bis mannshoch, Nachkömmlinge einiger Alteichen, die in einem feuchten Graben wachsen und deren Samen von Vögeln verbreitet werden.

Der Kleinwaldbesitzer ist überzeugt, dass man sich an das Verjüngungsziel, hohe Baumartenvielfalt zur Erziehung eines klimaresistenten Waldes „heranschießen“ muss. Er selbst erlege in seinem Revier bis zu 60 Rehe jährlich. Füchse und Hasen jage er nur in Ausnahmefällen, etwa wenn ein Fuchs die Hühnerställe der Umgebung unsicher macht. Wenn dann aber genügend Verjüngung vorhanden sei, könne ruhig auch etwas verbissen werden, denn es bleibe noch genug übrig.
Es sei für Waldbesitzer und Jäger eine Gratwanderung zwischen Verjüngung und Wildbestand. „Es darf nicht abreißen, Kontinuität ist genauso wichtig wie Vielfalt“, zeigt sich Praxenthaler überzeugt. Das, was man in seinem Wald sieht, spricht für seinen Weg. Verjüngung sei aber nur der Anfang, meint er. Man müsse nach gelungener Verjüngung pfleglich mit ihr umgehen. Die Fichte gehöre bei uns in einen Mischwald, aber nicht auf größerer Fläche im Reinbestand.

Viele verschiedene Ideen

Zäune und künstliche Verjüngung setzt Praxenthaler nur ergänzend ein, wenn zukunftsversprechende Baumarten wie Eiche oder Weißtanne in der Verjüngung ganz fehlen. „Am Waldrand darfs auch mal eine Robinie sein, denn darüber freuen sich die Bienen.“ Genauso wie sich Insekten über das Totholz freuen. Dies gehört für ihn zur Vielfalt im Wald, genauso wie die alte, dicke Buche, in der sich ein Schwarzspecht eingenistet hat.
„Das Schöne am Kleinprivatwaldbesitz ist die Vielfältigkeit.“ Viele Ideen und Vorgehensweisen – auch das sei eine Chance für den Wald der Zukunft. Praxenthaler meint: „Die Vielfalt machts!“